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Sieben Planeten und eine gute Prise Jazz

Sieben Planeten und eine gute Prise Jazz

Die städtischen Musiker begeisterten am Sonntag zusammen mit Vanessa Wagner.

Wuppertal. Der Film müsste noch gedreht werden — die Musik gibt es schon: Im letzten Sinfoniekonzert der Saison widmete sich das groß besetzte Sinfonieorchester gestern Gustav Holsts gewaltigem Werk „Die Planeten“ von 1918, das an Filmmusik erinnert. Holst stattet die damals bekannten sieben Planeten mit Charakteren aus.

„Mars, der Kriegsbringer“ ist ein Satz voll aggressiver und von Unheil kündender Wucht. Die große Schlagwerker-Riege ist extrem gefordert. Auf- und abschwellend schwebt und steigert sich die Musik und findet erregende Chiffren für den galaktischen Raum. „Venus, die Friedensbringerin“ ist eine kreisende Musik von spätromantischem Kolorit. Der geflügelte Bote Merkur eilt auf Bläserskalen durchs Universum, vom neckischen Celesta-Klingeln untermalt. Jupiter erhält den Charakter „fröhlich“ und einen behäbigen Walzer-Rhythmus im Orchester-Unisono lösen kecke Holzbläser munter ab. Wie Toshiyuki Kamioka mit seinem Dirigat die sehr differenzierten Klangfarben herausstellt, das zeugt von großer Klasse.

Saturn, der das Alter bringt, kennzeichnen fahle und gebrechlich wirkende Akkorde. Bläser mit indifferenter Harmonik und schwer lastendem Blech führen über langsame dumpfe Pauken-Schritte zum Inferno-Cluster. „Uranus, der Magier“ schreitet trappelnd über Xylofon-Skalen, ehe eine wahrhaft unheimliche Musik fröhlich-bissig daherkommt. „Neptun, der Mystiker“ schließlich ist wie eine flirrend und schwebende Debussy-Anleihe, von sanften Harfen- und Celesta-Klängen begleitet. In Raum und Zeit verloren, erklingt von ferne ein Frauenchor (Wuppertaler Bühnen) und beschließt die suggestive Musik. Stehende Ovationen gibt es für die exzellent aufspielenden Musiker.

Vor der Pause gab sich das Orchester jazzig-sinfonisch: Bernsteins fetzige „Candide“-Ouvertüre und Gershwins „Rhapsody in Blue“ standen auf dem Programm. Vanessa Wagner spielt das Klavier und überzeugt mit einem sauberen und differenzierenden Spiel, das den „sinfonischen Jazz“ stark sinfonisch deutet und den „frechen“ Touch eines Jazzpianisten in den swingenden Parts eher marginal behandelt. Damit folgt sie durchaus den Intentionen des Dirigenten. Das Programm wird am Montag noch einmal um 20 Uhr präsentiert.