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Lerncampus: Grundsteinlegung für neues Lehrgebäude an der Universität

Lerncampus : Grundsteinlegung für neues Lehrgebäude an der Universität

Derzeit entsteht an der Gleueler Straße der technisch hochkomplexe Neubau der Prosektur als ein Teil des künftigen Lerncampus der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln und der Uniklinik Köln.

Der Neubau ersetzt das bisherige in die Jahre gekommene Gebäude aus den 1960ger Jahren. Die Kosten für Planung und Bau der neuen Prosektur betragen rund 76 Millionen Euro. Land und Bund finanzieren die Kosten jeweils zur Hälfte. Die Eröffnung des neuen Lehr- und Forschungsgebäudes ist für das Wintersemester 2024/2025 geplant. Gestern ist im Beisein von Ina Brandes, NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft, der Grundstein gelegt worden. 

„Ein Meilenstein für die Verbesserung der Lehre“

„Moderne Gebäude und Geräte sind für Forschung und Lehre an den Unikliniken in NRW elementar wichtig. Der Prosektur-Neubau ist ein Meilenstein für die Verbesserung der Lehre am Uniklinikum Köln. Medizinstudenen lernen hier die Grundlagen für ihren Arztberuf, etwa die Rolle von Organ- und Gewebsveränderungen bei der Entstehung von Krankheiten. Dieses anatomische Wissen kommt später allen Patienten zu Gute. Durch die Beschleunigung von Planung, Genehmigung und Bau setzen wir uns als Landesregierung dafür ein, dass wir mit dem Neubau schnell vorankommen“, sagte Brandes.

In dem Neubau werden pro Semester über 250 Studierende der Humanmedizin, der Zahnmedizin wie auch der Neurowissenschaften an den menschlichen Körper und seine Funktionsweise herangeführt. In den ersten beiden Semestern ihres Studiums lernen die Studierenden im Kurs der Mikroskopischen Anatomie (Histologiekurs) mit Hilfe von Gewebeschnitten am Mikroskop den zellulären Aufbau der Gewebe und der Organe kennen. Im Kurs der Makroskopischen Anatomie (Präparierkurs) erfahren sie die größeren Strukturen des Körpers wie Skelett, Muskulatur, Blutgefäße und Nervenbahnen. Das Gebäude dient jedoch nicht nur dem studentischen Unterricht, sondern ermöglicht auch wissenschaftliche Forschung, die das Zentrum Anatomie in enger Zusammenarbeit mit den Kliniken – vor allen den chirurgischen Fächern – betreibt. 

Univ.-Prof. Gereon R. Fink, Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Köln und Vorstandsmitglied der Uniklinik Köln, betonte, wie wichtig wissenschaftsbasiertes, anwendungsnahes Studieren für den Universitätsstandort Köln sei: „Dafür ist neben innovativen Lehrkonzepten und engagierten Dozenten die räumliche und technische Infrastruktur entscheidend. Mit dem Neubau der Prosektur steht uns künftig eine der modernsten Einrichtungen ihrer Art in Europa zur Verfügung, die es erlaubt, dann auch ganzjährig Präparier-Kurse in der Anatomie abzuhalten. Das bedeutet für die Studierenden und Lehrenden eine signifikante Verbesserung der Lehre durch räumliche und zeitliche Entzerrung und eine optimierte Infrastruktur für Unterricht und Wissenschaft.“

Frederike Hofmann, Vorsitzende der Fachschaft Medizin, bezeichnete das Fach Anatomie als „Grundstein für das Studium und den späteren Beruf". Dazu erklärte sie: „Wir lernen, dem menschlichen Körper höchsten Respekt zu zollen, ihn in all seiner Komplexität zu erfassen und dabei nie zu vergessen, dass wir am Ende einen Menschen vor uns haben.

Univ.-Prof. Andreas Wodarz, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Anatomie, ist zudem Leiter der histologischen Kurse in der Anatomie. „Unsere Studierenden lernen durch die Untersuchung von Gewebeschnitten am Mikroskop den zellulären Aufbau der Gewebe und Organe kennen und verstehen, wie eine gesunde Niere, eine Leber oder Lunge funktioniert. Erst durch die Kenntnis der faszinierenden Vielfalt der Zelltypen im Körper und ihres Zusammenwirkens in den Organen ist ein tieferes Verständnis der Funktion unseres Körpers möglich.“ Im Neubau werde den Studierenden dafür eine vollständige Ausstattung jedes Arbeitsplatzes mit einem Mikroskop und einem Computer zur Verfügung stehen, um sowohl die klassische Lichtmikroskopie als auch computergestützte Lernmedien für den Unterricht einsetzen zu können.

Abschließend betonte Univ.-Prof. Martin Scaal, Leiter der Prosektur im Zentrum für Anatomie und Kursleiter im Bereich der Makroskopischen Anatomie, den Wert des handwerklichen Präparierens am echten Körper. „Als Prosektor lege ich in den Grundstein ein Präparierbesteck mit Skalpell, Schere und Pinzette, mit dem sich unsere Studierenden durch eigenes Präparieren den Zugang zum menschlichen Körper erschließen und mit dem unsere Ärzte ihre klinische Forschung betreiben. Dieses Präparierbesteck soll zeigen, dass auch in Zeiten der Digitalisierung und virtueller Welten das praktische Präparieren unverzichtbar für die Anatomieausbildung bleibt.“