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Zwischen Idylle und Gewalt: Künstler blickt in die Zukunft

Zwischen Idylle und Gewalt: Künstler blickt in die Zukunft

Der Berliner Ralf Küster ist zu Gast beim Neuen Kunstverein Wuppertal.

Wuppertal. "Utopia/Dystopia": Der Titel der aktuellen Ausstellung in den Räumen des Neuen Kunstvereins Wuppertal richtet den Blick in die Zukunft, vielleicht als eine Beschäftigung mit dem Leben 4.0, könnte man meinen.

Die formale Digitalität - Computer- und Beamertechnik - lieferte bei der Ausstellungseröffnung aber inhaltlich keine Nullen-und-Einsen-Welten, sondern, ganz im Gegenteil, zutiefst Natürliches - im Wortsinne.

Die erste Video- und Soundinstallation des Künstlers Ralf Küster, "Utopia - Dystopia (exp.)", stellt mit düsteren Bildern und Industrialklängen die Elemente der Technik gegenüber - und damit schwebende Leichtigkeit schweren Metallen.

Die Auseinandersetzung mit Utopien und den Gegenentwürfen, Dystopien, hob der 1. Vorsitzende des Kunstvereins, Erik Schönenberg, in seiner Einführungsrede als einen Grund hervor, warum man den in Berlin lebenden Künstler eingeladen habe. Ein weiterer sei die Tatsache, dass Küsters Arbeiten "einfach verdammt gut" seien.

Trotz sommerlicher Außen- und entsprechend hoher Innentemperaturen im dunklen Raum machten sich viele Kunstinteressierte ein eigenes Bild. Sie sahen siebeneinhalb Minuten lang "verschwommene, amorphe, technische und rätselhafte Strukturen, welche sich an dem Wahrheits- und Realitätsgehalt von Utopien verschiedener Epochen anlehnen", wie es in einer Kurzbeschreibung des Künstlers heißt.

Ralf Küster zeigte sich auf Nachfrage eher wortkarg. Anstelle eines Statements sei der Transport über das Medium Video doch selbst Aussage genug.

Weniger abstrakt war dann die zweite, 26Minuten lange Installation mit dem Titel "Kavalar - Die weiße Zone". Küster hatte eine Woche vor Beginn des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm vor Ort gedreht, die Bilder anschließend mit anderem Material kombiniert.

Ausgehend von der Frage "Welcher Wahnsinn steckt hinter einem zwölf Kilometer langen Zaun in der Natur?" zeigt "Kavalar" eine Art zerstörtes Paradies und bilddokumentarische Gegenüberstellung von Idylle und Gewalt. Zu sehen und zu hören sind Überwachungskameras, Vogelgezwitscher, Stacheldraht, Polizisten, Brachialsounds, Wald, Meer, Menschen.

Das Interessante: Da keine Bilder den eigentlichen Umstand - eben den G8-Gipfel - zeigen, könnte man auch einfach Zeuge neuzeitiger Feldzüge sein, die ein barbarisches Potenzial offenbaren. Wie beruhigend, dass das Schreckensszenario mit einem Sonnenuntergang über dem Meer endet - bevor "Kavalar" erneut startet.