ÖPNV VRS: Finanzrisiken durch das Deutschlandticket

Köln · Das Deutschlandticket ist im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) erfolgreich eingeführt worden – aber es ist keineswegs auskömmlich. Daher drohen laut VRS bereits 2025 Abbestellungen von ÖPNV-Verbindungen, sofern Bund und Land ihrer finanziellen Verantwortung für das politisch gewollte Tarifangebot nicht nachkommen.

 Das Deutschlandticket kam bei den Kunden gut an.

Das Deutschlandticket kam bei den Kunden gut an.

Foto: step/Eppinger

Daher warnt der Verkehrsverbund vor erheblichen Finanzrisiken durch das Deutschlandticket. „Der ÖPNV ist kein Selbstzweck, sondern dient der Daseinsvorsorge und der Teilhabe von Menschen. Zudem kann er einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Daher sollten sich alle politisch Verantwortlichen zu einem starken Nahverkehr bekennen. Und das heißt vor allem, das Deutschlandticket dauerhaft auskömmlich zu finanzieren“, sagt VRS-Geschäftsführer Michael Vogel.

Das Deutschlandticket ist eine im Sinne der Fahrgäste wertvolle Weiterentwicklung des Tarifs – das belegen auch die Verkaufszahlen: Im Dezember 2023 hat die Zahl der im VRS verkauften Deutschlandtickets erstmals die Marke von einer halben Million (504.155) überschritten. Besonders die Jobticket-Variante ist ein Renner: Im Dezember war jedes dritte Deutschlandticket im VRS ein Deutschlandticket als Jobticket – der Anteil war damit doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt.

Doch der gute Anklang, den die Deutschlandticket-Angebote im VRS-Gebiet finden, schlägt sich nicht ausreichend in den Kassen der Verkehrsunternehmen nieder: Sollten Bund und Land ihrer Finanzierungszusage nicht nachkommen, fehlen im VRS allein im Jahr 2024 nach aktuellen Schätzungen 275 Millionen Euro. Hierbei ist der dringend notwendige Ausbau des Nahverkehrs noch nicht mitbedacht.

Im vergangenen Jahr haben die im Beirat des VRS vertretenen Verkehrsunternehmen zwar ein Umsatzplus von 19 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022 erwirtschaftet (577 Millionen zu 485 Millionen). Das liegt allerdings an den drei Monaten, in denen 2022 das Neun-Euro-Ticket verkauft wurde und in denen die Einnahmen extrem zurückgegangen waren. Bei einem „normalen“ Einnahmenjahr 2022 ohne die „Neun-Euro-Ticket-Monate“ wäre die Entwicklung der Einnahmen im Jahr 2023 negativ gewesen.

Die Verluste wurden von den Rettungsschirmen aufgefangen

Hypothetisch hätten die Verkehrsunternehmen im VRS rund 757 Millionen Euro im Jahr 2023 einnehmen müssen. „Doch seit dem erheblichen Einbruch der Fahrgastzahlen in der Corona-Zeit ist nichts mehr, wie es einmal gewesen ist. Es ging aus der Pandemie in eine Energiekrise und dann in die Tarifrevolution“, so Michael Vogel. „Den daraus entstandenen Herausforderungen haben wir uns gerne gestellt und tun dies auch weiterhin. Doch es muss den politischen Entscheidern klar sein, dass Busse und Bahnen seltener fahren werden, wenn Bund und Land ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Die Kommunen als Aufgabenträger des ÖPNV können das durch das Deutschlandticket entstehende Delta keinesfalls auffangen.“

Die bei den Verkehrsunternehmen entstandenen Mindereinnahmen im Jahr 2023 wurden aus den Unterstützungen des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen, den sogenannten Rettungsschirmen, größtenteils aufgefangen. Auch für 2024 sind Unterstützungszahlungen in Aussicht gestellt. Doch Michael Vogel betont: „Was in den Jahren ab 2025 passiert, ist derzeit völlig unklar. Nicht nur wir, sondern die gesamte Branche benötigt dringend Planungssicherheit.“

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