Wuppertaler Ölberg als Vorreiter der Mobilitätswende

Mobilitätswende : Der Ölberg als Vorreiter der Mobilitätswende

Der Green City Plan der Stadt sieht das Quartier in der Nordstadt als Versuchsfeld für zwei Projekte vor.

Der Ölberg soll ein Versuchsquartier für die Verkehrswende werden. Denn der Green City Plan der Stadt, in dem Ideen zur kurzfristigen Reduzierung von Stickoxiden gesammelt werden, um Fördermittel einwerben zu können, sieht zwei Projekte vor, die in dem Nordstadt-Quartier getestet werden sollen.

Zum einen soll es demnach eine Mobilstation geben – einen Verknüpfungspunkt zwischen Fuß-, Rad-, öffentlichem Verkehr und Sharing-Angeboten. Eigentlich sollen diese Stationen vor allem an Punkten mit Bahnanschlüssen stehen, aber auch, so erklärt Verkehrs- und Umweltdezernent Frank Meyer, in dicht besiedelten Gebieten wie der Nordstadt. Dafür gab es zuvor auch schon einen Prüfauftrag der Bezirksvertretung an die Verwaltung, der von der Initiative Mobiler Ölberg initiiert worden war. Meyer sagt, man arbeite gerade daran, entsprechende Fördertöpfe zu suchen, um das Vorhaben zu realisieren. Er ist optimistisch, dass das klappt. Thomas Weyland von der Initiative sieht das Projekt schon kurz vor der Realisierung. Die Station soll am Schusterplatz, an der Schneiderstraße, stehen – nah an den Taxiständen, nah an der Bushaltestelle. Dazu sollen zwei Car-Sharing-Plätze kommen sowie eine Fahrradgarage. Er hält eine Realisierung für 2019 für möglich.

Eine Idee:
Das Nordstadtticket

Die Fahrradgarage würde allerdings über die Mobilstation hinaus aufgestellt werden und zwölf Stellplätze bieten. Die Idee hatte man schon beim Bürgerbudget eingereicht. Weyland sagt, Fahrradstellplätze seien im Quartier sinnvoll, weil es für viele Anwohner in den alten Häusern dort schwer sei, Räder in die Wohnungen oder Keller zu tragen. Die Initiative plant über den Green-City-Plan hinaus fünf solcher Fahrradstationen im Quartier zu errichten.

Die Stadt will laut Green-City-Plan die Mobilstationen zu „Smart Stations“ mit Ladesäulen für E-Mobilität ausbauen. Die Stationen sollen es generell attraktiver machen, andere Verkehrsmittel als das Auto zu nutzen. Sie sollen auch auf andere Quartiere übertragbar sein.

Eine andere Idee, um Bürger vom Auto auf andere Verkehrsmittel zu bringen, ist das sogenannte „Nordstadtticket“. Auch dafür ging die Initiative vom Mobilen Ölberg aus. Die Initiative hatte sich über das Bürgerticket informiert und die Idee in Gespräche mit der Stadt und den Stadtwerken getragen. Meyer sagt zwar, dass das Nordstadtticket nicht richtig in den Green City Plan passe, der kurzfristige Konzepte zur Verbesserung der Luftqualität aufliste. Die Idee sei aber so gut, dass man sie trotzdem aufgenommen habe, um gegebenenfalls Fördermittel einfordern zu können.

Dabei soll es für Bewohner des Quartiers Vergünstigungen beim Abo-Ticket geben, wenn sie einen Neukunden werben oder der Neukunde sind. Die Umsetzung und deren Details sind noch völlig offen, aber alle Parteien halten es für machbar.

Weyland weiß, dass die Idee weit weg vom solidarischen Bürgerticket ist, bei dem alle Einwohner den ÖPNV gemeinschaftlich per Abgabe zahlen und dann kostenfrei nutzen können. „Aber es könnte ein Anfang sein, um zu zeigen, dass man den ÖPNV anders finanzieren kann und eine andere Preisstruktur funktionieren kann.“ Weyland hält die Finanzierung des ÖPNV aus Einnahmen in der Versorgungssparte der Stadtwerke ebenso wie Dezernent Meyer für ein Auslaufmodell.

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