Feuer bei Schwarz-Weiß: Täter prahlte mit Video von Brandruine

Brandstiftung : Feuer bei Schwarz-Weiß: Täter prahlte mit Video von Brandruine

Mutmaßlicher Brandstifter filmte am abgebrannten Klubheim von Schwarz-Weiß

Der 25-Jährige war zum Tatort zurückgekehrt und hatte gefilmt. Auf dem Video richtete er eine eindeutige Botschaft an seine Freundin.

Die Polizei hat nach dem Brand im Vereinsheim des SC Schwarz-Weiß 06 in der Nacht zum 30. Oktober den mutmaßlichen Brandstifter gefasst. Auf seine Spur waren die Ermittler gekommen, da er am Tag nach dem Feuer ein Video von der Ruine des Vereinsheims im Südpark angefertigt hatte, wie Jörg Brand am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium mitteilte. Der Film befand sich auf einem Tablet, das die Polizei am 31. Oktober in einem verlassenen Fahrzeug in Holthausen sichergestellt hatte, mit dem zuvor mehrere Fahrzeuge gerammt worden waren. Ermittler Brand erkannte die Stimme des polizeibekannten Intensivtäters Robby E. (25), den er in den letzten Monaten intensiv betreut hatte. Gleichzeitig war er in den Fall involviert, da er auch Experte für KFZ-Kriminalität ist. Robby E. prahlte auf dem Video: „Schatz willste mal was sehen? Das haben wir gestern veranstaltet, pass auf jetzt!“ Und am Ende des anderthalbminütigen Films sagt er nach einer Kamerafahrt aus dem Auto heraus an zahlreichen Feuerwehrautos vorbei: „Ist das übel, Alter.“

Adressiert war das Video an seine Ex-Frau und Lebensgefährtin Angelina E. (24), die in der Nacht der Brandstiftung mit vor Ort war und nach der Unfallflucht in der Nähe des verlassenen Autos aufgegriffen wurde — das laut Polizeierkenntnissen allerdings von Robby E. gefahren und gestohlen worden sein soll. Sie hat laut Ermittlern mittlerweile ausgesagt, dass sie am Einbruchsdiebstahl beteiligt war, Robby E. allerdings alleine das Feuer gelegt habe, um Spuren zu verwischen. Zuvor war das Paar bereits einmal mit dem Auto voller Diebesgut nach Hause gefahren. Vor der zweiten Tour sei der 25-Jährige dann kurzerhand noch einmal aus dem Auto gestiegen und habe mit Hilfe eines Benzinkanisters — der nach der Fahrerflucht im Auto gefunden wurde — das Feuer gelegt.

Die Aussagen von Robby E. decken sich laut Ermittlern mit denen seiner Lebensgefährtin, die Brandstiftung allerdings bestreitet er. Brand zufolge hat er eine dritte Person mit ins Spiel gebracht, die Schilderung der Brandlegung decke sich allerdings nicht mit den Erkenntnissen der Polizei.

Die Feuerwehr kämpfte stundenlang mit dem Feuer. Foto: Patrick Schüller

Zum Beispiel deswegen, weil die Polizei den beiden Tätern bereits über einen anderen Weg auf der Spur war. Sie hat Videomaterial aus Überwachungskameras rekonstruieren können, das die beiden zeigt.

Robby E. sitzt in Untersuchungshaft. Seit seinem 15. Lebensjahr ist in mehr als 50 Fällen polizeilich gegen ihn ermittelt worden. Spezialisiert war er bislang auf den Diebstahl von Motorrollern, die er ausschlachtete und deren Teile er verkaufte — und zwar um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, wie Brand sagt. Auch der aktuelle Fall sei als Beschaffungskriminalität und Gelegenheitstat zu werten. Die Polizei geht davon aus, dass Robby E. clean wohl nicht mehr straffällig würde. Brand spricht ihm sogar eine überdurchschnittliche Intelligenz zu, die allerdings vom Drogenkonsum stark beeinträchtigt werde. So ist wohl auch zu erklären, dass die Polizei bei ihm zu Hause nicht nur das Diebesgut vom Einbruch in das Vereinsheim — elektronische Geräte, aber auch T-Shirts und Jacken mit Vereinslogo — fand, sondern Robby E. sogar eine in der Tatnacht entwendete Wollmütze mit dem Aufdruck „SW 06“ bei seiner Festnahme trug. Sehschlitze waren bereits in die Mütze geschnitten worden, ob Robby E. sie bereits als Maske für eine Straftat verwendet hatte, ist noch unklar.

Der Drogenkonsum könnte laut Staatsanwalt Christoph Kumpa strafmildernde Umstände bedeuten. Der Strafrahmen falle mit einem Jahr bis zu 15 Jahren sehr weit aus. Das Geschehen sei zudem kein Fall von schwerer Brandstiftung, da sich zur Tatzeit, also nachts, keine Personen in dieser Art von Gebäude aufhalten.

Der Sachschaden wird auf eine halbe Million Euro geschätzt. Der Verein sowie die oben eingemietete Fußballschule ZFAF haben seit dem Brand Hilfe von vielen Seiten erfahren. Heino will für seinen alten Verein sogar ein Benefiz-Konzert geben.

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