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Konzert: Sixties werden auf der Bühne lebendig

Konzert : Sixties werden auf der Bühne lebendig

Wolf Wiedemann und Thomas Görres begeisterten mit Klassikern der Sechziger.

Wie in einer amerikanischen Musikkneipe konnten sich die Besucher der Färberei am Samstag fühlen: Auf der Bühne trugen Wolf Wiedemann und Thomas Görres Jeans, Lederweste und Cowboyhut. Erst recht stilecht klangen die Sixties-Klassiker, die die beiden Gitarristen spielten – mal auf halbakustischen Instrumenten, mal hundertprozentig unplugged.

Für Wiedemann sind die Sechziger eine Goldene Zeit. Der Korschenbroicher, der mit 13 Jahren die Gitarre für sich entdeckte, nahm mehrere Alben mit Hippiemusik auf. Seine Live-Auswahl „Woodstock and more“ widmet sich den Helden des Festivals, das mit rund 400 000 Besuchern mehr als einen Rekord brach. Auch für die Heldinnen der Dekade hat er viel übrig.

Janis Joplins „Mercedes Benz“ brachte das Duo als schnellen Blues. Wiedemann steuerte druckvolle Gitarrenlinien bei, und mit einem scharfkantigen Mundharmonika-Solo drückte sein Kollege dem Song seinen Stempel auf. Jimi Hendrix, der Headliner von Woodstock, wurde mehrmals gecovert. „Von dem hatte ich in meinem Jugendzimmer ein Poster hängen“, berichtete er. Zum Glück hat er nicht, wie seine Mutter es gern gehabt hätte, das Bild wieder abgenommen, sondern fleißig die Hits seines Idols geübt. So hörte das Publikum eine fein austarierte Version von „All Along The Watchtower“ und später noch die Mörderballade „Hey Joe“ – genau das Richtige für Wiedemanns raue Stimme.

Als Hendrix im August 1969 bei der „Woodstock Music and Art Fair“ auftrat, war er bereits ein Star. Für Alvin Lee und seine Band Ten Years After bedeutete Woodstock den internationalen Durchbruch. Den Gitarristen Lee könne er nicht nachahmen, sagte Wiedemann. Dafür legte er den Humor frei, der im Ten Years After-Song „Choo Choo Mama“ steckt. „Choo Choo!“, skandierte das Duo – und war nah dran an der Signalpfeife einer Lokomotive.

Aus heutiger Sicht lassen sich die Sixties nicht ohne Bob Dylans Songpoesie denken. Dylans „Knockin’ on Heaven’s Door“ regte Wiedemann dazu an, das Publikum um den Buchstaben „U“ zu bitten. „Diesen Vokal kann man wunderbar nutzen, um gemeinsam zu singen.“

„Knockin’ on Heaven’s Door“ sollte nicht der einzige Sprung in die siebziger Jahre bleiben. Ob akustische oder elektrische Gitarristen – für alle ist „Stairway To Heaven“ ein Leckerbissen. Wiedemann und Görres machten daraus eine verträumte Instrumentalnummer. Mitsingqualitäten besaß wiederum Rod Stewarts „Sailing“. Dafür hatten die Musiker Textblätter verteilt und freuten sich über die Begleitung durch den Publikumschor.

Das große Plus des Abends war aber der zweistimmige Harmoniegesang. Da verband sich Wiedemanns Reibeisenorgan mit der folkig sanften Stimme von Görres. Wenn das Duo bis in die fünfziger Jahre zurückging und „Bye Bye Love“ von den Everly Brothers interpretierte, wollte der Applaus schier kein Ende nehmen.