Mobilitätsstation am Wuppertaler Ölberg soll im Herbst fertig sein

Verkehrswende : Ein Fleckchen Zukunft für den Ölberg – Mobilitätsstation wird konkreter

Spätestens im Herbst soll am Schusterplatz eine Mobilitätsstation in Betrieb gehen. Die Bezirkspolitiker gaben nun grünes Licht.

Entmotorisierungsprozesse einleiten, Parkdruck verringern. Hinter feinstem Bürokratendeutsch steckt schlicht und ergreifend – die Zukunft. Zumindest in Sachen Verkehr. Denn: So kann es ja nicht weitergehen. Dachten und denken sich die Macher der Initiative „Mobiler Ölberg“ und brüten seit Monaten über einer Mobilitätsstation, die natürlich auf dem Ölberg stehen soll. Nun wird sie endlich realer, denn die Bezirkspolitiker haben jüngst grünes Licht für ein Fleckchen Zukunft gegeben.

Am Schusterplatz (Stellplätze an der Schneiderstraße) werden je zwei Car-Sharing-Plätze, eine Fahrradabstellanlage mit zwei Bügeln und eine Fahrradgarage entstehen. Zwei Taxiplätze verschieben sich, bleiben aber erhalten. Die Fahrradgarage ist wegen ihrer Bauweise die auffälligste Baumaßnahme.

Was beispielsweise in Hamburg ein alter Hut ist – dort gibt es Fahrradgaragen an beinahe jeder Ecke – wird spätestens im kommenden Herbst in der Elberfelder Nordstadt Wuppertal-Premiere feiern. Bis dahin soll das neue Quartier für bis zu zwölf Räder in Betrieb genommen sein.

Gerne auch früher, wenn es nach Mit-Initiator Thomas Weyland (60) geht. Es komme nun darauf an, wie schnell von behördlicher Seite gearbeitet werde. Ausdrücklich lobt er in diesem Zusammenhang aber die bislang „sehr gute Kommunikation mit der Stadt“. Außer der Realisierung eines kleinen Beitrags zum Thema Verkehrswende geht es Weyland zudem um praktische Handhabe.

„Auch auf dem Ölberg altern die Menschen und vielen fällt es schon heute schwer, ihre Räder zur Unterbringung in den Keller zu tragen. Erst recht, wenn immer mehr Leute auf ein Pedelec umsteigen“, sagt er und denkt selbst über eine baldige Anschaffung eines solchen Elektro-Fahrrads, das etwas sperriger als ein herkömmliches Zweirad ist, nach.

Kein Argument für eine Garage war übrigens der Schutz vor Fahrrad-Diebstahl. Der ist laut Weyland in der Nordstadt weniger verbreitet als beispielsweise der Klau von dicken Spritschluckern.

Werden die Kosten für die Rad-Abstellanlage (knapp 2700 Euro) von der Stadt und die Car-Sharing-Plätze vom nutzenden Unternehmen bezahlt, finanziert die Initiative die gut 19 000 Euro (5000 Euro kommen aus der städtischen Stellplatzrücklage, die Bezirksvertretung soll auch etwas beisteuern) das Fahrradhaus zu einem Großteil selbst.

Ein bisschen kurios: Der Verein Unternehmer/innen Nordstadt, zu dem die Initiative gehört, vermietet an der Sattlerstraße selber 22 Einstellplätze – für Autos. Die jährlichen Erlöse daraus, laut Weyland etwa 6000 Euro, fließen nun in die Finanzierung des mobilen Leuchtturmprojekts. Zudem beteiligen sich künftige Mieter mit einem Minidarlehen in Höhe von 200 Euro, das sie nach Ausscheiden zurückerhalten, und einem monatlichen Mietpreis von zwölf Euro an den Kosten.

Dass die Fahrradgarage gut bei den Ölbergern ankommen wird, davon ist Weyland überzeugt. „Ein paar Nachbarn haben schon Interesse bekundet, obwohl wir noch keine Werbung gemacht haben“, sagt er.

Entworfen hat das Häuschen Hannes Mayer (52), der als Industriedesigner auf dem Ölberg arbeitet und zur Initiative gehört. „Innen wird es aus verzinktem Stahl, außen aus unbehandeltem Lärchenholz bestehen. So kann es eine schöne Patina bekommen. Eine Plastikgeschichte wollten wir nicht“, sagt Mayer.

Widerstände gegen das Projekt gab es bislang keine, immerhin fallen künftig zwei herkömmliche Parkplätze zugunsten der Mobilitätsstation weg. Auch unter den Lokalpolitikern herrscht Einigkeit. „Die Station soll ein Denkanstoß sein, wie man es auch in anderen Quartieren machen kann. Wir wollen für die Radfahrer ein wahrnehmbares Zeichen setzen, dass wir auf ihrer Seite sind“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Vitenius (SPD).

Und Klaus Lüdemann (Grüne) ergänzt: „Es gibt zwar schon Car-Sharing-Plätze auf dem Ölberg, aber so wird das Angebot bald noch erweitert. Die Nachfrage ist groß. Die Investitionen sind erst einmal nicht klein für solch eine Station, aber wir wollen Erfahrungen sammeln, und dafür muss man eben Geld in die Hand nehmen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung