Eine Alkoholikerin nutzt in Wuppertal die Theaterbühne

Eine Alkoholikerin nutzt in Wuppertal die Theaterbühne

Im Café Ada spielen sich beklemmende Szenen ab. Ein Stück thematisiert Trinksucht.

Wuppertal. Sie spricht von sich auch in der dritten Person und versucht so, Abstand zu gewinnen. Sie hat keine hohe Meinung von sich, aber in ihren Erinnerungen findet sie immer etwas, was sie schön fand in ihrem Leben. Die Schlager aus dem Radio etwa, mit denen sie groß wurde.

Paula Spencer ist „Die Frau, die gegen Türen rannte“ in der neusten Produktion der Wuppertaler Bühnen — im voll besetzten Café Ada aufgeführt.

Julia Wolff spricht und spielt den beklemmenden Monolog in der drastischen Sprache einer fast 40-jährigen Trinkerin, die soeben vom Tod ihres Mannes Charlo erfährt, der sie 17 Jahre lang misshandelte. Ihr blaues Auge, erklärt sie jedes Mal im Krankenhaus, habe sie, weil sie gegen eine Tür gerannt sei. Sie entschuldigt sogar ihren brutalen Mann. Und sie sucht die Schuld bei sich: „Ich habe ihn gereizt.“ Dass sie Alkoholikerin wird, scheint unausweichlich.

Julia Wolff gelingt ein Spagat. Sie vermittelt aufkeimende Glücksgefühle in der Erinnerung ebenso überzeugend wie die harte Realität, mit der die Protagonistin konfrontiert ist.

Regisseur Frank de Buhr hat in seiner Inszenierung ein Interieur auf einer kleinen Hubbühne geschaffen: Die Beine der Möbel hängen zum Teil in der Luft und die Fläche kippt, wenn die Akteurin darauf geht. So instabil und aus dem Gleichgewicht geraten ist ihr ganzes Leben.

Sehr beklemmend sind die Szenen, wenn Paula fieberhaft nach dem Schlüssel sucht, mit dem sie an die Alkoholika kommt. Ihren kleinen Sohn bringt sie immer früher ins Bett, damit sie endlich trinken kann. „Ich kann aufhören, wenn ich will“, versichert sie, und der Selbstbetrug wird zur Lebensphilosophie: „Mein Leben ist vielleicht beschissen, aber es hat einen tollen Soundtrack.“

Wolff zeichnet ein erschreckend hoffnungsloses Bild von einer Frau, die ihr Leben nicht mehr im Griff hat, die aber ihre Kinder liebt und sich nach Liebe sehnt. Der Monolog endet trostlos — es wird keine Veränderung aus eigener Kraft geben.

“ Das Stück dauert 80 Minuten ohne Pause. Im Café Ada, Wiesenstraße 6, wird es am 14. und 15. November um jeweils 20 Uhr aufgeführt. Karten gibt es online unter

wz-ticket.de

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