Eine Verlängerung der Regiobahn S28 von Kaarst über Schiefbahn und Neersen bis Viersen wird seit Jahren diskutiert. Jetzt hat das Unternehmen allerdings eine Reihe anderer Probleme.

Personennahverkehr : Finanzkrise bei der Regiobahn

Kreise Neuss und Mettmann sowie Stadt Düsseldorf übernehmen Ausfallbürgschaften.

Die Regiobahn kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: Nachdem im Juni bekannt geworden war, dass sich die Regiobahn-Fahrbetriebsgesellschaft (FBG) mbH vom bisherigen Geschäftsführer Stefan Kunig getrennt hat, müssen die Gesellschafter nun offenbar Ausfallbürgschaften für einen Betrag von insgesamt 1,4 Millionen Euro zeichnen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Rhein-Kreis Neuss, die Stadt Düsseldorf und der Kreis Mettmann haben entsprechende Erklärungen bereits abgegeben. Das bestätigt jetzt Mettmanns Landrat Thomas Hendele auf Nachfrage. Es handelt sich dabei lediglich um Absichtserklärungen; nichts anderes sind Bürgschaften. Zahlungen seien nicht erfolgt, betont Hendele.

Es handele sich dabei um eine vom Wirtschaftsprüfer angeratene „reine Vorsichtsmaßnahme“, betont Aufsichtsratsvorsitzender Heiner Cöllen. Diese habe keine Auswirkungen auf das Verfahren zu Ausbau und gleichzeitiger Elektrifizierung der Strecke zwischen dem Neusser Hauptbahnhof und dem Bahnhof Kaarster See, betont Cöllen. Und auch in die Diskussion um eine Verlängerung der Regiobahnlinie von Kaarst über Haltepunkte in Schiefbahn und Neersen bis Viersen komme Bewegung: Es zeichne sich ab, als könne man bald in Planungen einsteigen, sagt Cöllen. „Die Blockadehaltung scheint aufgegeben“, sagt er vorsichtig. Bisher scheiterte die Verlängerung, die vor allem den Willichern und den Viersenern wichtig ist, an der Politik in Mönchengladbach. Die vorgesehene Trasse würde über Gladbacher Stadtgebiet führen, was den dortigen Anwohnern nicht gefällt – zumal sich die Stadt Mönchengladbach wenig von der Verlängerung verspricht.

Mehrere andere Baustellen
beschäftigen das Unternehmen

Wie hoch derzeit allerdings die Priorität dieser Verlängerung ist, ist fraglich, da zurzeit mehrere andere Baustellen das Unternehmen beschäftigen, dessen Verwaltung sich in Mettmann befindet. Zum einen wird im Bereich Düsseldorf Bilk ein neuer Fernbahnsteig gebaut. Dazu werden auch eine neue Signaltechnik, die Oberleitung und eine veränderte Gleislage eingerichtet. Das führt dazu, dass die S 28 zeitweise zwischen Düsseldorf Hbf und Neuss Hbf nicht fährt und es einen Schienenersatzverkehr gibt.

Darüber hinaus wird bei der Regiobahn ein neues Elektronisches Stellwerk gebaut und die Strecke in Richtung Wuppertal verlängert. Auch das zieht zeitweise Streckensperrungen nach sich. Der bauliche Lückenschluss ist bereits gelungen. Doch aktuell sorgt der Widerspruch eines einzelnen Anliegers dafür, dass für die Elektrifizierung der Strecke Mettmann bis Wuppertal-Dornap noch kein Baurecht vorliegt. Das und die Tatsache, dass die Elektrifizierung der Strecke für diesen Abschnitt neu ausgeschrieben werden muss (Cöllen: „Es gab nur ein Angebot – zu Mondpreisen“), bringt die Regiobahn in eine schwierige Lage: Im Vertrauen darauf, dass sie künftig nur Elektro-Züge einsetzt, hat der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) vier Fahrzeuge gekauft, die im Dezember ausgeliefert werden.

Die Regiobahn wäre zu deren Übernahme, Pacht und Wartung verpflichtet – kann sie aber erst ab 2021 einsetzen. Das heißt, es entstehen Kosten, aber keine Einnahmen. Hinzu kommt, dass sich aus der verspäteten Fertigstellung der Strecke Mettmann–Wuppertal Schadenersatzansprüche des VRR auf Basis des geschlossenen Verkehrsvertrages ergeben – und der VRR kein Entgelt zahlt.

Er sei aber dabei, sagt Cöllen, mit dem VRR über einen späteren Termin für die Betriebsaufnahme und eine andere Verwendung der vier Elektro-Züge zu verhandeln. Auch Landrat Thomas Hendele zeigt sich zuversichtlich: Sowohl bezüglich des Widerspruchs des Anliegers als auch im Zusammenhang mit möglichen Schadensersatzansprüchen des VRR gebe es „aktuell Verhandlungen mit dem Ziel, Schadensersatzansprüche zu vermeiden“, berichtet Hendele. Gerichtliche Verfahren seien bislang nicht anhängig. Mit dem Ausbau gehe es weiter, „sobald ein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vorliegt“, sagt der Landrat. Auf die Frage „Kommen weitere finanzielle Verpflichtungen auf den Kreis Mettmann zu?“ antwortet Hendele: „Das ist derzeit nicht abzusehen, wahrscheinlich nicht.“

Was das Ausscheiden des bisherigen Geschäftsführers Stefan Kunig betrifft, hüllt man sich in Schweigen: „Zu den Gründen werden wir uns nicht äußern“, betont Hendele. Mit den Verzögerungen und den daraus resultierenden Folgen habe der überraschende Wechsel aber nichts zu tun, sagt er. Für den Übergang leitet Jörg Wiedenlübbert die Geschicke des Unternehmens, bis ein Nachfolger
gefunden ist. -nau/arue/msc

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