Musik auf dem Cronenberg feiert Jubiläum mit einigen Kostbarkeiten

Festival : Jubiläum mit einigen musikalischen Kostbarkeiten

„Musik auf dem Cronenberg“ feierte sein 20-jähriges Bestehen mit einem Festival.

Picken war einmal im Bergischen Land und Sauerland sehr verbreitetet. Dabei handelt es sich um einen Freiluft-Kegelsport. In Vergessenheit ist er geraten. Es gibt nur noch eine Lokalität und einen dazugehörigen Verein: die Pickbahn und den Pick-Verein „Grüne Eiche“. Wer dorthin will, nach Vonkeln, auf dem Weg nach Cronenberg von der Hahnerberger Straße rechts runter ins Grüne, sollte gerne auf Schusters Rappen unterwegs sein. Denn da unten einen Parkplatz zu finden, käme dem Gewinn eines Sechsers im Lotto gleich. Ist der Spaziergang aber hinter sich gebracht, kann man sich an dem idyllischen Plätzchen am Rande des Burgholz wohlfühlen. Dort feierte der Verein „Musik auf dem Cronenberg“ seinen 20. Geburtstag mit einem kleinen Festival. Bei schönem Sommerwetter und Wohlfühltemperatur lockte es am zweiten Tag sehr viele Musikfreunde zu einem geselligen Beisammensein dahin.

Drei erlesene Programmpunkte gab es für das Publikum zu hören

Drei erlesene Programmpunkte wurden angeboten. Ließen zu vorgerückter Stunde die in Wuppertal ansässigen Musiker Annika Boos (Gesang), Ulrich Rasch (Klavier), Matthias Kurzhals (Saxophon) und Enno Kremser (Kontrabass) mit Jazzmusik den Tag ausklingen, trat zuvor das renommierte Esmé Quartett auf. Es spielte das Streichquartett in F-Dur von Edvard Grieg und Joseph Haydns „Lerchen-Quartett“ (D-Dur, op. 64/5).

Los ging es mit einer Kostbarkeit, die selten live zu erleben ist: Igor Strawinskys Moritat „Die Geschichte vom Soldaten“ für kleines Ensemble und Erzähler. Eigentlich gehören noch zwei Schauspieler (Soldat, Teufel) und eine Tänzerin dazu. Sie müssen aber nicht unbedingt sein. In Vonkeln reichte vor der kleinen Open-Air-Bühne Bernd Kuschmann völlig aus. Denn der einstige Publikumsliebling vom Wuppertaler Schauspielensemble hatte keine Mühe, stimmlich in beide Schauspielrollen zu schlüpfen. Dank seiner meisterhaften Rezitationskunst packte er die Zuhörer, als er die Geschichte des Soldaten, der einen Tauschhandel mit dem Teufel eingeht, erzählte.

Auch die dazugehörige Musik konnte sich hören lassen. Verantwortlich dafür waren fünf städtische Sinfoniker: Liviu Neagu-Gruber (Geige), Andrew Lee (Kontrabass), Gerald Hacke (Klarinette), Robert Essig (Trompete) und Peter Stuhec (Posaune). Hinzu gesellten sich Johannes Stelter (Fagott) und Schlagzeuger Arturo Portugal. Eigentlich war Werner Dickel, einer der beiden künstlerischen Leiter des Vereins, als Dirigent vorgesehen. Doch er zog sich zurück, da das kleine Orchester ohne ihn gut eingespielt war. So brachte es die Klangeffekte einer Jahrmarktszenerie schwungvoll zur Geltung. Auch die bewusst ein wenig schief komponierte Mischung aus Tango, Pastorale, Marsch, Walzer, Ragtime und Choral tat den Ohren gut.

So war es nur folgerichtig, dass der kurzweilige Opener des Tages mit lang anhaltendem Beifall ausgiebig gefeiert wurde.

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