Jugendliche torkeln sich schlau

Fischeln: Krefelder Schüler lernen, warum Alkohol und Zigaretten gefährlich sind.

Krefeld. In der Karnevalszeit sieht man Jugendliche durch die Straßen taumeln. Das ist kein Sonderfall - laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) haben im vergangenen Jahr 18 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren geraucht und 22 Prozent einmal die Woche Alkohol getrunken. Krefelder Jugendliche haben jetzt spielerisch gelernt, wie gefährlich Alkohol und Tabak sind.

Fünf Stationen hat der Mitmach-Parcours in der Albert-Schweitzer-Schule. Am "Tor der Entscheidung" werden die Schüler direkt mit einer Frage konfrontiert. "Gibt es mehr Nichtraucher als Raucher?" Die Schüler sagen "Nein". Mal gucken, ob sie am Ende des Parcours Recht behalten. Dann müssen sie schätzen, wie viel Alkohol in Mixgetränken enthalten ist.

Durch den süßen Geschmack scheinen sie harmlos, doch bereits nach drei bis vier Alkopops liegt der Promillegehalt von Jugendlichen bei 0,8 bis 1,5.

Hier setzt der "Drunk-Buster" ein. Die Schüler tragen spezielle Brillen, die Alkoholeinfluss simulieren. So müssen sie einen Parcours meistern: Zuerst auf einer Linie gehen dann einen Ball auf einem Hütchen ablegen - gar nicht so einfach, wie die Schüler erfahren. "Man sollte sich zwei Mal überlegen, ob man etwas trinkt, denn es ist kein angenehmes Gefühl", sagt der 15-jährige Burak Gürleyen.

Die anderen Stationen beschäftigen sich mit dem Einfluss der Werbung, klären über das Rauchen auf und Erfahrungsberichte regen zu Gesprächen an. Mit Erfolg, wie Christa Lunkenheimer, Direktorin der Albert-Schweitzer-Schule findet. Süchte seien zwar Thema im Unterricht, aber eine Sichtweise von außen sei besser und in diesem Fall für die Schüler "spannender."

Die 14-jährige Lisa Meisner hat bis jetzt nur ein Bier-Mixgetränk probiert und den obligatorischen Silvester-Sekt. Danach habe sie sich komisch gefühlt. Die Aktion findet sie gut: "Man bekommt viel mit durch die Medien, aber im Parcours lernt man noch eine Menge", sagt sie.

Die Aktion zeigt, dass die Schüler Alkohol und die Folgen bereits kennen. Wichtig ist er trotzdem: "Vielen hat es gefallen, weil sie einfach mal reden konnten und nicht nur zuhören", erläutert Timo Krupp von der BZgA. Mit dem Parcours hat die Bundeszentrale eine Ebene gefunden mit den Kindern in den Dialog zu treten. Übrigens: Es gibt mehr Nichtraucher.

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