Der historische Wandzierbrunnen sprudelt wieder

Eröffnung : Der historische Wandzierbrunnen sprudelt wieder

Nach langjähriger Restaurierung wurde das Kunstwerk am Dienstag eingeweiht. 35 000 Euro wurden investiert.

. Um Punkt 17 Uhr schallte vielstimmig das dreifache Kommando „Wasser marsch“, und unmittelbar darauf plätscherte es munter aus drei Röhren in das Auffangbecken des frisch restaurierten Zierbrunnens in der kleinen Grünanlage gegenüber der Historischen Stadthalle. Das vor mehr als 100 Jahren von dem Bildhauer Professor Erich Cleff geschaffene Kunstwerk war zwei Jahre lang mit Hilfe von schwerem Gerät und der Kunstfertigkeit von Steinmetzen, Maurern und Installateuren auseinander genommen, wieder zusammen gefügt und gebrauchsfähig gemacht worden. Am Dienstagnachmittag wurde es bei strahlender Herbstsonne würdig eingeweiht. Nicht nur mit dem symbolträchtigen, von einem Blechbläser-Quartett der Uni begleiteten Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“ und dem Bergischen Heimatlied, sondern auch in Gegenwart von „Cleff III“, dem Enkel des Erbauers, der wie sein Vater Kunstmaler geworden war und zur Feier des Tages ein Porträt seines Großvaters Erich und eine Gemälde-Triologie der drei „Cleffs“ mit aus seiner Heimatstadt Bamberg nach Wuppertal gebracht hatte.

Die Kunstwerke waren – sicherheitshalber vor der feuchten Inbetriebnahme des Brunnens – auf der Mauer des Auffangbeckens drapiert worden und weckten in einer Dame angenehme Erinnerungen. „Ich war Schülerin von Opa Cleff“, erzählte die 93 Jahre alte Wuppertalerin Annemarie Schild. „Er hat damals an der Meisterschule des Deutschen Handwerks (später Wuppertaler Werkkunstschule, Red.) Modellieren unterrichtet“, erinnert sie sich an ihren alten, streng aussehenden Lehrmeister. „Er liebte altägyptische Motive, die finden sich auch in der Wand des Brunnens wieder.“

Auf Bronzeröhren wurde
wegen Metalldieben verzichtet

Natürlich ließ Ralph Hagemeyer, der Vorsitzende des Bürgervereins der Elberfelder Südstadt , im Laufe der kleinen Feier in Gegenwart von Kulturdezernent Matthias Nocke, vom Elberfelder Bezirksbürgermeister Jürgen Vitenius und von rund 100 Besuchern die Geschichte der lange total zugedeckten und vergessenen Brunnens-Ruine Revue passieren.

Ulrich Güldennagel, stellvertretender Bezirksbürgermeister, hatte im Laufe eines Spazierganges mit seinem Zwillingsbruder Andreas das ramponierte und zugewachsene Kleinod entdeckt und nach Rücksprache mit Vitenius den Bürgerverein Südstadt informiert. Ralph Hagemeyer brachte dann mit seinen Mitstreitern den Stein ins Rollen und erweckte den Zierbrunnen gegenüber der Historischen Stadthalle wieder zum Leben. „Ursprünglich wollten wir, dass das Wasser nach der grundlegenden Erneuerung der Wassertechnik aus Bronzerohren fließt, aber das erschien uns wegen der Metalldiebstähle hier zu gefährlich. Jetzt sind es Steinröhren, aus denen es plätschert.“

Ein Novum ist die Beleuchtung, die sich nach Eintritt der Dunkelheit einschaltet und zu später Stunde auch selbsttätig wieder ausschaltet. Dies alles hat rund 35 000 Euro gekostet, die der Bürgerverein der Elberfelder Südstadt aus eigenen, aber auch aus großzügigen Sponsorenmitteln aufgebracht hat. Hier hakte auch Jürgen Vitenius ein, der das großartige Engagement der Südstädter Bürger lobte. „Als wir denen das Stichwort Zierbrunnen an der Kölner Straße gegeben hatten, wussten wir schon, dass etwas aus der Sache werden würde.“

Dass etwas daraus geworden ist, konnte stilvoll mit Sekt, aber auch mit Alkoholfreiem und Butterkuchen zu fröhlicher Blasmusik gefeiert werden. Die Südstadt ist um ein kleines steinernes und sprudelndes Juwel reicher geworden.

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