Studie: Was die S28-Verlängerung über Willich nach Viersen auch Gladbach bringt

Kreis Viersen : Studie: Gladbach profitiert von der S 28

Mönchengladbach sperrt sich gegen eine Westverlängerung der Regiobahn bis Viersen. Eine Studie soll den Widerstand nun brechen. Und Willichs Bürgermeister macht einen ungewöhnlichen Vorschlag.

Eine Verlängerung der Regiobahn S 28 über Kaarst hinaus bis nach Viersen würde Bahnfahrten zu den Großstädten Düsseldorf und Neuss um bis zu 26 Prozent verkürzen, könnte knapp 130 000 Einwohner und 43 000 Beschäftigten eine klimafreundliche und komfortable Fahrt zur Arbeit oder Freizeitaktivitäten ohne Umsteigen ermöglichen und so die stauanfälligen Autobahnen A 52 und A 44 entlasten. Das ist das – wenig überraschende – Ergebnis einer Studie zu den verkehrlichen und volkswirtschaftlichen Vorteilen einer Westverlängerung der Regiobahn.

Seit vier Jahren gibt’s einen regionalen Konsens über die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Viersen und Kaarst mit den Haltepunkten Neersen und Schiefbahn. Allerdings führt die Trasse knapp 900 Meter über Mönchengladbacher Gebiet im Stadtteil Neuwerk – und Viersens Nachbarstadt wehrt sich seit Jahren vehement gegen die Pläne.

Die Studie des Büros Planersocietät aus Dortmund beleuchtet deshalb auch, welche Vorteile eine Verlängerung der S 28 den Mönchengladbachern bringen würde. „Wir haben übrigens nie die Erwartung formuliert, dass sich Mönchengladbach an den Ausbaukosten beteiligen soll“, erklärte Andreas Budde, Beigeordneter des Kreises Viersen, im Planungsausschuss.

Die Experten aus Dortmund zeigen in der Studie auf, dass insbesondere der neue Bahnhof Willich-Neersen für Gladbach Vorteile bieten würde. „Rund 72 Prozent der Einwohner im Einzugsbereich wohnen in der Stadt Mönchengladbach“, erklärte Rolf Alexander von Planersocietät. „Und die Erschließungswirkung umfasst ebenfalls mehrere Gewerbegebiete im Norden der Stadt Mönchengladbach.“

Der Kreis will nun Gespräche mit Mönchengladbach führen

Sein Fazit: „Der gesamte Mönchengladbacher Norden kann von einer besseren regionalen Anbindung profitieren.“ Und: Vom Haltepunkt in Neersen ist der Flughafen Gladbach mit 650 Beschäftigten fußläufig erreichbar. Willichs Bürgermeister Josef Heyes (CDU) wäre auch zu einem Zugeständnis an Gladbach bereit: Gerne könne man die Haltestelle Neersen um ,Flughafen Mönchengladbach‘ ergänzen.

Landrat Andreas Coenen (CDU) hofft, dass die Studie zu einem Umdenken in Mönchengladbach führt. „Sie zeigt deutlich, dass die Westverlängerung viele Nutznießer in allen Anrainerkommunen hat“, so der Landrat. „Ich möchte diese Chance nutzen, mit allen Partnern gemeinsam die Regiobahn auf die Schiene zu bringen.“ Eine Westverlängerung würde für einen „elementaren Lückenschluss im Nahverkehrsnetz auf der Schiene am westlichen Niederrhein“ sorgen.

Die Westverlängerung der S 28 würde in weiten Teilen fast parallel zur Autobahn 52 verlaufen. Sie sei daher eine zuverlässige und komfortable Alternative zur Autofahrt über stauanfällige Straßen, findet Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD): „Die Verlängerung der S 28 ist nicht zuletzt unter dem Aspekt des Klimaschutzes zwingend. Sie bietet eine umsteigefreie Verbindung für viele Ein- und Auspendler zwischen Viersen und Düsseldorf und entlastet die Autobahnen.“

Und wie wird es nun weitergehen? Andreas Budde: „Wir werden nun Gespräche mit der Gladbacher Verwaltung
führen.“

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