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Grevenbroich: Sankt-Martins-Umzüge sind in Gefahr

Brauchtum in Grevenbroich : Ungewissheit um Martinsfest

Offiziell abgeblasen worden ist noch nichts. Die Vereine überlegen, ob und wie sie Umzüge unter Corona-Bedingungen stemmen können. Für den Fall einer Absage wird auch über ein „Martinsfest light“ nachgedacht.

Der Auftakt des Karnevals fällt in Grevenbroich aus. Corona-bedingt hat die Stadt rund um den „Elften im Elften“ alle Sitzungen in geschlossenen Räumen untersagt – in Absprache mit den Jecken. Für die Feierlichkeiten, die im Freien geplant sind, gibt es im Rathaus zurzeit allerdings noch keine Entscheidung. „Wir warten die Vorgaben des Landes ab“, sagt Stadtsprecher Stephan Renner.

Ebenfalls am 11. November wird das Martinsfest gefeiert – durchaus mit Inbrunst. Denn im vergangenen Jahr wurden 34 Laternenumzüge genehmigt, an denen sich Tausende Kinder und Erwachsene beteiligten. Das übertrifft sogar noch die Zahl der Schützenfeste.

Doch wie planen die Vereine das Martinsfest? Für Unsicherheit sorgt der 31. Oktober. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Großveranstaltungen in Deutschland mindestens noch untersagt. Die Stadt rät den Veranstaltern, die weitere Entwicklung im Blick zu behalten und noch keine festen Pflöcke einzuschlagen – „die dann gegebenenfalls wieder herausgezogen werden müssen, falls es zu Absagen kommen könnte“, sagt Stephan Renner. Wann der nächste Erlass aus Düsseldorf eintreffen wird, sei noch nicht abzusehen.

„Daher ist das zurzeit alles noch Kaffeesatzlesen“, sagt Ulrich Wilms, Präsident der Elfgener Bürgerschützen, die am 11. November das Martinsfest im Umsiedlungsort organisieren. Der Vorstand des Vereins hat sich dazu entschlossen, die nächsten Wochen abzuwarten. Nichtsdestotrotz geht Wilms davon aus, dass das Martinsfest – sollte ein Umzug erlaubt werden – anders ablaufen wird als gewohnt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir unseren Martins-Kaffee für 60 Senioren im Pfarrsaal veranstalten dürfen“, sagt der Präsident. Und auch das Martinsspiel, das vor dem Umzug in der Kirche für Kinder stattfindet, werde „wohl nicht funktionieren“.

Martinszug mit Abstand
ist schwer vorstellbar

Das sieht Uwe Mayer, Präsident des Volks- und Heimatvereins im Nachbarort Laach, ähnlich: „Es ist schwer, sich unter den derzeitigen Gegebenheiten einen Martinszug gegebenenfalls unter Abstandsregelungen vorzustellen“, sagt der Chef der Schützen, die jedes Jahr ein Fest für 100 Kinder veranstalten.

Wesentlich größer wird in Kapellen gefeiert. Das Martinskomitee organisiert alljährlich einen Umzug, an dem viele Tausend Kinder und Erwachsene teilnehmen – bevor es sich zum Schluss rund um das Martinsfeuer geradezu knubbelt. „Dieses Fest gestalten wir seit vielen Jahren, und haben richtig Spaß daran“, sagt Vorsitzender Klaus Stappen. Doch ob das alles im Herbst in gewohntem Umfang über die Bühne gehen könne, sei noch unklar: „Für den Fall, dass der traditionelle Umzug abgesagt werden sollte, wollen wir definitiv ein Alternativ-Programm anbieten.“ An dessen „Feinheiten“ werde derzeit noch gearbeitet.

Auch die Grevenbroicher Bürgerschützen überlegen gemeinsam mit der Leitung der katholischen Grundschule mehrere Varianten. „Darunter ist auch eine, die ein Fest in abgespeckter Form vorsieht“, berichtet Präsident Detlef Bley. „Momentan müssen wir mehrgleisig überlegen, da nicht feststeht, ob was geht und – wenn ja – wie es stattfinden kann.“ So geht auch das Martinskomitee in Gustorf vor.

Die Werbe- und Interessengemeinschaft Wevelinghoven (WIG) veranstaltet rund um den Martinszug jedes Jahr einen großen Treff auf dem Marktplatz. Ob der auch in diesem November stattfinden wird, darüber will sich der Vorstand am Donnerstagabend beraten, sagt Sprecher Oliver Benke. Dabei wird auch der Nikolausmarkt am 29. November thematisiert.