Die prekäre Situation der Honorarkräfte an der Musikschule stieß im Kulturausschuss auf Verständnis und Ohnmacht.

Kulturausschuss : „Das Honorar reicht kaum zum Leben“

Die prekäre Situation der Honorarkräfte an der Musikschule stieß im Kulturausschuss auf Verständnis und Ohnmacht.

Im Theater findet das Geschehen auf der Bühne statt. Das Gegenteil erlebte der Kulturausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch. In der schicken Kulisse des Tic-Ateliers zog das Drama ins wahre Leben um. Anlass: Die prekäre finanzielle Situation der freiberuflichen Lehrkräfte an der Bergischen Musikschule, die eine Petition mitbrachten. Ihre Bitte: „Ein Signal, dass etwas passiert, denn das Honorar reicht kaum zum Leben.“ Mitnehmen konnten sie viel Mitgefühl und die vage Aussicht auf Hilfe im Herbst.

Über die Forderungen der fast 140 Honorarkräfte, die zu 70 Prozent den Unterricht der Musikschule bestreiten, hatte die WZ bereits vergangene Woche berichtet. Auch über die Forderung nach sofortiger Erhöhung der Honorare um 25 Prozent. Laut Petition verdienen die Honorarkräfte durchschnittlich 16,56 Euro brutto in der Stunde. Nun galt es die Politiker davon zu überzeugen, dass Qualität gutes Personal braucht, das nur mit einer entsprechenden und dauerhaften Vergütung zu haben sei. Unterstützung erhielten die Lehrkräfte von Lutz-Werner Hesse, der als geschäftsführender Direktor der Musikhochschule vergleichbare Informationen und die Überzeugung, dass „absoluter Handlungsbedarf besteht“, mitbrachte. Auch seine Lehrbeauftragten werden schlecht bezahlt, bestritten zu etwa 70 Prozent den Unterricht. Auch in seinem Haus herrsche eine hohe Fluktuation. „2018 haben wir zehn Lehrkräfte durch Abwanderung verloren.“ Außerdem hat Hesse eine gefährliche Entwicklung beim Lehrernachwuchs beobachtet. Die schlechten Berufsaussichten hätten die „katastrophale Wirkung“, dass sich immer weniger junge Leute in Deutschland entschieden, Musik zu studieren.

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an der Musikhochschule

Kulturdezernent Matthias Nocke steckt in der Klemme. Einerseits stehe die „Wettbewerbsfähigkeit der Bergischen Musikschule als Arbeitgeber auf dem Spiel“. Andererseits dürfe „die Architektur des Haushalts nicht außer Fugen geraten“. Seit einigen Jahren stelle er sich „intensiv der Situation“. Die Erhöhung der Musikschulgebühren halte er „nicht für einen adäquaten Lösungsvorschlag“. Für den Doppelhaushalt 2020/21, so Nocke, habe er Vorschläge (Umwandlung der honorar- in tarifgebundene Stellen, Red.) gemacht, die aber abgelehnt worden seien. „Der Kämmerer hat das Recht dazu, solange ich meine Vorschläge nicht gegenfinanzieren kann.“

Die Politiker wiederum äußerten reihum ihr Entsetzen – und ihre Ohnmacht. Erhard Buntrock (CDU), der zugleich Vorsitzender des Förderkreises der Musikschule ist, riet — wie andere auch — dazu, das Thema Musikschule zur Pflichtaufgabe des Landes zu machen. Schulpolitik sei eh Landespolitik. Außerdem solle Förderung nach Prioritäten und nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden. Während Musikschulleiter Raphael Amend den Verdacht, die Stadt würde Landeszuschüsse für Festangestellte für Honorarkräfte verwenden, um so eingesparte Sozialabgaben in den Abbau der Haushaltsschulden zu stecken, widerlegte, blieb die Frage nach der finanziellen Leistungsfähigkeit anderer Musikschulen unbeantwortet. Amend konnte lediglich mitteilen, dass Wuppertal mit 8000 Schülern zwar fünftgrößte Musikschule in NRW sei, 2017 unter den elf größten Musikschulen aber den letzten Platz beim Prozentsatz der Festangestellten belegt hatte. Guido Grüning (SPD) forderte die Verwaltung auf, Ideen zur Verbesserung der Situation zu erarbeiten. Da Oberbürgermeister und Kämmerer bereits einen Vorschlag angekündigt haben, empfahl Nocke diesen abzuwarten und dann nach der Sommerpause im Rahmen der Haushaltsberatungen aktiv zu werden. Unabhängig davon wollen die Wuppertaler Politiker nun ihre Parteifreunde im Land in die Pflicht nehmen.

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