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Grevenbroich: RWE-Azubis sehen Kohle-Ausstieg 2038 locker

Ausbildungsstart 2020 : RWE: 181 Azubis starten im Revier

RWE stellt mehr Auszubildende als in den vergangenen Jahren ein. Denn der Altersdurchschnitt von Kumpel und Kraftwerker ist relativ hoch. Trotz des Ausstiegsdatums blicken die jungen Azubis optimistisch in ihre Zukunft.

Heute ist Ausbildungs-Start – aber nicht für die Azubis von RWE. Für die fängt der viel zitierte Ernst des Lebens erst am letzten Montag der Sommerferien an, also am 10. August. Dieser Termin hat so etwas wie Tradition im Energiekonzern. Revierweit werden dann 181 junge Leute den Schritt ins Berufsleben unternehmen. In der Ausbildungswerkstatt Gustorf sind es 35, die dort fit für einen Einsatz im Neurather Kraftwerk oder im Tagebau Garzweiler gemacht werden. Und das trotz des Kohleausstiegs 2038. „Wir stellen wieder mehr Azubis ein als in der Vergangenheit“, sagt Ausbildungsleiter Roger Ringel.

Der Grund: Der Konzern hat im Rahmen des Projekts „Nachwuchssicherung Braunkohle“ festgestellt, dass die Altersstruktur der im Revier eingesetzten Mannschaft relativ hoch ist. Kumpel und Kraftwerker sind im Schnitt 51 Jahre alt – da muss frisches Blut rein. Im Vorjahr wurden 150 junge Leute in den Ausbildungswerkstätten aufgenommen, diesmal sind es 31 mehr. Und Ringel geht davon aus, dass im Ausbildungsjahr 2021 ebenfalls wieder um die 180 Neue in den Konzern einsteigen werden. Das trage zur langfristigen Sicherung der Personalstruktur bei.

Elektroniker, Mechatroniker, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und erstmals Fachkraft für Metalltechnik – das sind die Ausbildungsberufe, die RWE hauptsächlich im Rheinischen Revier anbietet, und die gefragt sind. „Wir haben eine Reserveliste – für den Fall, dass sich mal jemand für einen anderen Arbeitgeber oder ein Studium entscheiden sollte“, sagt Ringel. Durchaus attraktiv: Der Arbeitgeber stellt den jungen Leuten eine Übernahme in den Konzern in Aussicht, dafür verlangt er allerdings Leistungen. „Und die werden auch erbracht“, sagt Teamleiter Frank Viehofen. „96 bis 99 Prozent unserer Auszubildenden bestehen die Erstprüfung. Diese Quote ist auch unser Anspruch.“

 Dass 2038 endgültig Schluss mit der Braunkohle sein wird, stört junge Leute wie Jannik Lenders nicht. „Über das Ausstiegsdatum mache ich mir keine Sorgen“, sagt der 19-Jährige, der Mechatroniker im ersten Ausbildungsjahr ist. Da RWE europaweit der drittgrößte Produzent von Erneuerbaren Energien ist, blicke er optimistisch in seine berufliche Zukunft. „Strom wird schließlich immer gebraucht.“

Nach seiner Azubi-Zeit will er sich weiterbilden und ein Studium in Mechatronik und Elektrotechnik aufnehmen. Am liebsten bei seinem Arbeitgeber, der ein duales Modell ins Leben gerufen hat, das Studium und Arbeit vereint. Das ist auch für Nils Spörkel interessant, der zum Zerspanungsmechaniker ausgebildet wird und anschließend gerne Maschinenbau studieren möchte. Und auch für ihn ist das Ausstiegsdatum 2038 kein Thema: „RWE wandelt sich schnell.“ Ein Trend, den Ringel beobachtet hat: „Für viele junge Leute steht eine gute Ausbildung an erster Stelle. Die jetzige Generation erhebt nicht mehr den Anspruch auf ein 40-jähriges Betriebsjubiläum.“

Wegen der Corona-Pandemie ging RWE bei den Einstellungs-Interviews diesmal einen anderen Weg: Sie wurden erstmals online per Video geführt. „Ich glaube, dass wir damit bei dem einen oder anderen sehr innovativ rübergekommen sind“, meint Ringel. Und Viehofen hat eines festgestellt: „Von zu Hause aus verliefen die Gespräche viel lockerer als sonst.“