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Pfarrfest von St. Reinold in Düsseldorf Vennhausen

Gemeinschaft im Stadtteil : Gemeinde feiert in Vorgärten

Das Fest von St. Reinold fand in diesem Jahr in den Vorgärten der Gemeindemitglieder statt.

Gebannt hatte Stephanie Müller den ganzen Sonntagvormittag auf die Wetterkarte für Düsseldorf und besonders den Regenradar geblickt. Erst nach zwölf Uhr konnte die Pastoralreferentin der Pfarrgemeinde St. Margareta aufatmen. Das Pfarrfest der Gemeinde von St. Reinold in Vennhausen, die zur katholischen Pfarrgemeinde St. Margareta zählt, konnte beginnen. Aber der Blick ging immer wieder gen Himmel, weil ausschließlich im Freien gefeiert wurde. „Wir haben wohl genau das Zeitfenster erwischt, in dem es nicht regnet“, freute sich Müller.

In St. Reinold bewahrheitete sich die alte Weisheit „Not macht erfinderisch“. „Wir wollen zusammenkommen, wir wollen uns begegnen“, sagt die Pastoralreferentin. „Aber unter den aktuellen Corona-Pandemiebedingungen ist das ja nicht so einfach. Da sind wir vor ungefähr sechs Wochen auf die Idee gekommen, das Pfarrfest komplett in die Gemeinde zu verlegen.“ Mit anderen Worten: Man fragte die Gemeindemitglieder, ob sie bereit seien, am ersten Sonntag im Oktober für drei Stunden etwas in ihren Vorgärten zu veranstalten. „Wir haben mit sechs, sieben, maximal zehn Zusagen gerechnet“, gesteht Müller. „Dass es am Ende 22 geworden sind, hat uns überrascht und gefreut.“

So wurde aus dem Pfarrfest bei Freunden eher ein Stadtteilfest. Jeder, der mitmachte, konnte selbst entscheiden, was er anbieten wollte. So kam ein bunter Mix aus Kinderspielen, kulinarischen Angeboten und Kulturellem zusammen. „Mit dieser neuen Form haben wir auch Menschen erreicht, die sich bisher noch nie aktiv am Pfarrfest beteiligt hatten“, so Müller.

Einer davon war Michael Zech. Der Dachdeckermeister hatte in seinem Vorgarten einen dicken Holzbalken fest mit zwei Böcken verschraubt und bot seinen Gästen an, fingerbreite Zimmermannsnägel zu versenken. „Das ist nicht so einfach. Das Holz ist sehr alt und hart. Viele Nägel werden dadurch krumm und schief“, so Zech. „Ich finde es gut, dass man überhaupt wieder etwas machen kann, um sich zu begegnen. Meine Nachbarn haben mich ins Boot vom Pfarrfest gezogen. Nachbarschaft ist für mich das entscheidende Stichwort, um dabei zu sein.“

Für Johannes Wiertz, Benedikt und Sebastian Imkamp war es eine Selbstverständlichkeit, ihren Vorgarten mit drei Kinderspielen für Nachbarn zu öffnen – waren sie doch im Organisationsstab des Pfarrfestes. „Es ist zwar Corona, aber wir wollten zeigen, dass man sich Gedanken macht und Ideen für Gemeinde und Stadtteil entwickelt“, so Wiertz. „Dass so viele zum Mitmachen bereit sind, ist ein ermutigendes Signal.“ Für die Pastoralreferentin könnte die neue Form des Pfarrfestes sogar die Blaupause für kommende Feierlichkeiten sein. „Es lebt davon, dass die Menschen selber bestimmen, was sie machen wollen. Dadurch wird das Angebot vielfältiger“, erläutert Müller. „Sie gestalten selbst und laden Freunde ein, dabei zu sein. Und der Aufwand ist wesentlich geringer, als wenn man Tage vorher irgendwo anders einen Stand aufbauen muss. So muss Kirche in Zukunft sein.“