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Axel Fischbacher spielt neues Album in Wuppertal

Interview : „Musik machen ist nicht nur Selbstzweck“

Live-Premiere mit neuem Album: Das Axel Fischbacher Quintett und die Kammerphilharmonie Wuppertal geben am 7. Februar in der Stadtsparkasse ein Konzert.

Gitarrist Axel Fischbacher zählt zu den Spitzensolisten der europäischen Jazz-Szene. Hunderte Konzerte und Tourneen weltweit, eine Vielzahl von CD-Produktionen, sowie Lehrtätigkeiten in Kanada und der Schweiz kann der Wahlwuppertaler vorweisen.

Wie entstand das Projekt?

Axel Fischbacher: Die Idee ist im Wuppertaler Kulturbüro im Gespräch mit Ulrich Marxcors entstanden, der auch inhaltlich denkt und nicht nur bürokratisch. Er sah sofort das Potential zwischen meinen künstlerischen Ansprüchen und den kommerziellen Notwendigkeiten für ein Projekt mit Jazzband und Orchester.

Wie kam die Kammerphilharmonie ins Spiel?

Fischbacher: Marxcors schlug mir Werner Dickel vor. Wir haben dann ausführlich über Musik und Leben philosophiert und beschlossen, unsere Ensembles zu kombinieren. Dabei habe ich auch schnell gemerkt, dass ich auf keinen Fall ein Album wie das 1950 veröffentlichte „Parker & Strings“ machen will. Das ist ein Sakrileg, das wollte ich nicht anfassen. Aber die Idee, meine Band mit seinem Orchester zusammenzubringen, fanden wir super und ich habe ein Jahr an der Sache gearbeitet. Das war möglich, da ich vom Kulturbüro ein Honorar für einen Kompositionsauftrag erhalten habe.

Sie sind 1956 in Lübeck geboren. Wie kamen Sie zur Musik?

Fischbacher: Ich bin immer noch überzeugter Hanseat und nicht besonders gerne im Rheinland. Aber das was ich tue, diese Art von Musik machen, kann man leider in Lübeck nicht. Am Gymnasium in Ratingen lernte ich mit 17 den Jazzpianisten Christoph Spendel und vor allem Herwig Mitteregger kennen und sah, dass eine Musikerlaufbahn machbar ist. Wichtig ist für mich die Grundeinstellung, dass man auch an ein Publikum will und dass Musik machen nicht nur Selbstzweck ist. Dies ist in den USA viel mehr ausgeprägt als in Deutschland.

Und wie kam der Jazz in Ihr Leben?

Fischbacher: Ich bin wie viele über den Rock eingestiegen und fühle mich als Bluesgitarrist. Mein Gott war Alvin Lee (Ten Years After), den fand ich grandios. Lee war auch sehr jazzig und sehr intelligent. Das Album „Undead“ hat mich sehr stark beeinflusst. Etwas später kamen dann Lee Ritenour und Larry Carlson, weil die eine bessere Klangkultur hatten und eine Mischung von Bluesgitarre mit starkem Jazzeinfluss spielten. Bei John Scofield hatte ich einen Workshop gehabt und alles von ihm angehört. Das ist nach Alvin Lee einer gewesen, wo ich mir sagte, genau so muss es sein und nicht anders.

Ihr neues Album heißt „Five Birds and Strings“. Hat das noch etwas mit Charlie Parker zu tun?

Fischbacher: Das aktuelle Album knüpft an den Geist meiner vorherigen LP an. Der Titel „Five Birds“ suggeriert, dass den Zuhörer Musik von Parker erwartet, aber dem ist nicht so, denn ich will meine Band, das Axel Fischbacher Quintett, ab sofort in Five Birds umbenennen. Zunächst habe ich alles studiert, was es an Jazz Band und Strings gibt. Es ist aber so, dass in der Musik mehr Parker drin ist, als man oberflächlich hört. Ich habe Stücke geschrieben und im Hinterkopf immer das Streichorchester mitgedacht. Den Stücken liegen Jazzstandards zu Grunde, wie auch Parker viele bekannte Melodien seinen Improvisationen zu Grunde legte. Ich habe das harmonische Gerüst von Standards genommen und dazu neue Melodien gespielt und andere Rhythmen benutzt.

Wie entstanden die Kompositionen für das neue Projekt?

Fischbacher: Ein bisschen war das Ganze auch eine Reise in meine Anfänge als Musikhörer in den frühen siebziger Jahren. Meine Lieblingsbands, wie The Nice oder später Emerson, Lake & Palmer hatten sich sehr auf das Experimentieren zwischen kreativem Rock und klassischer Musik eingelassen und tolle Alben wie „Five Bridges“ gemacht, die ich viele Jahre vorher kannte, bevor ich überhaupt wusste, dass es „Parker mit Strings“ gibt. Und dann habe ich Musik von Bartók, Debussy, Varèse, Strawinsky studiert und geschaut, wie das klingt, wenn ich etwas ändere und ein Bebop-Thema in Bartók-weise orchestriere.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Band zusammengestellt?

Fischbacher: Ich suchte Musiker, die sowohl authentischen Bebop spielen können, aber auch einen Fuß in der Popmusik haben. Der vor genau 100 Jahren geborene Parker hat zwar etwas Zeitloses, aber wir wollten auch nicht die Bebop-Museumspflege kultivieren. Eigentlich hatten wir vor, eine Elvis-Presley-Platte zu machen, weil Parker und Elvis Zeitgenossen waren. Als Parker starb, begann Elvis Aufstieg. Beiden liegen oft die gleichen musikalischen Vehikel zu Grunde. Immer ganz viel 12-takt Blues.