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Hohe Klangkultur in der Kirche

Hohe Klangkultur in der Kirche

Das Ensemble Amici del Canto erweist sich als erstklassiger Kammerchor.

Wuppertal. Das Ensemble Amici del Canto lud zum Konzert in die Elberfelder Herz Jesu Kirche ein, und die "Freunde des Gesangs" bescherten den Zuhörern im vollbesetzten Gotteshaus tatsächlich viel Freude am Gesang.

Denn hohe Klangkultur zeichnet die Darbietungen aus, verbunden mit technischer Reife. Kein Wunder, haben sich in diesem Chor doch ausgebildete Chorsänger und versierte Laien gefunden. Kurrende-Chef Martin Lehmann zeichnet für Programm und Gestaltung verantwortlich.

Das anspruchsvolle Programm, mit dem der gemischte Kammerchor im Mai auf Konzertreise war, baut auf Kontrastwirkungen von alter und neuerer geistlicher Musik. Für die Teile aus der Messe für zwei vierstimmige Chöre von Frank Martin (1880-1974) ist der Sprachrhythmus Formgeber für den musikalischen.

Im Credo alternieren die Chorgruppen in vielstimmig unterlegten Zwiegesprächen. Dagegen ist die berühmte "Missa Papae Marcelli" von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1594) ein Vorbild an klangsinnlicher Gestaltung im polyphonen Tonsatz. Die dynamischen Übergänge wirken im sehr halligen Raum manchmal etwas abrupt.

In Bachs Motette "Fürchte dich nicht" fällt die Textdeutlichkeit ebenfalls der Akustik zum Opfer - gottlob sind die Texte im Programmheft abgedruckt. Das gemischte Stehen der Chormitglieder verlangt große Sicherheit im komplexen Stimmengefüge und schafft einen hervorragend stimmigen Gesamtklang, in dem profund grundierende Männerstimmen und auch in hohen Gefilden sichere Soprane angenehm auffallen.

Sven David Sandströms "Fürchte dich nicht" enthält sowohl klangschön strömenden Wohlgesang und großes Pulsieren als auch beschwörend deklamierte Textstellen, etwa die rasch gesprochene Titelzeile. Im Piano sind die Texte gut zu verstehen und entfalten ihre suggestive Wirkung.

Unbestechlich sicher ist der Chor in Sachen Intonation, etwa im "Sonnengesang" des Franz von Assisi vom tschechischen Komponisten Petr Eben (1929-2007). Die modernen Stilmittel wie Schichtungen, Chromatik oder Ton- und Harmoniesprünge bereiten den Choristen scheinbar keinerlei Probleme. Die Zuhörer applaudierten begeistert.

Wuppertal hat also wieder einen Chor, der in der Liga der exzellenten Kammerchöre singt. Lehmann: "Ja, es war wohl an der Zeit für einen erstklassigen Kammerchor in Wuppertal."