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Schönen Augenblicken auf der Spur

Schönen Augenblicken auf der Spur

Galerie Blickfang: Erika Anna Schumacher fotografiert und malt.

Wuppertal. Das Leben ist einfach zu kurz, der Tod kommt immer zur Unzeit und dummerweise scheinen unangenehme Situationen unendlich lange zu dauern, wohingegen alles Schöne wie im Flug vergeht. Der von Goethe in seinem "Faust"-Stück verfasste Seufzer "Werd’ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!" könnte leitmotivisch für Erika Anna Schumachers Malerei gelten.

Ihre Arbeiten sind unter dem Titel "Begegnungen" in Steffen Schneiders Galerie Blickfang zu sehen. "Ich habe großes Interesse an Menschen", sagt die Künstlerin, die gelernte Architektin ist und sich vor zehn Jahren entschloss, für ihre Kunst den Brotberuf aufzugeben. Besonders gerne beobachtet sie Menschen auf ihren vielen Reisen - zuletzt war sie zwei Wochen auf Sansibar.

Oft sind es Momentaufnahmen und Augenblicke, eine Geste oder Bewegung, die die Aufmerksamkeit der Malerin, Fotografin und Wortschöpferin erregen: "Wenn jemand total in sich versunken zu sein scheint, dann ist das für mich ein ganz besonderer Moment."

Wie ein Skizzenbuch dient ihr die Kamera dann als Erinnerungsstütze. Denn zunächst werden diese für sie schönen Augenblicke fotografiert, ehe sie in ihren Bildern künstlerisch konserviert werden.

"Flo", das Bild eines in seinen Schal eingemummelten jungen Mannes, das im Fenster der Galerie an der Luisenstraße hängt, ist dafür ein gutes Beispiel. Einerseits wirkt der Kommilitone der Freien Kunstakademie Essen, an der Schmacher im dritten Jahr studiert, durch seine Armhaltung verschlossen, andererseits durch seinen Blick wie in einen aufregenden inneren Monolog versunken. Interessant ist an diesem Bild ist, dass das Originalfoto in der Galerie ebenfalls zu sehen ist.

Außer den zwölf Bildern und zehn Fotografien lädt in der zweiten Einzelausstellung der Künstlerin auch ein sogenannter Zettelkasten zur kontemplativen Einkehr ein. "Das begleitet mich mein ganzes Leben: in der einen Hand die Kamera, in der anderen Zettel und Stift" - so beschreibt sie selbst.

Denn Eindrücke zu sammeln von Menschen, die ihr interessant erscheinen, ist für sie schöne Beschäftigung und künstlerische Auseinandersetzung zugleich. Weil sie aber gerne fragmentarisch arbeitet, bieten Bilder wie Texte Raum für eigene ergänzende Gedankengänge. Das Fragmentarische muss wohl auch deshalb sein, weil der Augenblick, zum Verweilen aufgefordert, doch immer ein flüchtiger ist, der sich in seiner Gesamtheit unmöglich einfangen lässt.

Die Ausstellung kann bis zum 24.Juli an der Luisenstraße 90 besichtigt werden - 90 dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 16 Uhr.