Für Busse ist es am Wuppertaler Ölberg oft zu eng

Verkehrsproblem: Für Busse ist es am Ölberg oft zu eng

Mit einer Tour durch das Quartier machten die Wuppertaler Stadtwerke auf die Parksituation aufmerksam.

. Insgesamt vierzig Stunden Verspätung und schon 48 Fälle, in denen die Linie 643 steckengeblieben ist, gibt es allein in diesem Jahr. Diese Bilanz macht die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) zunehmend besorgt und führt zu weiteren Aufklärungsmaßnahmen auf dem Ölberg. Seit dieser Woche hängt ein Banner in der besonders engen Reitbahnstraße, um erneut zu sensibilisieren. Um auf die Bemühungen der WSW aufmerksam zu machen, luden sie Bezirksvertreter, Medien und Initiativen zu einer Rundfahrt auf der Ölberg-Linie ein.

Dass das Problem falsch parkender Autos auf dem Ölberg nicht neu ist, spüren nicht nur die Stadtwerke, sondern auch die Mitglieder der Bezirksvertretung Elberfeld (BV). „Seit Jahren steht das Problem immer wieder auf der Tagesordnung der BV, und vor einigen Monaten fand bereits eine Ortsbegehung statt“, erläutert Bezirksvertreter Klaus Lüdemann (Grüne). Auch Uwe Peter von der Initiative Mobiler Ölberg ist unzufrieden: „Das Ziel müsste sein, dass mehr Menschen auf den Bus umsteigen. Aber unter diesen Umständen ist das schlicht unmöglich. Gleichzeitig verschlechtern der Autoverkehr und falsch geparkte Autos die Attraktivität der Busse.“

Die Parksituation ist für mehr ÖPNV-Nutzung hinderlich

Wie groß das Problem ist, stellt WSW-Sprecher Holger Stephan den Fahrgästen der außerplanmäßigen Rundfahrt vor: „Im Jahr 2016 sind unsere Busse auf dem Ölberg 73 Mal stecken geblieben. 2017 waren es 47 Fälle und in 2018 rechnen wir wieder mit rund 70 Fälle.“ Dabei wären die meisten Fälle wohl vermeidbar. Das zeigt auch die Probefahrt der Stadtwerke: Geht es durch die Marienstraße noch in gemäßigtem, aber gleichmäßigen Tempo voran, muss der Bus in der Reitbahnstraße eine Zwangspause einlegen. Busfahrer Lukas Jakobus ist gezwungen auszusteigen, um den Abstand zu den parkenden Autos zu überprüfen. „Bei den neueren Modellen lässt sich teilweise der Seitenspiegel der Autos nicht mehr ohne Weiteres einklappen. Dabei sind das wichtige Zentimeter für den Bus.“, klagt Jakobus.

Eine weitere Engstelle für die Linie ist die Ecke Charlottenstraße am Schusterplatz. Die dort geplante schraffierte Fläche, um Autofahrer vom Parken abzuhalten, ist bisher jedoch nicht eingerichtet worden.

Ein Wegfall von Parkplätzen ist nicht das Ziel, sagen die WSW

„Achtung Busstrecke: Markierung beachten, Reifen gerade stellen, Spiegel einklappen“ lautet daher die Bitte der WSW, die auf dem großflächigen Plakat am Eingang der Reitbahnstraße angebracht ist. „Wir wollen mit diesen weichen Maßnahmen sensibilisieren. Auch Handzettel wurden bereits im Viertel verteilt“, erläutert Holger Stephan das Vorgehen. „Parkverbote und den Wegfall von Parkflächen wollen wir möglichst vermeiden“, ergänzt er. „Das würde die Lage wohl auch nicht entschärfen.“

Doch was passiert, wenn sich die Lage nicht ändern sollte? Bezirksvertreter Lüdemann zeigt sich verhalten: „Eine Mehrheit für Halteverbote in der BV ist derzeit nicht in Sicht.“ Außerdem solle zunächst der Weg über Anreize und Aufklärungsarbeit weiterverfolgt werden. Peter ist dort anderer Meinung: „Wir brauchen auf dem Ölberg ein Signal, auf den ÖPNV umzusteigen und weniger Anreize, mit dem Auto zu fahren. Halteverbote können sinnvoll sein.“ Zudem sei eine Verkehrswende auf dem gesamten Ölberg notwendig, indem auch der Radverkehr gestärkt werde.

Einig sind sich alle Beteiligten, dass eine Lösung des Problems drängt. „Wenn ich zum Bahnhof möchte, kann ich mich auf die Linie 643 schlichtweg nicht mehr verlassen. Daher nehme ich entweder einen Bus früher und damit zusätzliche Wartezeit in Kauf oder ich gehe direkt zu Fuß“, klagt Lüdemann. Ein Eindruck, den auch Holger Stephan bestätigen kann: „Wenn die Fahrgäste merken, dass der Bus nicht vorwärts kommt, steigen sie aus und gehen zu Fuß. Fahrgäste, die an den folgenden Haltestellen warten, sind aber noch mehr gekniffen, wenn sie vergeblich auf den Bus warten.“

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