Hermes soll in Düsseldorf Obdachlose ausbeuten

Vorwürfe: Fifty-Fifty: Paketdienst Hermes beutet Wohnungslose aus

Laut der Obdachlosenhilfe haben bis zu 15 Zusteller keinen festen Wohnsitz. Hermes prüft nun die Vorwürfe.

Der Vorwurf wiegt schwer: Der Paketzusteller Hermes soll Obdachlose als Billig-Zusteller missbrauchen. Das behauptet zumindest die Düsseldorfer Wohnungslosenhilfe Fifty-fifty und beruft sich dabei auf aktuelle Fälle.

Was war passiert? Aufgefallen war es Mitarbeitern der Hilfsorganisation, als sie die Gehaltsabrechnungen von Hermes-Zustellern gesehen und sich über die „undurchsichtigen Abrechnungen und Posten“ gewundert hatten. Bei der Organisation können Wohnungslose auch eine Postadresse einrichten. „Eine Mitarbeiterin von uns wurde von Zustellern gebeten, ihnen die Abrechnungen zu erklären. So sind wir auf die Bezahlungen aufmerksam geworden und haben angefangen nachzuforschen“, erklärt Hubert Ostendorf von Fifty-Fifty.

Allein in der Landeshauptstadt hätten bis zu fünfzehn Zusteller keinen festen Wohnsitz, weiß sein Kollege Johannes Dörrenbächer. Sie kämen häufig bei Freunden unter. Ihm sei aber auch ein Fall in Düsseldorf bekannt, dass ein Zusteller sein Fahrzeug als Schlafstätte nutze. Hermes sei jedoch bei weitem nicht das einzige Unternehmen, dass eine derartige Situation so ausnutze. „Wir reden von einem systemischen Problem, von moderner Sklaverei“, moniert Dörrenbächer. Insbesondere ausländische Wohnungslose ohne Sozialleistungen seien auf jedes Gehalt angewiesen - sei es noch so wenig. Häufig steckten sie in „prekären Arbeitsverhältnissen und bekämen noch nicht mal Mindestlohn.“ „Wir haben Abrechnungen von null Euro gesehen. Die Zusteller bekamen so viele Posten abgezogen, dass sie am Ende gar keinen Gewinn hatten“, erzählt Dörrenbächer.

Hermes zeigte sich in seiner offiziellen Stellungnahme am Donnerstag „schockiert“ und betonte, man überprüfe die „vorliegenden Informationen mit Hochdruck“. Ein Sprecher des Unternehmens wies aber darauf hin, dass es sich möglicherweise um einen Sub-Unternehmer handele. Diese würden seit 2012 ein Mal im Jahr durch externe Prüfinstitute kontrolliert, insbesondere die Gehaltsabrechnungen und die Arbeitszeiten. „Das darf einfach nicht passieren. Aber schwarze Schafe gibt es leider immer“, räumte der Unternehmenssprecher ein. Verstöße gegen Recht und Gesetz würden nicht toleriert. Im Zuge der „Zero-Tolerance-Strategie“ hatte sich das Unternehmen im vergangenen Jahr bereits von zwölf Partnern getrennt. nd

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