Schauspiel: Wer hat Angst vor . . .

Schauspiel : Wer hat Angst vor . . .

Die Inszenierung von Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ kommt nun auch nach Krefeld.

Ja wer hat denn Angst vor dem bösen Wolf? Angesichts dessen, dass in unseren Gefielden Wölfe wieder heimisch sind, vielleicht für manchen eine durchaus legitime Frage. Doch um Wölfe dieser Art geht es hier nicht. Spielt der Titel „Wer hat Angst vor Virigina Woolf“ vielleicht auf diese Assoziationen an; indes der Autor dieses Stückes der US-Amerikanische Dramatiker Edward Albee, soll eher durch Zufall auf diesen Titel gekommen sein. Er schien ihm passend für sein neues Stück, als er es als Kritzelei in einer Kneipe las.

So oder so, wahrscheinlich nicht nur, aber wohl auch wegen des eingängigen Titels, ist „Who’s Afraid of Virginia Woolf?“ zum bekanntesten Stück des 2016 verstorbenen Autors. Die Eingägigkeit des Titels, der „Teasing-effekt“ könnte fast aus der Feder eines abgebrüht-genialen Mad Men von den Werbeagenturen auf der Madison Avenue stammen. Diese sind oder waren ja auch bisweilen bekannt als PR-Wölfe im Schafspelz – aber wir wollen hier nicht zu sehr ins Plaudern geraten.

Und ja, in diesem 1962 uraufgeführten Stück geht es auch schon um Wölfe, den Wolf im Menschen, wie er sich mit Worten und Blicken, mit Gedanken zerfleischen kann; und es geht, zumindest wenn man es hermeneutisch möchte, auch um Virginia Woolf – um die Ikone der Frauenbewegung, obwohl sie in dem Stück nicht vorkommt. Denn die Geschichte um das Paar George und Martha, die auf das deutlich jüngere Paar Nick und Honey treffen, dreht sich emphatisch um die Demaskierung althergebrachter Rollen- und Beziehungsbilder.

Regisseur Sascha Mey hat das dichte Kammerspiel, das durch die Verfilmung aus dem Jahre 1966 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton auch jenseits der Bühne zu einem feststehenden Begriff wurde, bereits für Mönchengladbach inszeniert. Nun kommt das Stück auch nach Krefeld und wird am 4. Oktober in der Fabrik Heeder Premiere feiern.

Betitelt man das Stück gerne als eine „Eheschlacht“, so gehe es mehr um die „Demaskierung“ einer intellektuellen Scheinwelt. Mit bitterem Humor werden die verkrusteten Verbindungsstränge menschlicher Paarbeziehungen zerrieben. Das Stück, in dem eine sonderbare Situation nach einer Party mehr und mehr eskaliert, muss, ja sollte psychologisch gedeutet werden. Diesen Schwerpunkt will auch Mey betont wissen.

Dennoch soll diese „Austreibung“ auch in starken Bildern gezeigt werden. Dies erfordert viel Einsatz von den Schauspielern, in unserem Fall sind es: Eva Spott (Matha), Michael Ophelders (George), Ronny Tomiska (Nick) und Jannike Schubert (Honey).

Die Bühnen und Kostüme von Udo Hesse lassen Verweise zu „The American way of life“ zu, doch gestaltet er mehr einen offenen Raum, vielleicht eine Art psychologische Arena, in der sich das gesamte Geschehen auf die Akteure konzentrieren soll. Hierzu wurde die Bühne, wie von den Machern erläutert, an die Gegebenheiten der Fabrik Heeder angepasst. Ohnehin biete die Studiobühne ideale Bedingungen, um als Publikum ganz nah in das Stück einzutauchen. Das gewiss tüchtig mitziehen kann, begänne es auch zumindest von der Anmutung her zunächst im Boulevardesken.