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Hauseinsturz in Düsseldorf: Feuerwehr birgt Leichen der toten Bauarbeiter

Hauseinsturz in Düsseldorf-Friedrichstadt : Feuerwehr birgt Leichen der toten Bauarbeiter

Höhenretter der Feuerwehr tragen über Stunden mit den Händen Bauschutt ab und machen den traurigen Fund: Auch der zweite Verschüttete ist tot. Der zuerst gefundene Tote stammt aus Wuppertal.

Seit Mittwochnachmittag ist es traurige Gewissheit: Auch der zweite seit Montag vermisste Bauarbeiter, ein 39-Jähriger, konnte in den Trümmern nur tot aufgefunden werden. Es ist der dritte Tag des Großeinsatzes nach dem Hauseinsturz an der Luisenstraße. Die Angehörigen warteten zunächst verzweifelt noch darauf, die Identität des am Dienstag bereits tot aufgefundenen Bauarbeiters zu erfahren und sie bangten noch am Vormittag mit letzter Hoffnung, ob der zweite Vermisste lebend unter den Trümmern geborgen werden konnte. Doch am Nachmittag war bei beiden Familien alle Hoffnung zerstört.

Bei der Identität des zuerst entdeckten Opfers handelt es sich um einen 35-jährigen Arbeiter aus Wuppertal. Das hatte der DNA-Test ergeben, dessen Ergebnis ebenfalls am Mittwochnachmittag vorlag.

Nachdem es den Einsatzkräften gelungen war, weitere Trümmerteile aus dem Einsturzgebiet zu entfernen, entdeckten sie den zweiten Vermissten, den 39-Jährigen. Die Notärztin konnte allerdings rund 48 Stunden nach dem Einsturz nur noch dessen Tod feststellen.

Zuvor stand auch am Mittwoch der Einsatz der Düsseldorfer Feuerwehr allein im Fokus, den Vermissten zu finden. Dazu waren in der Nacht auf dem Grundstück per Kran weitere große Bauteile gesichert und abgetragen worden. Sie drohten abzustürzen. Deshalb durfte weiterhin zur Sicherheit des Vermissten und Eigensicherung der Rettungsleute niemand das Trümmerfeld betreten.

Ab dem Vormittag kamen die Höhenretter der Feuerwehr zum Einsatz. Ein zweiter schwerer Kran prägte das Bild vor dem Vorderhaus Luisenstraße. Von hier aus wurden je vier Höhenretter in einem roten Personenkorb über das Haus gehievt. Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen: „Sie sind gesichert und tragen händisch Bauschutt ab.“ Sie wollten so den Bereich im Untergeschoss des Trümmerhauses erreichen, in dem sie den vermissten Bauarbeiter vermuteten. Und genau hier fanden sie Stunden später auch den Toten.

Stunden, die die Angehörigen, die sich ebenfalls seit Montag in einem Hotel in der Nähe des Unglücksortes aufhielten, teilweise kaum ertragen konnten. Das bekam vor allem Olaf Schaper mit. Er ist der Leiter der Notfallseelsorge Düsseldorf und befand sich immer in ihrer Nähe, wenn sie ihn brauchten. Sogar nachts, denn er konnte bei einem befreundeten Arzt ein paar Stunden schlafen und war innerhalb von fünf Minuten wieder vor Ort. „Die Angehörigen fragten sich: Warum stürzte das Haus ein? Warum hat es unsere Familienmitglieder getroffen und andere konnten sich retten,“ sagt Schaper. Er war und ist für die Menschen da, auch wenn ihnen schon mal der Geduldsfaden riss, sie fragten, warum der Einsatz so lange dauerte. Schaper: „Wir bleiben dann ruhig, alles hat zwar seine Grenzen, aber sie dürfen uns auch anmachen.“ Die Angehörigen wurden laut Feuerwehr immer über den Verlauf des Einsatzes informiert. „Aufklärung deeskaliert“, sagt der Notfallseelsorger. Und so mussten es die Angehörigen aushalten, dass die beiden toten Männer aufgrund der Einsturzgefahr nicht geborgen werden konnten.

Am frühen Abend waren die Arbeiten dann so weit fortgeschritten, dass die Einsatzkräfte einen der beiden Verunglückten aus den Trümmern bergen konnten. Gegen 23.30 Uhr schließlich konnten sie zwei massive Trümmerteile entfernen und so den zweiten Verstorbenen aus dem Einsturzgebiet bergen. Bei einem der Toten handelt es sich demnach um einen 35-jährigen Arbeiter aus Wuppertal. Der zweite tote Bauarbeiter müsse noch identifiziert werden, hieß es

Andere Sorgen hat ein Anwohner, der zu den rund 40 Betroffenen gehört, die in den drei einsturzgefährdeten Nachbarhäusern bis Montag wohnten. Er kommt nicht an seine Sachen und sagt: „Ich wurde in einem Hotel untergebracht und soll nun in eine Obdachlosenunterkunft wechseln.“ Doch nun bekommt er Hilfe, darf auf dem Gelände der Firma für die er arbeitet erst mal in einem Wohnwagen unterkommen. Der 42-Jährige sagt gegenüber der WZ verärgert: „Ich habe in den vergangenen Wochen an dem Anbau im Innenhof oft Stemmarbeiten beobachtet und sogar den Bauleiter daraufhin angesprochen, ihn vor einem Zusammenbruch gewarnt.“ Er sei von dem Mann abgewiesen worden. Die Stadt hatte am Dienstag erklärt, dass sie dem Bauherrn die Baugenehmigung etwa zeitgleich zum Einsturz am Montag verschickt habe. Da aber der Nachweis der Statik für das Vorhaben noch fehlte, sei die Freigabe der Arbeiten nicht erteilt worden. Wie berichtet ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall.

Im Anschluss an die Bergung der beiden Verunglückten wurden durch die Feuerwehr noch die letzten einsturzgefährdeten Bauteile entfernt. Die verbleibenden rund 20 Feuerwehrleute nehmen noch im Laufe des Vormittags notwendige Abschluss- und Rückbaumaßnahme vor.