Bühne Kumede „Usser Rand un Band“

Köln · In diesem Jahr kann das älteste Mundart-Theater der Stadt mit seinem 77-jährigen Bestehen ein echt kölsches Jubiläum feiern. Die Ursprünge der Kölner Theatergemeinschaft Kumede liegen im Jahr 1947. In der schwierigen Nachkriegszeit wollte man die Menschen in Köln wieder auf positive Gedanken und zum Lachen bringen.

 Aktuell probt das Ensemble der Kumede im zirkuspädagogischen Zentrum Litibul in Riehl.

Aktuell probt das Ensemble der Kumede im zirkuspädagogischen Zentrum Litibul in Riehl.

Foto: step/Eppinger

Das kölsche Wort „Kumede“ bedeutet übrigens „Komödie“. Ihre Heimat hat die Theatergemeinschaft beim Heimatverein Alt-Köln, der im Jahr 1902 gegründet wurde.

Im Jubiläumsjahr haben sich die Macher der Kumede ein besonderes Stück für ihr Gastspiel in der Volksbühne am Rudolfplatz ausgesucht, wo am 10. Mai Premiere gefeiert wird. „Out of Order“ lautet der Titel des Stücks vom bekannten englischen Komödienautor Ray Cooney, das von Nick Walsh unter dem Titel „Außer Kontrolle“ ins Deutsche übersetzt worden ist. Bei der Kumede wird daraus „Usser Rand un Band“.

Ein Kölner Stadtdirektor
auf liebestollen Abwegen

Ins Kölsche übersetzt hat das Stück Susanne Camp, die nicht nur zur Spielleitung gehört, sondern auch eine der Rollen in der turbulenten Komödie übernommen hat. „Out of Order hat auf den internationalen Bühnen viele große Erfolge gefeiert und nun hat es die Kumede endlich nach Köln gebracht. Der schnelle, schwarze Humor passt gut zu unserer Stadt.“

Und darum geht es in der neuen Komödie: Kölns Stadtdirektor Peter Schilling, ein versierter Politiker und bekannter Schürzenjäger, nutzt den Termin einer nächtlichen Ratssitzung zu einem Fisternöllche mit Babsy, der Sekretärin des Oppositionsführers. Als exklusiven Ort hat man sich das vornehme Excelsior Hotel unweit des Rathauses ausgesucht.

Allerdings verläuft das Rendezvous nicht ganz so wie ursprünglich geplant - in der Hotelsuite liegt eine Leiche. Schilling bestellt seinen Sekretär Tommy ein, der als „Mann für alle Fälle“ das Problem unauffällig lösen soll. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, weil immer mehr Personen am Tatort eintreffen. Dazu gehören Babsys eifersüchtiger Ehemann genauso wie eine geldgierige Kellnerin, eine liebeshungrige Krankenpflegerin, ein orientierungsloser Privatdetektiv und der herrschsüchtige Hoteldirektor. Richtig chaotisch wird es, als auch noch Schillings Gattin ins Hotel kommt.

„Das ergibt ein mächtiges Durcheinander um einen Kölner Stadtdirektor, der sich immer mehr in seine Lügengebilde verstrickt. Das Ende ist ungewiss und wird auch noch nicht verraten“, sagt Produzentin Nina Blume, die die Rolle von Babsy übernommen hat. Die Auswahl der Stücke sei eine echte Fleißarbeit: „Da braucht es viel Fingerspitzgefühl für unser Publikum. Denn nicht alle Komödien funktionieren mit ihrem Humor auf Kölsch. Gleichzeitig muss man mit der Auswahl auch den Zeitgeist treffen, wir wollen kein angestaubtes 80er-Jahre-Volkstheater auf die Bühne bringen, sondern auch ein junges Publikum ansprechen.“

Dass dies gelingen kann, hat sich schon im Vorjahr gezeigt. „Unser altes, treues Kumede-Publikum wird immer kleiner. Deshalb sind wir froh, wenn wie bei ‚Alles Jode kütt von bovve‘ viele junge Leute den Weg zu uns in die Volksbühne finden. Das zeigt, dass die kölsche Sprache durchaus noch angesagt ist“, freut sich Kamp.

In der Übersetzung ins
Kölsche steckt sehr viel Arbeit

Die Übersetzung einer Komödie ins Kölsche sei durchaus aufwendig: „Auch das ist echte Fleißarbeit. Zunächst muss ich mich intensiv mit der deutschen Übersetzung auseinandersetzen. Im Kölschen haben wir oft andere Satzstellungen und müssen auch viele Wörter austauschen. So werden kölsche Witze genauso eingebaut wie die gängigen Schimpfwörter und Redewendungen. Das braucht alles seine Zeit. Wenn ich bei der Arbeit selbst oft lachen kann, ist das immer ein gutes Zeichen.“

Gut für die Kölner Theatergemeinschaft ist auch, dass sich zunehmend junge Menschen für ihre kulturelle Arbeit interessieren. Nachdem im Vorjahr bereits mit Max Krämer ein 25-Jähriger das Ensemble verstärkt hat, war es nun mit Henri Henn ein 22-jähriger Physikstudent, der sich als weiteres junges Mitglied beim Casting für das neue Stück durchsetzen konnte. „Bei uns kann jeder mitmachen, er sollte aber die kölsche Sprache gut beherrschen und zur Rolle passen, was bei Henri der Fall war. Das bringt bei uns viele Frische ins Ensemble“, sagt Blum.

Die Vorbereitungen für ein neues Stück der Kumede beginnen für die Spielleitung bereits ziemlich früh: „Direkt nach dem Urlaub nach der letzten Aufführung beginnt für uns die Suche nach der neuen Komödie. Haben wir diese gefunden, müssen die Rollen besetzt und dann das Werbematerial wie Plakate und Flyer produziert werden. Denn der Vorverkauf beginnt schon im Januar. Ab Oktober starten dann die Lese- und die Stellproben. Außerdem müssen alle Requisiten und Kostüme besorgten werden. Da läuft vieles parallel, auch weil wir immer alles selbst machen.“

Vom Hinterzimmer in der Kneipe zur Volksbühne am Rudolfplatz

Geprobt wird zunächst in einem Hinterzimmer in einer Kneipe in Nippes. Ab Ostern zieht das Ensemble dann zu den Szenenproben in die Räume des zirkuspädagogischen Zentrums Latibul in Riehl. „Wir sind da sehr pingelig, jedes Detail muss stimmen. Gleichzeitig sollen sich die Schauspieler bei den Proben aber auch wohlfühlen“, sagt Kamp, die als geldgierige Kellnerin auf der Bühne stehen wird. Am 7. Mai beginnt der Bühnenaufbau in der Volksbühne, wo dann die letzten Proben bis zur Generalprobe am 9. Mai und der Premiere einen Tag später laufen.

Service: Kumede „Usser Rand un Band“, Premiere Freitag, 10. Mai, 19.30 Uhr; weitere Termine gibt es vom 11. Mai bis zum 14. Juni in der Volksbühne am Rudolfplatz, Aachener Straße 5, Vorstellungen gibt es samstags 15 und 18.30, sonntags 14 und 17.30 sowie am Fr,eitag, 24. Mai, 19.30 Uhr. Die Karten gibt es bei Köln-Ticket unter Tel. 0221/2801 oder unter:

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