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Klassiksonntag und ein Buch über die eigene Gattin

Klassiksonntag und ein Buch über die eigene Gattin

Zum Jahresbeginn gibt es in Leverkusen ein abwechslungsreiches Kulturprogramm in den angesagten Spielstätten wie dem Forum, dem Schloss Morsbroich und dem Scala.

Leverkusen. Zum Jahresbeginn gibt es in Leverkusen ein facettenreiches und hochwertiges Kulturprogramm. Dieses reicht von klassische Musik über Comedy bis zur Literatur. Hier ein kleiner Überblick über die Highlights:

Klassiksonntag und ein Buch über die eigene Gattin
Foto: Schinkel

Scala:

Klassiksonntag und ein Buch über die eigene Gattin
Foto: Reimann

Am 18. Januar kommt Wladimir Kaminer um 19.30 Uhr ins Opladener Scala an der Uhlandstraße. Dort macht er bei seiner Lesereise zu „Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß“ Station in Leverkusen. Kaminer, der seine Werke mit unvergleichbarer Detailverliebtheit und einem einzigartigen Augenzwinkern niederschreibt, wird zufällig und temporär zum Familienschriftsteller. Nach dem Buch über seine Mutter steht nun seine Frau, Muse und Kollegin im Mittelpunkt. Beim Schreiben des aktuellen Buches über seine Frau Olga hat Wladimir Kaminer festgestellt, dass er schon so einiges über sie weiß. Seit rund 20 Jahren sind die Beiden inzwischen zusammen, und trotzdem gibt es viele Dinge, die dem erfolgreichen Autoren noch unbekannt sind. Olga Kaminer, Mutter seiner zwei Kinder, hat selbst Bücher geschrieben, stammt ebenfalls aus Russland (aus dem als äußerst kalt geltenden Sachalin) und hat bereits einiges an der Seite ihres Mannes erlebt. An der Tür der Russendisko, neben Wladimir am DJ-Pult oder hinter den Kulissen: Geschichten gibt es mehr als genug. Olga verabscheut Kälte und verfällt im Winter regelmäßig in eine Art Winterdepression. Warum eine Handtasche da helfen kann, verrät Wladimir in seinem Buch ebenso, wie die Herkunft der wunderschönen portugiesischen Servietten, die ihren festen Platz im Haushalt der Kaminers gefunden haben.

Ein Gastspiel in Opladen hat am 27. Januar um 19.30 Uhr Comedian Piet Klocke. Der „Wandergitarrist“ wlancholisiert sich durch Raum und Tal und übermannt seine Gefühle durch strafende Blicke. Mit seiner geradezu unverkäuflichen Buchveröffentlichung „Wlancholische Rhapsodie — die Notizen des Arzak“ untermauerte er die nach ihm benannte „Verträumte Anarchie“, eine zweifelhafte, sich rücksichtsloser Assoziation widmende Kunstform, die im letzten Jahr gipfelte in der Gründung seiner Stiftung „Waltraud fährt mit blosser Hand die Baumwipfel ab und verzweifelt gekonnt am heissen Herzen“. Piet Klocke, körperlich eine Valentin-Kopie, Bayrischer Kabarettpreisträger, nominiert für den „Rolf-Hans-Müller-Preis“ der Filmmusik am Beispiel der Produktion „Wer hat Angst vor Rot-Gelb-Blau“ (ZDF), Komödiant und Catherine-Frot-Fan gesteht mit Martin Walser: „Wir leben von Zustimmung“.

Am 22. Februar ist Schauspieler und Musiker Michael Fitz mit „Des bin i“ um 19.30 Uhr zu Gast im Scala. Wie in all seinen Solo-Programmen seit 2008 geht es dem 58-Jährigen im neuen Solo einmal mehr ums Private . Auch und vor Allem die Art von Privatem über das keiner gerne spricht. Noch nicht mal beim Friseur und schon gar nicht auf Bühnen und in Liedform. Das ist das Ding des 58jährigen Liedermachers aus Überzeugung. „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, gerade in diesen, oft etwas trüben Gewässern zu fischen“, wie er sagt. Manchmal fängt er dabei etwas. Kleine oder große Fische und er findet gelegentlich auch die eine oder andere Muschel und darin - wie soll es auch anders sein - eine Perle. Vor allem aber findet oder besser be-findet sich der bayrische Song-Poet höchst selbst genau dort, mittendrinn im Leben

Forum/Schloss Morsbroich:

Den ersten Klassiksonntag des Jahres gibt es am 21. Januar. Er beginnt um 11 Uhr mit einer Matinee im Schloss Morsbroich. Um 18 Uhr kommt dann die Westdeutsche Sinfonia mit den folgenden Werken in den großen Saal des Forums: Peter Tschaikowsky Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia, Alexander Glasunow Konzert für Violine und Orchester a-moll op. 82 und Robert Schumann Sinfonie Nr. 4 d-moll op. 120. Solistin des Glasunow-Konzerts ist Rebekka Hartmann, die in Leverkusen bereits Mozarts Violinkonzert Nr. 3 mit großem Erfolg interpretiert hat. Die Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe konzertiert im In- wie im Ausland (China, USA, Großbritannien, Österreich, Schweiz); dabei sammelte sie wichtige Erfahrungen mit Dirigenten wie Esa-Pekka Salonen, Jukka-Pekka Saraste und Enoch zu Guttenberg. Ihre CD „Birth of The Violin“ wurde mit dem „Echo Klassik“-Preis in der Kategorie „Beste solistische Einspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Am 26. Januar ist Maxi Schafroth mit seinem Programm „Faszination Bayern“ zu Gast in Leverkusen. Sein erstes Programm „Faszination Allgäu“ spülte Maxi Schafroth, Allgäuer Bauernsohn und Teilzeit-Banker, aus den voralpinen Gebirgsregionen mittenmang ins kabarettistische Tiefland. Und das aus bestem Grund, denn keiner wechselt so virtuos und charmant zwischen Hof und Hochfinanz, zwischen Krume und Kommerz — ein satirisches Fanal gesellschaftlicher „ZeitenWenden“. Folgerichtig blieben denn auch renommierte Kabarettpreise nicht aus, wie etwa das „Silberne Scharfrichterbeil“ und der „Prix Pantheon“, welchletzteren er mit den Worten erhielt: „Maxi Schafroth ist eine Entdeckung. Das junge, kritische, vielseitige Kabarett von heute, so sieht es aus.“ Sein Gastspiel im Agam-Saal beginnt um 19.30 Uhr.

Am 4. Februar ist das Ensemble Neo Barock mit „Musica artificiosa“ ab 11 Uhr zu Gast im Spiegelsaal des Schloss Morsbroich. Im 17. Jahrhundert sorgte die Musik des italienischen Frühbarock für eine „ZeitenWende“, die in den nördlicheren Gefilden begierig aufgesogen wurde: Zahlreiche deutsche und österreichische Musiker begaben sich auf die späterhin so beliebte „Italienreise“, um von den Zauberkunststücken des Südens zu lernen. In seinem Programm „Musica artificiosa“ wirft das Ensemble NeoBarock ein Schlaglicht auf diese ungemein spannende Zeit der Entdeckungen und Anverwandlungen; es erklingt Musik von Biber, Schmelzer, Kerll und anderen. NeoBarock zählt zu den Spitzenformationen seiner Art; mit fesselnden Interpretationen, in denen sich Leidenschaft, Perfektion und Virtuosität vereinen, hat es sich einen hervorragenden Ruf erworben. Neo Barock ist gefeierter Gast auf europäischen Bühnen und bei zahlreichen renommierten Festivals; seine CD- und Rundfunkproduktionen wurden mit einem „Echo Klassik“-Preis ausgezeichnet

Am 20. Februar gibt es im großen Saal des Forums ab 19.30 Uhr das Singspiel „Im weißen Rössl“. Es gab Zeiten, da fuhr der Mensch, wenn er seinen Urlaub in exotischen Ländern verbringen wollte, nach Österreich. An den Wolfgangsee zum Beispiel, ins Hotel „Zum weißen Rössl“, wo man vor traumhafter Bergkulisse die Sommerfrische verbrachte. Der Wolfgangsee liegt im Salzkammergut, wo man bekanntlich „gut lustig“ sein kann. Besonders dann, wenn mit den Urlaubern aus Berlin herzliche Ruppigkeit und freche Berliner Schnauze auf den berühmten Schmäh des österreichischen Hotel-Personals treffen: Zahlkellner Leopold ist verzweifelt, als seine angebetete Chefin, die Rössl-Wirtin Josepha, ein Auge auf den Berliner Rechtsanwalt Siedler wirft. Siedler wiederum interessiert sich mehr für Ottilie, die Tochter des Trikotagen-Fabrikanten Giesecke, die er aber eigentlich mit Sigismund Sülzheimer, dem Sohn von Gieseckes Konkurrenten, verkuppeln soll. Sigismund kann zwar nichts dafür, „dass er so schön ist“, ist aber in Klärchen, die Tochter des Professors Hinzelmann verliebt. Da braucht es „Im weißen Rössl“ mindestens den Auftritt Seiner Majestät des Kaisers, um solche Liebeswirren zu beruhigen. Mit dem Ensemble des Theaters Göttingen, das das Leverkusener Publikum bereits mit „Frankie Boy“ kennenlernte, hat Tobias Bonn — Sänger, Schauspieler, Regisseur und Mitbegründer der „Geschwister Pfister“, die mit großem Erfolg in der Festhalle Opladen zu Gast waren — das berühmte Singspiel herrlich turbulent und komisch auf die Bühne gebracht. Gespielt wird die 1994 für die Berliner „Bar jeder Vernunft“ erstellte Fassung für Schauspieler, musikalisch begleitet von einer siebenköpfigen Band.

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