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Tag Deutsche Einheit: Düsseldorfer Städtepartnerschaft mit Chemnitz

Tag der Deutschen Einheit in Düsseldorf : "Wir wollen weiter voneinander lernen"

Zum Tag der Deutschen Einheit blickt OB Thomas Geisel auf die Städtepartnerschaft von Düsseldorf und Chemnitz. Die innerdeutsche Beziehung existiert seit dem Jahr 1988.

Die Bundesrepublik feiert 30 Jahre Deutsche Einheit. Für Düsseldorf hat die Städtepartnerschaft mit Chemnitz in Sachsen aber nicht nur deswegen eine besonders historische Bedeutung: 1987 bat der damalige Oberbürgermeister Klaus Bungert die Spitze der SED darum, einen Kontakt zwecks einer deutsch-deutschen Städtepartnerschaft mit Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt, herzustellen. Die Antwort kam umgehend. 1988 wurde die Partnerschaft offiziell besiegelt. Anlässlich der 30 Jahre Deutsche Einheit blickt Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel auf die Städtepartnerschaft mit Chemnitz.

Was macht die Städtepartnerschaft mit Chemnitz aus?

Die innerdeutsche Beziehung bedeutet Geisel sehr viel. Ihre historische Bedeutung sei nicht hoch genug zu schätzen – insbesondere an diesem besonderen Wochenende, an dem 30 Jahre Einheit gefeiert werden. Nach dem Fall der Mauer unterstützte Düsseldorf den Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung in Chemnitz sowohl finanziell als auch personell. Bis heute stehen die Stadtverwaltungen bei Fachfragen in Kontakt. Für Geisel machen gerade diese persönlichen Verbindungen der Menschen den wesentlichen Charakter der Städtepartnerschaft aus: „Das ist das Besondere, was mich auch emotional berührt.“

Gibt es Gemeinsamkeiten in der Mentalität der Menschen?

Geisel reiste mehrfach nach Chemnitz oder begrüßte seine Kollegin, Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, in Düsseldorf. Die Offenheit und die Gastfreundlichkeit der Chemnitzer werden ihm in Erinnerung bleiben. Mit Kollegen und Weggefährten, „die die Partnerschaft auch schon in den frühen Tagen geprägt haben, saßen wir häufig bis spät in den Abend in geselliger Runde zusammen“, sagt Geisel. Statt Unterschiede in der Mentalität entdeckte er eher Gemeinsamkeiten – zwischen der Düsseldorfer rheinischen Fröhlichkeit und der Chemnitzer Warmherzigkeit.

Wie wichtig ist der Dialog?

Auch nach mehr als 30 Jahren Partnerschaft könne und müsse weiter voneinander gelernt werden. Geisel hält es deswegen für sehr wichtig, in einem ständigen Dialog zu bleiben und für Prinzipien wie Demokratie, Freiheit und gesellschaftliche Partizipation einzustehen: „Wir sehen immer wieder, besonderes in diesen politisch turbulenten Zeiten, wie fragil der gesellschaftliche Frieden ist. In diesem besonderen Jahr für die Bundesrepublik, in dem wir 30 Jahre Deutsche Einheit feiern, sollten wir uns umso mehr darauf besinnen, wie wichtig es ist, für die Bewahrung unsere Grundwerte an einem Strang zu ziehen.“

Wie befruchtend ist die Partnerschaft?

Vor allem im Sport sind Düsseldorf und Chemnitz eng miteinander verbunden. Boxen, Judo, Fußball – in allen Bereichen herrscht reger Austausch von Clubs und Vereinen. Auch gegenseitige Einladungen zu Konferenzen verstetigen für Geisel die Zusammenarbeit der Stadtverwaltungen. Ein besonderes Projekt in diesem Jahr ist der zweite Teil der Bürgerbegegnung zwischen 30 Düsseldorfern und 30 Chemnitzern. Sie lernen sich nicht nur kennen, sondern erleben gemeinsam ein kulturelles und politisches Programm, das Stoff für Dialog bietet. Im November besuchte die Düsseldorfer Gruppe bereits Chemnitz.

Sollte man auf Chemnitz neidisch sein, weil dort viel Geld in die Infrastruktur investiert wurde?

Geisel lehnt es ab, von Neid zu sprechen: „Denn genau diese Vorurteile wollen wir in einem geeinten Deutschland nach 30 Jahren wirklich hinter uns lassen.“ Chemnitz habe sich in den vergangenen Jahren sehr entwickelt und sei zu einem bedeutenden Produktions- und Hochschulstandort in Sachsen geworden. Infrastrukturelle Entwicklungen unterstützten diesen positiven Trend und helfen der Stadt, auch in Zukunft zu prosperieren. „Und wenn ich mir Düsseldorf ansehe, kann ich ebenfalls zufrieden sein. Auch wir haben in den vergangenen Jahren im Bereich der Infrastruktur, der Stadtentwicklung und des Schulbaus viel bewegt. Hier ist ein Aufwiegen von Ost und West, meiner Meinung nach, gar nicht notwendig“, sagt der OB.

Sollte es eine Aufbauhilfe West geben?

Geisel lehnt diese komplett ab: „Als Oberbürgermeister einer erfolgreichen Stadt wie Düsseldorf wäre es anmaßend, sich so etwas zu wünschen.“

Welche Themen müssen künftig angepackt werden?

Für viele Kommunen stehen laut Geisel ähnliche Punkte auf der Agenda: Umwelt- und Klimaschutz, Integration, nachhaltige Stadtentwicklung, Sicherheit, Mobilität und Digitalisierung. „Die großen Herausforderungen der Zukunft geht man am besten an, in dem man sich mit nationalen und internationalen Partnern austauscht und voneinander lernt“, sagt der OB. Veranstaltungen wie der „Second Mayors‘ Summit on Living Together“ im vergangenen Jahr in Düsseldorf mit 40 Amtskollegen aus 28 Ländern, darunter die Chemnitzer Oberbürgermeisterin, würden dabei helfen: „Von der Schaffung bezahlbaren Wohnraums bis hin zur digitalen Verwaltung wurde hier über alles diskutiert. Ich bin davon überzeugt, dass solcher Austausch den Weg zu nachhaltigen und intelligenten Lösungen ebnen kann“, sagt Geisel.

Wie hat man sich gegen Fremdenfeindlichkeit engagiert?

„Wir sind mehr“ lautete das Motto der Gegenbewegung, die sich nach den rassistischen Ausschreitungen und Demonstrationen im August 2018 in Chemnitz gegründet hat. Viele Düsseldorfer sind nach Chemnitz gefahren und haben die Partnerstadt unterstützt. Die Chemnitzer Band Kraftklub lud Musiker ein, um ein Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit zu geben, bei dem „Die Toten Hosen“ mitmachten. „Auch die Düsseldorfer Politik setzte damals ein Zeichen der Solidarität mit der Partnerschaft Chemnitz und beschloss ein Sonderbudget von 10 000 Euro, mit dem städtepartnerschaftliche Projekte gefördert werden sollen, die sich vor allem für Demokratie und Zusammenhalt einsetzen“, berichtet Thomas Geisel.