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KFC-Trainer Stefan Krämer: Vom Heilsbringer zum Entwickler

3. Liga : Vom Heilsbringer zum Entwickler

Im Seuchenjahr 2020 musste KFC-Trainer Stefan Krämer seine Rolle neu finden. Defensiv hat er die neue Mannschaft zuletzt stabilisiert.

Als der Fußball-Drittligist KFC Uerdingen am 11. März seinen neuen Trainer im Parkhotel Krefelder Hof vorstellte, herrschte gerade noch die alte Zeitrechnung. Fünf Punkte Rückstand hatten die Krefelder damals auf die Aufstiegsränge. Stefan Krämer war als Heilsbringer geholt worden, um die verloren geglaubte Spielzeit noch zu retten. Die neue Aufgabe hatte ihn, den Fußball-Liebhaber, schon voll und ganz gepackt. Der 53-Jährige sollte die Mannschaft noch einmal entscheidend elektrisieren wie er es schon zwei Jahre zuvor geschafft hatte, als der KFC unter seiner Anleitung in die 3. Liga gestürmt war. KFC-Präsident Mikhail Ponomarev hoffte mit diesem Trainerwechsel genau auf eben diese Magie, einen Moment, der alles verändern und ihn als Hauptgesellschafter noch einmal ganz nah heran an die so ersehnte 2. Liga spülen würde. Wenige Stunden nach der Amtseinführung Krämers jedoch war die alte Zeitrechnung passé. Die Corona-Seuche erfasste nun voll und ganz auch die 3.Liga.

Zweieinhalb Monate wartete Krämer mit seiner Quarantäne-Mannschaft auf sein erstes Spiel. Teamtraining war kaum möglich. Krämer gewann zum Auftakt in Mannheim mit 2:1. Hoffnung keimte auf, Erinnerungen an den Rausch von 2018. Doch es sollte der letzte Erfolg bleiben. Sechs Unentschieden, vier Niederlagen. Acht Treffer in elf Spielen, neun Punkte. Dazu eine Mannschaft, die nicht nur sukzessive von Verletzungen gebeutelt wurde, sondern sich schon vor dem Ligafinale Anfang Juli mehr und mehr auflöste. Für Krämer, den KFC und seinen Präsidenten Mikhail Ponomarev war der fußballerisch zähe Endspurt eine Ernüchterung.

Mit einem Punkteschnitt von 0,82 lag Krämer in den elf Begegnungen der vergangenen Saison weit unter seinem langjährigen Mittel von 1,47 Punkten, gemessen an 248 Drittliga-Spielen. Und noch weiter weg von seiner Marke von 1,76 Punkten pro Spiel aus der Saison 2018/19, als er mit dem KFC nach dem Aufstieg in 21 Spielen zwölf Siege feierte und im Winter dennoch gehen musste – trotz Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Im vergangenen Sommer richtete sich der Club neu aus. Jünger, schneller und zielstrebiger sollte die Mannschaft werden. Aus dem Heilsbringer Stefan Krämer wurde ein Entwickler. Das Team der vergangenen Saison trennt er messerscharf von „seiner Mannschaft“ heute, die er mit mitgestalten konnte. Der von Ponomarev streng geführte Club vermied die Zielsetzung Aufstieg in allen Verlautbarungen und verordnete sich Geduld. Der Saisonstart verlief stockend, die Mannschaft jedoch präsentierte sich insgesamt engagierter und homogener als noch im Frühjahr. Das Arbeitspensum während der 90 Minuten ist hoch, noch aber gibt es noch zu selten Ertrag. Sechs Siegen stehen in 17 Spielen sieben Niederlagen gegenüber. Die Defensive hat sich stabilisiert. Eine Maßnahme, die Krämer auflegte, um nach dem 0:4 gegen Wiesbaden gegenzusteuern, als das große Ganze schon wieder hinterfragt wurde. Nur Tabellenführer Dynamo Dresden ist in dieser Disziplin besser.

Das Problemfeld ist das Angriffsspiel und der Abschluss. Konstant treffsicher hat sich noch kein Akteur präsentiert. Noch fehlt das Durchsetzungsvermögen in engen Räumen. Trotz nur 14 eigenen Treffern hat der KFC jedoch 22 Punkte gesammelt.

Krämer mahnt zu Geduld – und verspricht Spaßfußball

Krämer glaubt an eine gute Zukunft seines Teams, mahnt aber zu Geduld: „Wenn man diese Mannschaft in Ruhe arbeiten lässt, dann kann das eine Truppe werden, an der Uerdingen noch viel Spaß haben wird.“ Geschäftsführer Nikolas Weinhart, aus dem auch immer der Hauptgesellschafter Ponomarev spricht, äußerte jüngst ähnliche Ansichten: „Ich sehe eine Mannschaft, die sich seit Saisonbeginn von Spiel zu Spiel entwickelt hat und jetzt gut dasteht.“ Allerdings hat Ponomarev seinen baldigen Abschied aus dem Club angekündigt.

Die weitere Arbeit des Trainer Krämers zu bewerten, das wird bald die Aufgabe des neuen Investors sein. Und dann wird sich auch zeigen, ob der Entwickler Stefan Krämer sein Werk vollenden darf oder doch ein neuer „Heilsbringer“ des neuen starken Mannes an den Hof geholt wird.