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Kritik: So war das Konzert von Bon Jovi in der Düsseldorfer Arena

Konzert in Düsseldorf : Bon Jovi singt gegen Soundbrei an

Zum Tourauftakt in Düsseldorf gab die Band um Jon Bon Jovi zweieinhalb Stunden Gas. Die Band aus New Jersey hatte mit zu lautem Sound zu kämpfen.

Für den Auftakt ihrer Deutschlandtour „This House is not for sale“ haben Bon Jovi Düsseldorf ausgesucht, im Gepäck das 2018 erschienene gleichnamige Album. Am Mittwochabend rockt die Band aus New Jersey in der Merkur Spiel Arena vor vollem Haus. „Germany, sechs Jahre ist es her, dass wir hier waren“, stellt Frontmann Jon Bon Jovi fest und schiebt hinterher: „Es ist gut wieder hier zu sein und eigentlich müsste es my Germany heißen, denn nirgendwo sonst haben wir so viele Freunde und Familie“. Er hat es immer noch drauf, wenn er auch nicht mehr ganz so wild über die Bühne springt, wie früher. Vor allem das weibliche Publikum kann er aber nach wie vor um den Finger wickeln, breit lächelnd und tanzend mit einem Fan zur Ballade „Bed of Roses“.

Die Band hinter ihm ist eine sichere Bank für den 57-Jährigen. Routiniert arbeiten sie sich an einem Repertoire ab, das inzwischen 13 Studioalben (Soloprojekte nicht mitgerechnet) umfasst.

Der Opener, das Titelstück der aktuellen CD „This House is not for sale“ legt das Tempo für den Abend vor. „Ich halte mich nicht lange mit reden auf, wir haben heute viel vor“, kündigt Jon Bon Jovi den Fans an. Rund zweieinhalb Stunden lang gibt es auch reichlich auf die Ohren und zwar wörtlich genommen, denn die Hits wie „Born to be my baby“, „Runaway“ oder „Keep the faith“ gehen im viel zu lauten Soundbrei fast unter. Der Blondschopf hat reichlich Mühe dagegen anzusingen.

Background Sänger Everett singt Frontmann Jon an die Wand

Die Fans nehmen es gelassen, feiern jeden Klassiker, der von den sieben Musikern auf der Bühne angestimmt wird. Der eine oder andere, der die Bandgeschichte nicht so genau verfolgt haben mag, reibt sich verwundert die Augen. Sieben Musiker? Waren die nicht mal nur zu fünft? Waren sie. 2015 stieg Gitarrist Richie Sambora aus und wurde durch gleich zwei Kollegen ersetzt: John Shanks, zuständig für Rhythmus und Leadgitarrist Phil X, den Jon Bon Jovi seinen „Personal Hero“ nennt. Die beiden sind gut, keine Frage, aber Sambora fehlt irgendwie doch, sowohl als Gitarrist, als auch stimmlich. Neu dabei ist Percussionist und Background-Sänger Bradley Everett, der Frontmann Jon mühelos an die Wand singt.

Als Bühnenbild dienen drei riesige Leinwände, die passend zu den Songs mal einen Highway, eine weite Landschaft und ein Feuerwerk einblenden oder die Musiker umrahmt von Kirchenfenstern zeigen, während Keyboarder David Bryan, das Intro von „Lay your hands on me“ zelebriert. Bryan trägt übrigens immer noch die gleiche Frisur, wie Mitte der 1980er, als Bon Jovi noch Vorband für die Scorpions waren. Für sie geben Def Leppard den Opener an diesem Abend.

Zwei Stunden Show mit nur zwei Balladen zeigen, dass die echten Knaller nach wie vor die großen Hits wie „Wanted dead or alive“, „I’ll sleep when I‘m dead“ oder „Bad Medicine“ sind. Die neueren Stücke, mit Ausnahme von „It’s my Life“, das Bon Jovi 2000 einen veritablen Hit bescherte, wirken dagegen sehr glatt und ohne jede Überraschung.

Wenig überraschend ist dann auch die Zugabe mit den Bon Jovi-Klassikern „I’ll be there for you“ und „Livin‘ on a prayer“.