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Konzert: Patrick Hahn brilliert in der Historischen Stadthalle

Konzert : Patrick Hahn brilliert in der Historischen Stadthalle

Das 5. Sinfoniekonzert war musikalisch spannend und wurde präzise dirigiert vom 24 Jahre alten Shootingstar.

Wer sich vor der Matinee des fünften städtischen Sinfoniekonzerts noch etwas unsortiert im vollen Großen Saal der Stadthalle einfand, wurde kurz nach 11 Uhr ruckzuck hellwach. Das sehr groß besetzte Sinfonieorchester Wuppertal hatte sich eingestimmt, als Patrick Hahn auf das Dirigentenpult steigt, den Arm mit dem Taktstock hebt und sich jeder Musiker konzentriert. Schon geht es los mit einer nicht ganz fünf-minütigen musikalisch rasanten Probefahrt in einem Sportwagen.

„Short Ride in a Fast Machine“ heißt das Stück aus dem Jahr 1986 von John Adams, bei dessen Aufführung jeder wie im wahren Leben hellwach sein muss. Hat man nämlich ordentlich PS unter der Haube und geht nicht sensibel mit dem Gaspedal um beziehungsweise schätzt Kurven nicht richtig ein, ist ein Unfall programmiert.

Genauso verhält es sich mit den sehr schnell zu spielenden Noten. Geht etwas daneben, werden nicht selbst kleine Tonveränderung exakt gespielt, gehen die Schlagzeuger nur ein wenig ungenau mit ihrem Instrumentarium um, dann fällt die Musik in sich zusammen.

Souveränes Rennen
auf der Formel-1-Piste

Doch sie kam mustergültig von der Bühne. Dafür sorgte unter anderem Hahn mit seiner absolut präzisen und umsichtigen Schlagtechnik, auf die sich jeder Sinfoniker voll verlassen konnte. So geriet diese Aufführung musikalisch zu einem souveränen Rennen auf einer Formel-1-Piste, der das Publikum begeistert beiwohnte.

Weiter ging es zu einem anderen Fortbewegungsmittel, dieses Mal nach New York eine Etage tiefer zur U-Bahn. Aus den Lautsprechern hörte man unter anderem, wie sie in einer Station ein- und ausfährt, ihre Türen aufgehen und sich wieder schließen und Durchsagen. Dazu kommentierte, reflektierte, imitierte das Orchester von der Bühne und aus der Ferne (hinten auf der Empore) diese Geräusche sehr klangfarbenreich.

Auch hier konnten sich die Sinfoniker bei Hahn stets aufgehoben fühlen. Umsichtig lotste er sie durch die sehr komplexe Partitur, gab nötige genaue Einsätze, konnte aber auch die Zügel etwas locker lassen bei Freiräumen der musikalischen Entfaltung. So wurde die Vielfalt der kompositorischen Mittel klar zum Ausdruck gebracht.

Auf den Namen „open doors“ hat Bernd Franke aus Leipzig sein Werk getauft, das erste Bandoneon-Konzert eines deutschen Komponisten überhaupt. In diesem Fall kam stattdessen ein Akkordeon zum Einsatz. Solist Teodoro Anzellotti verstand es außerordentlich feinfühlig, dieses Instrument von seinem Tango-Klischee zu befreien. Hochmusikalisch präsentierte er eine große Palette an Klangfarben und fein abgestuften Dynamiken, die hervorragend mit den orchestralen wie kammermusikalischen Strukturen harmonierten.

Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie in c-Moll (op. 67) ist nicht minder großartig. Jeder kennt sie. Jeder Klassikfreund hat seine Referenzeinspielung. Doch eine Frage darf nach dieser Präsentation erlaubt sein: Wann wurde dieses Werk in Wuppertal live derart dynamisch, von der ersten bis zur letzten Note hochspannend zu Gehör gebracht?

Bereits die Töne der ersten Takte kamen nicht wie ein sich in sein Schicksal ergebenes Pochen daher. Von Anfang wurde deutlich, dass alles Ringen in den ersten drei Sätzen schließlich in ein strahlendes siegreiches C-Dur mündet. Intensiv und dicht vermittelte das städtische Orchester diese stringente Haltung Hahns. So geriet die Aufführung der „Schicksalssinfonie“ zu einem großen Erlebnis. Berechtigte, nicht enden wollende stehende Ovationen waren die logische Konsequenz.