Kultur in Wuppertal: Klassenzimmerstück feiert Premiere an der Pina-Bausch-Schule

Kultur in Wuppertal : Klassenzimmerstück feiert Premiere an der Pina-Bausch-Schule

Bei „Out! – Gefangen im Netz“ geht es um Cybermobbing. Die Schüler konnten mit Kevin Wilkes forschem Auftritt viel anfangen.

Mit so einem Auftritt haben die Schüler nicht gerechnet. Schauspieler Kevin Wilke betritt das Klassenzimmer und hält einen Polizeiausweis hoch. „Kriminalpolizei!“ Sein strenger Blick macht klar, dass er über das Thema Cybermobbing nicht bloß reden will. Die knapp 30 Siebtklässler der Pina-Bausch-Gesamtschule scheint Wilke für ziemlich verdächtig zu halten. „Könnt ihr mir sagen, warum ihr das gemacht habt?“, fragt er und verteilt dann Zettel, die Name, Erziehungsberechtigte, Telefonnummer und einiges mehr abfragen. „Die Zeit der Anonymität ist vorbei.“

Die Schüler müssen die Informationen am Ende nicht preisgeben. Aber bei „Out! – Gefangen im Netz“, dem Klassenzimmerstück des Schauspiels Wuppertal, können sie sich auch nicht in die passive Zuschauerrolle zurückziehen. Denn Hauptfigur Vicky ist kaum älter als sie. Anfangs ist Vicky „in“ – in den sozialen Netzwerken und bei ihren Freunden. Dann wechselt sie die Klasse, und auf einmal ist alles anders. Es tauchen Bilder von ihr im Netz auf. Man redet nicht mehr mit ihr, sondern über sie. Sie wehrt sich, will alles löschen.

Obwohl Wilke die Polizistenrolle schnell hinter sich lässt, pickt er sich immer wieder den einen Schüler oder die andere Schülerin heraus, um sie direkt anzusprechen. In Peter Wallgrams Inszenierung spielt der junge Schauspieler, der mit „Out!“ sein Wuppertaler Debüt gibt, eine Vielzahl von Rollen – Vicky und ihre Mitschüler, Vickys Bruder, Eltern und Lehrer.

Nach einer Verschnaufpause lädt Theaterpädagogin Sylvia Martin zur Diskussion ein. „War das eine wahre Geschichte?“, ist die erste Frage aus dem Publikum. „Ich könnte mir das gut vorstellen“, sagt eine Schülerin. „Glaubt ihr, dass das auch schon mal in eurer Klasse passiert ist?“, fragt Martin zurück. „Nein“, ist die einhellige Antwort. Cybermobbing habe es hier noch nicht gegeben.

Also alles Friede, Freude, Eierkuchen? Klassenlehrerin Ruth Kaerger will das nicht so stehen lassen und erinnert daran, dass in der Vergangenheit Streit auch auf digitalem Wege ausgetragen wurde. „Würdet ihr eine neue Schülerin wie Vicky googeln?“, hakt Martin nach. „Ich hoffe nicht“, antwortet ein Schüler. Ihm gefalle ja selber die Vorstellung nicht, dass Leute nach ihm im Internet suchen.

Ob es an seiner Schule Mobbing gegeben habe, fragen die Schüler Wilke, der mit 27 Jahren kaum eine Generation älter als die Siebtklässler ist. „Ich merke bis heute noch, dass ich Ängste in mir habe, die von meiner Schulzeit her stammen.“

Um die Ursachen des Konflikts im Stück geht es Wilke. Liegt es daran, dass Vicky neu in ihrer Klasse ist? „Es lag vor allem an der Einstellung der anderen“ – diese Sicht teilt eine Mehrheit. Der Schauspieler fragt außerdem nach der Verantwortung der Erwachsenen. „Ich finde, der Lehrer sollte sich mehr für seine Schüler einsetzen“, lautet ein Kommentar.

Mit Wilkes forschem Auftritt haben die Schüler übrigens viel anfangen können. Dieser Einstieg sei besser als eine Vorrede, meint ein Schüler, die erst ins Thema einführt.