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Visionen und Geldsorgen: Holger Weimar über das NRW-Theatertreffen

Visionen und Geldsorgen: Holger Weimar über das NRW-Theatertreffen

Holger Weimar plant das NRW-Theatertreffen, bei dem auch die Finanzkrise eine Rolle spielen wird.

Herr Weimar, Sie sind künstlerischer Leiter des NRW-Theatertreffens. Wie bereitet man ein solches Festival vor?

Holger Weimar: Die Vorbereitungen sind wahnsinnig komplex, aber in erster Linie bin ich ja der „künstlerische“ Leiter. Das bedeutet, ich reise zu den 19 Landes- und Stadttheater und schaue mir die von den Theatern vorgeschlagenen Stücke an. Das ist natürlich zunächst eine sehr angenehme Tätigkeit. Man berät sich mit der eigens zusammengestellten Jury über die Auswahl und muss dann natürlich auch Entscheidungen fällen, die nicht jedem gefallen werden. Aber danach wird es eine zunehmend logistische Tätigkeit: Was ist wünschenswert für die Stadt Wuppertal? Was ist notwendig für die Wuppertaler Bühnen? Was erwartet das Land NRW? So viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen, ist nicht so einfach. Man muss viele Gespräche führen.

Was möchten Sie anders, vielleicht sogar besser machen als bei anderen Theatertreffen?

Weimar: Es geht gar nicht darum, etwas besser zu machen. Die vorherigen austragenden Städte waren Bonn und Düsseldorf. Und diese Städte sind in ihrer Struktur gar nicht mit Wuppertal zu vergleichen. Ich würde gerne ein Theatertreffen für Wuppertal machen, das die Vielfältigkeit der Theater in NRW widerspiegelt. Dann hätte man viel erreicht.

Weimar: Den Mut, junge Regisseure zu nominieren, kann ich nur unterstützen. Fast jedes Theater in NRW versucht auf vielfältige Weise, neue künstlerische Wege zu gehen. Dazu gehört auch die Förderung junger Regisseure. Das macht die Theaterlandschaft so interessant und spannend. Das ist ein Trend, der seit langem zu beobachten ist, und das NRW-Theatertreffen ist dazu da, diesen Trend sichtbar zu machen.

Für Wuppertal bedeutet das Theatertreffen nicht zuletzt die Möglichkeit, Eigenwerbung zu betreiben, gleichzeitig aber auch auf die Finanzkrise aufmerksam zu machen. Wie wollen Sie diese Chance nutzen?

Weimar: Die Finanzkrise ist in fast allen Städten in NRW präsent. Wir werden verschiedene Foren nutzen, um uns mit den Problemen auseinanderzusetzen. Es gibt interne Gesprächskreise wie zum Beispiel die „Wuppertaler Debatte“, die wir zusammen mit dem NRW Kultursekretariat organisieren. Wir setzen uns schon im Vorfeld mit den Dramaturgen und Intendanten zusammen, um die Situation der Theater genau zu analysieren. Viele Theater beleuchten die Auswirkung der Finanzkrise ja auch in ihren Inszenierungen. Das wird immer wieder Thema auch in den Publikumsgesprächen werden. Außerdem wird unser Theaterparcours das Motto „westworld — Stadt der Zukunft“ tragen. Da werden wir jedes Theater nach seiner Vision für die Zukunft befragen.

Was genau ist beim Theaterparcours geplant?

Weimar: Wir möchten eine Reise durch Wuppertal organisieren. Wir werden am 25. Juni im Schauspielhaus starten und dann durch sechs verschiedene Spielstätten in Wuppertal reisen. Dort zeigen dann die Landes- und Stadttheater in kleinen Lesungen, Dialogen und Inszenierungen ihre Vision der Stadt der Zukunft. Das werden kleine Situationen sein, die hoffentlich ein farbenprächtiges Ganzes ergeben.

Das Festival findet innerhalb einer Woche statt, also in geballter Form. Da muss man sich als Zuschauer sehr genau überlegen, welche Inszenierung man sehen möchte und welche nicht. Weshalb ziehen Sie das Programm nicht etwas mehr in die Länge?

Weimar: Die geballte Form sehe ich als Chance, dass eine Festivalatmosphäre entsteht. Eine Woche geballtes Theater! Das ist natürlich eine Ausnahmesituation. Ich kann nur empfehlen, so viel wie möglich ins Theater zu gehen. Wir werden versuchen, das programm so zu gestalten, dass man jedes Stück sehen kann. Es wird keine Überschneidungen geben. Außerdem wäre das Nebeneinander von Repertoire-Betrieb und Festival für die Logistik der Wuppertaler Bühnen viel komplizierter. Wir werden ein Festivalticket auflegen, damit man als Zuschauer das gesamte Festival genießen kann.

Im April soll feststehen, welche der nominierten Stücke am Ende eingeladen werden. Wer entscheidet, wer zu den Glücklichen gehört?

Weimar: Wir haben eine Jury zusammengestellt, die aus den Wuppertaler Intendanten — aus Christian von Treskow und Johannes Weigand — sowie der Dramaturgie der Wuppertaler Bühnen und mir besteht. Wir müssen das Programm verantworten.

Das Festival wird vom Land finanziert. Gibt es Vorgaben aus der Landeshauptstadt oder haben Sie gänzlich freie Hand?

Weimar: Nein, es gab keine Vorgaben. Natürlich stehen wir in engem Kontakt, denn ich finde es nicht selbstverständlich, dass das Land ein NRW-Theatertreffen finanziert — aber notwendig und sinnvoll.

Sie kündigen an, dass das Festival für die Wuppertaler Bühnen eine logistische Meisterleistung wird. Wie bereiten Sie sich auf den Ausnahmezustand vor?

Weimar: Die Wuppertaler Bühnen versuchen ja schon in ihrem Repertoire-Betrieb, die eigenen Grenzen auszuloten und das bestmögliche künstlerische Programm für ihr Publikum zu präsentieren. Da ist ein zusätzliches Festival eine Herausforderung, die nur mit der Zustimmung aller Beteiligten möglich ist. Wenn man das NRW-Theatertreffen nicht als Chance für Wuppertal begreift, dann hat man es schwer. Aber als Chance wird es in allen Abteilungen der Wuppertaler Bühnen gesehen. Das ist ein Abenteuer.