Witziges Vergnügen: Vier Männer stranden im Taltontheater

Witziges Vergnügen: Vier Männer stranden im Taltontheater

Ungeplantes Überlebenstraining kam am Samstag bestens an.

Wuppertal. Das Licht geht aus, die Musik an: „Summer Dreaming“ erklingt. Vorhang auf: Doch der Anblick, der sich dem Publikum bei der ausverkauften Premiere von „Vier Männer im Nebel“ im Taltontheater bietet, ist skurriler Weise fern ab von Sommerträumen, exotischen Stränden und Entspannung. Vollkommen durchnässt und schlapp schleppen sich Neville, Roy, Angus und Gordon, Abteilungsleiter einer britischen Firma aus Manchester, nach ihrem Schiffbruch auf eine menschenleere neblige Insel. Aus dem geplanten gruppendynamischen Abenteuer der Firma wird ein „Dschungel-Camp mit Niveau“, so beschreibt es Regisseur Jens Kalkhorst.

Das Stück von Tim Firth lebt von witzigen Dialogen. Mit unberechenbarer Situationskomik bekommt das Publikum die unterschwelligen Konflikte zwischen den Charakteren zu spüren. Da sind Neville als optimistischer Käpt’n und Fürsorger, Angus als unsicherer Pantoffelheld, Roy als frommer und zugleich am Rande des Wahnsinns stehender Naturmensch und Gordon, der sich als pessimistischer, cholerischer Sarkast entpuppt.

Jede Figur hat ihre persönlichen Abgründe. Auch außerhalb der Cafeteria — bei einem ungeplanten Überlebenstraining — gehen die kleinen Gemeinheiten unter Kollegen weiter. Sie führen zur Eskalation. Warum ruft Angus’ Frau keine Hilfe herbei? Wer ist Lucy? Wer befindet sich noch auf dieser Insel? Knappe drei Stunden inklusive Pause vollzieht sich die tragische Komödie vor den Augen der Zuschauer. Mit tosendem Applaus werden die Schauspieler Michael Hans Herrmann als Gordon, Maurice Kaeber als Neville, Dirk Büchsenschütz als Angus und Joachim Kirchner in der Rolle des Roy für ihre authentische Darbietung und Regisseur Jens Kalkhorst für seine gelungene Inszenierung belohnt.

Wohlgemerkt: Das Stück bietet Stoff für einen unterhaltsamen Abend. Für den anspruchsvollen Zuschauer dürfte es jedoch an dramatischem Tiefgang fehlen. Angelehnt an den Roman „Der Herr der Fliegen“ wird die Kritik an der bürgerlichen Mittelschicht in diesem Stück angedeutet, doch durch Ironie zugleich banalisiert. Nichtsdestotrotz: Sehenswert ist die existenzielle Krise der Männer im Nebel allemal. Das Training der Lachmuskeln ist dabei nicht zu unterschätzen - besonders, als sich der Nebel endlich verzieht.

“ Die nächsten Vorstellungen finden am 9. November um 20 Uhr und am 11. November um 15 Uhr statt. Karten gibt es unter Telefon 0211/27 4000 und online.

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