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Der lange Weg durch die Corona-Krise einer Düsseldorfer Brauerei

Gastronomie : Der lange Weg durch die Corona-Krise

Corona hat die Brauerei Schumacher mit voller Wucht getroffen.

Corona hat das Land und die Unternehmen voll im Griff. Besonders die Gastronomie leidet unter den vielen Beschränkungen, die die Corona-Schutzverordnung mit sich bringt. Doch wie genau geht so ein Betrieb mit der Krise um und wie hat sie sich in den vergangenen Monaten entwickelt? Thea Ungermann, Junior-Chefin der Brauerei Schumacher, hat genau Buch geführt über alle Maßnahmen.

„Das erste Mal habe ich so richtig an Aschermittwoch von dem Virus erfahren. Das war der 26. Februar und an diesem Tag bin ich mit den Karnevalisten nach Teneriffa geflogen“, sagt sie mit Blick zurück. Im Urlaub entwickelte sich die Krise und während der nächsten zehn Tage hatte sie schon per Telefon einige Umstellungen vorgenommen. Das betraf vor allem das Gläserspülen und andere Hygienemaßnahmen. „Meine Schwester ist Ärztin, von ihr haben wir natürlich viele Informationen zu Covid bekommen. Außerdem ist mein Vater Risikopatient, auch deshalb haben wir uns frühzeitig für diese Maßnahmen entschieden.“

Schon vor dem Lockdown wurden die Gaststätten geschlossen

Am 13. März gab es dann die erste Krisensitzung mit den Führungskräften der Brauerei. Und schon am 16. März, eine Woche vor dem angeordneten Lockdown, wurde das Lokal „Goldener Kessel“ an der Bolkerstraße bereits geschlossen;  zwei Tage später auch der Betrieb im Stammhaus an der Oststraße. Bis zum 11. Mai lief dann gar nichts mehr in den beiden Brauhäusern. Doch Not macht erfinderisch und so gab es wenigstens einen Liefer- und Abholservice für Speisen und Getränke. Sehr erfolgreich war auch der Drive In, der  vom 19. März bis zum 26. Juni jeweils freitags im Angebot war. Da konnten die Gäste ihre Getränke sozusagen im Vorbeifahren abholen.

 „Die Informationspolitik in dieser Zeit war eine einzige Katastrophe. Am 5. Mai habe ich Nachrichten gesehen und erfahren, dass ich vielleicht am 11. Mai wieder öffnen darf. Am 7. Mai habe ich dann wieder meine Führungskräfte versammelt und wir haben das Szenario durchgespielt. Erst am 9. Mai um 14 Uhr kam dann erst die Verordnung. Da mussten wir uns dann ziemlich beeilen. Es gab dann auch Zeiten, da hatte man das Gefühl, dass sich die Vorgaben stündlich ändern. Jeden Morgen haben wir geprüft, ob es was Neues gibt.“ Registrierungspflicht, Datenschutz, Desinfektion, Abstandhalter – es galt eine Menge zu berücksichtigen. „Es hat auch sehr lange gedauert, bis ich mal erfahren habe, wie die Maskenpflicht im Auto zu behandeln ist. Der Fahrer darf nicht, aber der Beifahrer muss. Da haben sich Behörden auch gerne mal widersprochen, weil sie es selbst nicht genau wussten.“ Durch den Lieferdienst war bei „Schumacher“ zumindest der Grundstock in der Küche vorhanden.

Die Mitarbeiter mussten ebenfalls darin geschult werden, wie die Hygienemaßnahmen richtig anzuwenden sind. „Das fängt beim Desinfizieren von Tischen an. Wir haben hunderte verschieden farbige Lappen gekauft, die alle einen anderen Einsatzbereich haben. Außerdem können wir dann sehr gut kontrollieren, ob sich die Mitarbeiter auch  an die Vorgaben halten. Die Ausgaben im Hygienebereich liegen bei uns bestimmt im fünfstelligen Bereich.“

Dann wurde in Schichten gearbeitet, damit sich die Mitarbeiter nicht über den Weg liefen. Außerdem wurden alle „Risikopatienten“ in der Belegschaft  freigestellt. Statt dass die Kellner die Gäste am Tisch bedienten, fuhren sie nun zu den Leuten nach Hause. Das Thema Kurzarbeit war anfänglich allerdings ein kleines Problem. Denn die Senior-Chefin Gertrud Ungermann wollte das aus Prinzip nicht, schließlich habe es Kurzarbeit in dem Unternehmen noch nie gegeben. Doch die Jugend setzte sich in der Frage durch. „Allerdings braucht man für die Formalitäten quasi ein eigenes Studium, so  kompliziert ist das alles. Ich habe noch nie so viele Termine beim Steuerberater gehabt wie in dieser Zeit“, sagt Thea Ungermann.

Feste Mitarbeiter, Rentner und Aushilfen werden bei den Behörden nämlich völlig unterschiedlich behandelt. Darum hat sich dann Mutter Ungermann von zu Hause aus gekümmert, die Eltern waren 14 Wochen im Homeoffice.

Das Geschäft lag also am Boden. Und in den Kesseln und Tanks lagerte jede Menge Bier. Auch in der Arena in Stockum, wo Schumacher Alt bei den Veranstaltungen ausgeschenkt wird. Und weil die große Messe „ProWein“ vor der Tür stand, die zwar schon ein paar Tage vorher abgesagt wurde, die Bestellungen aber waren schon raus, waren auch die Kühlhäuser bis oben hin mit verderblicher Ware gefüllt. „Da habe ich erst einmal Pater Wolfgang von der Armenküche angerufen und die Lebensmittel, die wir nicht einfrieren konnten, dorthin gebracht. Es war ziemlich viel. Wir hatten auch säckeweise Zwiebeln auf Lager, daraus haben wir haltbares Chutney gekocht.“

Das Bier in den Tanks wurde in  Flaschen abgefüllt. „Mit den Zahlen beim Flaschenbierverkauf war ich dann auch sehr zufrieden.“ Problematisch war nun aber, dass auch viele Holzfässer in der Brauerei nicht befüllt werden konnten. „Die mussten wir alle zwei Tage nass machen, damit uns das Holz nicht kaputtgeht.“ Das überschüssige Bier wurde an den Bodensee gefahren und destilliert. Mit einem Alkoholgehalt von 72 Prozent kam es  zurück an den Rhein. Das ging an eine Spirituosen-Fabrik, die daraus einen Altbier-Likör gemacht hat.

Bis zum 11. Mai blieb das Haus an der Oststraße komplett geschlossen. „Anfangs haben wir in drei Gruppen gearbeitet. Sieben Tage arbeiten, 14 Tage frei. Inzwischen sind wir auf 14 Tage arbeiten, 14 Tage frei umgestiegen.“ Nur so sei es möglich gewesen, eine Notfall-Quarantäne zu überbrücken. Der Goldene Kessel in der Altstadt hat bis heute geschlossen. Die Zeit wurde genutzt, um nötige Umbaumaßnahmen durchzuführen.

Inzwischen hat sich der Betrieb wieder ein wenig normalisiert, beziehungsweise: Man hat sich mit den Vorgaben arrangiert. „Trotzdem haben wir nur einen Umsatz von 35 Prozent von dem, was wir vor der Krise erreicht haben.“ Auch die Mehrwertsteuersenkung hat keinen Effekt gehabt. „Es geht ja niemand in die Kneipe, weil das Bier jetzt fünf Cent billiger geworden ist. Im Gegenteil, die Umstellung der Preise hat wieder eine Menge Geld und Zeit gekostet. Zurzeit können wir kein Geld verdienen.“ 

Eine Prognose, wie lange die Krise noch dauert will Thea Ungermann nicht abgeben. „Wir haben bis zum Ende des Jahres Kurzarbeit beantragt. Vorher rechne ich auch nicht mit einer Besserung.“