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„Wuppertaler hängen sehr an ihrem Theater“

„Wuppertaler hängen sehr an ihrem Theater“

Holger Weimar, künstlerischer Leiter des Bühnen-Festivals, zieht Bilanz.

Herr Weimar, wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des Theatertreffens?

Holger Weimar: Ich kann sagen, dass meine Erwartungen in allen Belangen übertroffen wurden — das bezieht sich auf das Interesse des Publikums, das Engagement der teilnehmenden Theater und ganz besonders auf den Einsatzwillen und die Leidenschaft aller Abteilungen der Wuppertaler Bühnen. Ich bin mehr als zufrieden, und das ist nicht einfach so dahergesagt.

Das öffentliche Interesse an der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Theater war mit rund 30 Zuhörern nicht besonders groß — dabei kämpfen speziell die Wuppertaler Bühnen um ihr Überleben. Wie erklären Sie sich das?

Weimar: Das ist ganz einfach zu erklären: Der Titel der Veranstaltung war „Die Identität der Theater in den Städten von morgen“. Wir wollten an einem Punkt ganz bewusst nicht über die finanzielle Krise, sondern über ästhetische und künstlerische Visionen reden. Es war eine spannende Diskussion mit interessanten Perspektiven, aber ganz bestimmt keine Massenveranstaltung. Wie Sie vielleicht an der Bestuhlung gesehen haben, hatten wir gar nicht mehr Zuhörer erwartet. Die strukturellen Probleme der NRW-Theater waren ja zuvor ausführlich in der „Wuppertaler Debatte“ bedacht worden.

Herz-Stücke eines Theatertreffens sind natürlich die Aufführungen. Wie war die Auslastung?

Weimar: Genaue Zahlen kann ich noch nicht nennen, aber ich kann sagen, dass jede Vorstellung im Kleinen Schauspielhaus ausverkauft war und wir zahlreiche Besucher wieder nach Hause schicken mussten. Ebenso war die „Nora“ ausverkauft und der „Kirschgarten“ sehr gut besucht. Dass Abende, die teilweise mehr als dreieinhalb Stunden dauern, es etwas schwerer haben, ist verständlich. Aber natürlich hätte ich es auch lieber gesehen, wenn auch diese drei Produktionen bis auf den letzten Platz ausgebucht gewesen wären. Trotzdem war die Neugier der Zuschauer gewaltig. Das hat man nicht zuletzt während der Publikumsgespräche erlebt.

Kamen vor allem heimische Theater-Fans oder auswärtige Zuschauer zu den Aufführungen? Andres gefragt: Haben vor allem Wuppertaler mitgefeiert — oder war das Theatertreffen nicht zuletzt auch Werbung und ein Zeichen der Solidarität für Wuppertal?

Weimar: Bei jedem Publikumsgespräch wurde klar, wie sehr die Wuppertaler an ihrem Theater und an ihrem Schauspielhaus hängen. Aber auch von außerhalb kamen viele interessierte Besucher. Ich bin überzeugt, dass das Theatertreffen Werbung für ganz Wuppertal, für die Kultur in Wuppertal und generell das Theater in NRW ist. Was das für die Zukunft bedeutet, muss sich nun erweisen.

Ein Theatertreffen soll nicht nur Leistungsschau, sondern immer auch ein Ort der Begegnung sein. Was war — so gesehen — Ihr schönstes Erlebnis?

Weimar: Für mich als Theatermann sind über die Monate der Vorbereitungen natürlich zunächst die Begegnungen innerhalb des Theaters prägend. Denn so eine Mammutaufgabe ist nur zu stemmen, wenn die Mitarbeiter diese Zusatzaufgabe für ihr Theater auch wollen.