1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Premiere: Prinzessinnen haben es auch nicht leicht

Premiere: Prinzessinnen haben es auch nicht leicht

Ein Solo-Abend zeigt es: Anne-Catherine Studer ist wandlungsfähig.

Wuppertal. Prinzessinnen haben es nicht leicht: Sie müssen vergiftete Äpfel überleben oder einen 100-jährigen Schlaf überstehen. Und weil der Tod des Schlafes Bruder ist - oder um mit Elfriede Jelinek zu sprechen: "Der Tod als Konstante des Daseins" gilt - sind sie dem immer näher als dem Leben.

Den ersten beiden "Prinzessinnendramen" von Elfriede Jelinek ist der Solo-Abend "Der Tod und das Mädchen" von Anne-Catherine Studer im Kleinen Schauspielhaus gewidmet. Im Glassarg, der mit Äpfeln angefüllt ist, erwacht Schneewittchen, indem sie die Apfelstücke ausspuckt. Stilecht ist sie gekleidet, mit weißem Spitzen-Prinzessinnenkleidchen, pinkfarbenen Leggings, weißen Stiefeln und glitzerndem Krönchen. Denn sie weiß: Ich bin die Erste, die Schönste im ganzen Land.

Da hat die böse Stiefmutter keine Chance. Die hat zwar die Macht, aber nicht die Schönheit. Studer spricht das Prinzesschen wandlungsreich: Kleinmädchenhaft klingt ihre Stimme, wenn sie das kokettierende Naivchen gibt. Mit tiefer, rauer Stimme spricht sie langsam und monoton, wenn sie im Sarg liegt und die Weisheiten um Leben und Tod, Schönheit und Altern, Sein und Schein, Zeit und Ewigkeit verkündet. Doch dann muss natürlich der Prinz her, den sie mit gespitztem Kussmund und geschlossenen Augen erwartet.

Ironisch reflektiert Jelinek die Stellung der Frau in der Männerwelt: "Her mit der Wimperntusche, solange noch Zeit ist." Dazu stapft Studer staksig die Treppe zum Glassarg hoch oder rutscht sie bäuchlings, noch halb schlafend, herunter.

Mit Bewegungsreichtum und Sprachvarianten belebt Studer die spröde und ironische Sprache, die weit schweift und metapherreich philosophiert (inszenatorische Beratung: Jakob Fedler): "Sein ist ja nicht nur Vorhandensein, da gehört schon was mehr dazu."

Studer bemüht verschiedene Prinzessinnen: Die, die den Frosch küsst und an die Wand wirft, die, deren Stiefelchen auf der Treppe kleben bleibt oder die die Erbse - den Apfel - durch die Matratze spürt.

Dramatisch wird das Glamour-Girl entthronisiert: "Ich bin ganz ich", heißt es dann, und Studer hinkt auf einem Stiefel - ohne Gürtel, bar aller Kronen, mit Angst vor den Zwergen mit freiem Glied. Schluss-Statement: "Nur wertvolle Frauen können der Welt etwas schenken." Oder wie wäre es mit: Nur Frauen sind wertvoll und wichtig für die Welt?