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Wuppertaler Kultur: Philipp Böhm erhält Preis der Literatur-Biennale

Wuppertaler Kultur : Philipp Böhm erhält Preis der Literatur-Biennale

Festival wird wegen Corona-Pandemie auf Herbst verlegt. Gewinnertext handelt von einer düsteren Zukunft.

Der Autor Philipp Böhm erhält den diesjährigen Hauptpreis der Wuppertaler Literatur-Biennale. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird Böhm in diesem Herbst an einem bislang noch unbekannten Datum verliehen. Wegen der Corona-Krise musste die ursprünglich für den Mai geplante Literatur-Biennale verschoben werden. Sie soll nun „in komprimierter Form“ im Herbst stattfinden, wie die Veranstalter mitteilen.

Der 1988 in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) geborene Böhm, der Germanistik und Politikwissenschaft studiert hat und mittlerweile in Berlin lebt, konnte die Preisjury mit seiner Erzählung „Playhouse“ überzeugen. Die Ende 2019 entstandene Erzählung spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft und handelt von einer Welt, in der sich wohlhabende Menschen dank Organaustauschs ewige Jugend kaufen können, während weniger wohlhabende Zeitgenossen nicht so viel Glück haben und nun den Aufstand wagen.

Der Text handele vom „Rückzug“ in eine geschützte Sphäre – eben das „Playhouse“ - und das Warten auf eine noch unbekannte Zukunft, erzählt Böhm der WZ. Insofern habe das Thema durchaus eine gewisse Parallele zu der heutigen Zeit, seinen Auflagen zum „Social Distancing“ und dem bangen Blick nach vorne.

Der Preis der Wuppertaler Literatur-Biennale soll in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben werden. Der Wettbewerb dient der Förderung des literarischen Nachwuchses und richtet sich an Autoren im deutschsprachigen Raum. Für den diesjährigen Preis hatten sich 94 Autorinnen und Autoren bis 35 Jahren beworben. Entsprechend dem Motto der diesjährigen Literatur-Biennale mussten sich ihre Texte mit dem Thema „Berührungen. Tier-Mensch-Maschine“ befassen. Eine fünfköpfige Jury entschied über die Preisträger.

Förderpreis geht
an Astrid Gläsel

Neben dem Hauptpreis vergaben die Juroren auch einen Förderpreis, der mit 1000 Euro dotiert ist. Er geht an Astrid Gläsel, die 1993 in Stuttgart geboren wurde und Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin studiert.

Sie konnte mit ihrem Anfang dieses Jahres entstandenen Text „Einander Gutes tun“ überzeugen, in dem sie von einer Roboterrobbe erzählt, die in der Altenpflege eingesetzt wird. Die künstliche Robbe soll den Bewohnern Ablenkung bringen und Zuwendung an etwas vermeintlich Lebendiges bieten. In der Erzählung gehe es um die Frage, „welche Bereiche unseres Lebens wir robotisieren wollen“, sagt Gläsel. Auch das Verhältnis einer Heimbewohnerin zu ihrer Tochter wird in dem Text thematisiert.

Die Wuppertaler Literatur-Biennale findet seit 2012 im – wie der Name schon sagt – Zweijahresrhythmus statt. Das Literaturfestival geht über zehn Tage und widmet sich jeweils einem aktuellen Thema. Bei der letzten Biennale 2018 lautete es: #Schön lügen. Der Preis der Biennale wird vom Kulturbüro der Stadt Wuppertal und der Kunststiftung NRW vergeben. Die Kunststiftung ist gemeinsam mit dem NRW-Kulturministerium zudem Hauptförderer des Literaturfestivals.