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Museum Ludwig: Von der Künstlerin Ursula bis Picasso

Museum Ludwig : Von der Künstlerin Ursula bis Picasso

Das Museum Ludwig präsentiert auch im kommenden Jahr wieder viele interessante Ausstellungen. Den Anfang macht die Schau „Ursula – das bin ich. Na und?“, die vom 18. März bis 23. Juli gezeigt wird.

Mit dieser Retrospektive würdigt das Museum eine höchst exzentrische und eigenständige Künstlerin: „Ursula“ (Schultze-Bluhm), geboren 1921 und verstorben 1999 in Köln, ist eine der bedeutenden deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre seit Langem erste umfassende Museumsausstellung ermöglicht nun eine Neubetrachtung ihrer Arbeit und erschließt dieses faszinierend selbstbewusste Werk einer neuen Generation von Museumsbesuchern. Ursulas Leben und Werk bietet eine alternative Erzählung künstlerischer Unabhängigkeit. Die These, dass Surrealismus kein Stil sei, sondern eine Geisteshaltung, zeigt sich anschaulich in ihren Arbeiten.

Katalysatoren für politische, soziale und persönliche Freiheit

In ihnen untergräbt sie die Realität und findet das Unheimliche im Alltäglichen. Sie fordert Autoritäten der Gesellschaft und Kunst heraus, indem sie neue Welten ersinnt, in denen Hierarchien über Bord geworfen werden und neue Lebensweisen vorstellbar sind. Oft poetisch und humorvoll, wirken ihre Werke als Katalysatoren für politische, soziale und persönliche Freiheit. Diese utopische Vorstellungskraft teilt Ursula mit Künstlerinnen wie Leonora Carrington, Leonor Fini, Dorothea Tanning und Unica Zürn. Besonders in der Präsenz hybrider, in Verwandlung befindlicher Körperlichkeit zeigt sich die Gegenwärtigkeit ihrer Kunst.

Bereits 1954 entdeckte Jean Dubuffet Ursulas Arbeiten für seine legendäre Collection de l’Art Brut; er schätzte den unkonventionellen Erzählstil ihrer Texte und Bilder. Häufig weisen sie mythologische Bezüge auf, gleichzeitig spiegeln sie eigene Gefühlszustände, Ängste und Obsessionen. „Ich zwinge meine Visionen der Realität auf – ich bin ganz artifiziell“, charakterisierte Ursula selbst ihre ungewöhnlichen Parallelwelten. Schönheit und Vergänglichkeit, das Feenhafte und das Monströse gedeihen hier in unmittelbarer Nachbarschaft.

Ukrainische Moderne & Darya Koltsova, 3. Juni bis 24. September

Die Ausstellungsreihe „Hier und Jetzt“ im Museum Ludwig hinterfragt die Konventionen der Museumsarbeit aus heutiger Sicht. Aktuell verändert der russische Angriffskrieg auf die Ukraine den Blick auf ein zentrales Sammlungsgebiet des Museum Ludwig, nämlich die „Russische Avantgarde“. Viele Künstler, die bislang dieser Bewegung zugeordnet wurden, kamen aus der Ukraine: Alexandra Exter, Kasymyr Malewytsch und Wolodymyr Burljuk sind nur einige der zahlreichen Kunstschaffenden, die vor 100 Jahren futuristisch, suprematistisch und expressionistisch arbeiteten und aus Odesa, Kyiv oder Kharkiv stammten, dort Ateliers hatten und Kulturzentren prägten.

Die Ausstellung „Ukrainische Moderne“ versammelt rund 70 Gemälde und Papierarbeiten sowie einige Skulpturen. Besondere, auch symbolische Bedeutung haben die vielen Leihgaben, die aus dem Depot des Nationalmuseums der Ukraine in Kiew kommen. Bilder aus privaten Sammlungen und aus der eigenen Sammlung des Ludwigs runden die Ausstellung ab.

Diese neue kunsthistorische Perspektive wird erweitert durch einen aktuellen Beitrag der zeitgenössischen Künstlerin Darya Koltsova. Sie arbeitet mit Video, Performance, Zeichnung und Objekten. Sie präsentiert neue Arbeiten, die sich mit dem kulturellen Erbe angesichts des Krieges beschäftigen.

Füsun Onur, „Retrospektive“, 16. September bis 28. Januar 2024:

Füsun Onur, 1937 in Istanbul geboren, ist eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Türkei. Sie hat ein beeindruckendes und vielseitiges Werk geschaffen, das sich den üblichen Kategorisierungen entzieht. In frühen Jahren machte sie mit ihren präzisen Erkundungen von Fläche und Raum sowie deren souveräner Umsetzung in Skulpturen auf sich aufmerksam.

Diese formale Annäherung war aber nur eine von vielen Herangehensweisen. Seit Anfang der 70er Jahre kombiniert sie sie mit Alltagsobjekten und sinnlichen Materialien in großen Installationen: fragile Objekte und Rauminszenierungen, gebaut aus Glasscheiben, Holzteilen, Kleidungsstücken, Wollfäden, Stühlen, Kisten und Bällen.

Füsun Onurs souveränes Werk hat bislang, trotz regelmäßiger Beteiligungen an internationalen Gruppenausstellungen keine ausreichende Würdigung erfahren. Nach den großen Retrospektiven zu Joan Mitchell (2015), Nil Yalter (2019) und Isamu Noguchi (2022) stellt das Museum Ludwig mit Füsun Onur ein weiteres Œuvre vor, dessen Bedeutung in seiner Tiefe noch nicht erfasst ist. Mit der Ausstellung möchte das Museum Füsun Onur einem größeren Publikum vorstellen und die sinnliche Präsenz ihrer Arbeiten erlebbar machen. Die Istanbuler Kunstinstitution Arter ist internationaler Kooperationspartner und stellt über die Hälfte der Leihgaben bereit.

„Über den Wert der Zeit“,
3. August bis 31. August 2025

Alle zwei Jahre zeigt das Museum Ludwig Werke der Gegenwartskunst in einer neuen Präsentation. Dieses Mal lenken die Installationen „Mountains of Encounter“ von Haegue Yang und „The Documentary: Geocentric Puncture“ von Guan Xiao den Blick auf verschiedene Zeitverständnisse.

Gegen den Fortschrittsglauben einer kontinuierlich fortschreitenden Entwicklung setzt Guan die Zeitwahrnehmung des Internets, in dem Gegenwart und Vergangenheit zusammenfallen. Sie bedruckte große Vinylbögen mit Schlangenmustern, die von metallenen Halterungen herunterhängen und zugleich als Unterlage für ausgewählte Gegenstände aus unterschiedlichen Zusammenhängen dienen. Es sind neueste optische Geräte, Alltagsgegenstände und Plastiken, die das antike Symbol der sich selbst verzehrenden Schlange und den steinernen Kopf von den Osterinseln zitieren. Zwei sich gegenseitig filmende Überwachungskameras bilden das zeitgenössische Pendant zur Schlange, in der Zukünftiges und Vergangenes in der Jetzt-Zeit zusammenfallen.

Haegue Yang wiederum nimmt in Mountains of Encounter von 2008 ein verborgen gebliebenes historisches Ereignis, das Teil weltumspannender Prozesse war, zum Anlass für eine raumgreifende und die Besucher*innen einbeziehende Installation.

„Picasso Suite 156“, 28. Oktober 2023 bis 4. Februar 2024

Zehn Wochen vor Pablo Picassos Tod, im Januar 1973, zeigt Louise Leiris in ihrer Pariser Galerie einen Zyklus von Grafiken, der sein letztes Vermächtnis sein wird: 155 Radierungen aus den Jahren 1968 bis 1972. Nach dem Druck von drei Probedrucken ging eine kleinere Druckplatte verloren und war daher nie Teil der von der Galerie veröffentlichten Edition. Nach dieser Premiere wurden diese letzten grafischen Blätter des Künstlers nur noch wenige Male präsentiert.

Heute gilt die sogenannte Suite 156 als beispielhaft für das späte grafische Werk Picassos und befindet sich in der Sammlung des Museum Ludwig. In der Suite 156 reflektiert Picasso nicht nur Künstler wie Rembrandt, die ihn beeinflusst haben, sondern auch sein eigenes Werk. Neben autobiografischen Bezügen bilden das Unvermögen im Alter, das weibliche Geschlecht, das Bordell und der Voyeur, der hier in Gestalt des Künstlers Edgar Degas auftritt, weitere Kernthemen.

Der Entstehungszeitraum des Zyklus verlief parallel mit der weltweiten Ausbreitung soziokultureller Bürgerrechtsbewegungen, die in Picassos Wahlheimat Frankreich 1968 im sogenannten Pariser Mai ihren Höhepunkt fanden. Am 8. April 2023 jährt sich Picassos Todestag zum 50. Mal. 

Im Picasso-Jahr 2023 trifft die „Suite 156“ auf eine neue Generation von Rezipienten. Eine Generation, die sich immer noch oder wieder mit ähnlichen Fragestellungen in Bezug auf den Körper und seine gesellschaftliche Betrachtung konfrontiert sieht. Im Sinne der „Picasso Celebration“ wird die „Suite 156“ in einen kulturhistorisch erweiterten Kontext gesetzt und durch zeithistorische Belege ergänzt.