Quartett präsentiert hochvirtuose Spielfreude im Wuppertaler Opernhaus

Konzert : Quartett präsentiert hochvirtuose Spielfreude

Letztes „Nachtfoyer“-Konzert ließ John Coltranes Jazzkompositionen aufleben.

Auf dem Olymp des Jazz sind etliche Persönlichkeiten sesshaft, die wegweisend waren für die Entwicklung der improvisierten Musik. Etwa befinden sich Dexter Gordon, Miles Davis, Art Blakey, Sonny Rollins, Bud Powell, Gerry Mulligan und Dave Brubeck darunter. Ein Weiterer ist John Coltrane, dem das letzte Konzert der Reihe „Nachtfoyer“ dieser Spielzeit im voll besetzten Kronleuchterfoyer des Opernhauses gewidmet war. Vier erstklassige Musiker waren dafür zuständig, dass dieser Abend zu einem großen Ereignis wurde.

John Coltrane, der mit dem Altsaxophon seine Laufbahn begann, später zum Tenorsaxophon wechselte und auch hin und wieder zum Sopransaxophon griff, ging seinen musikalischen Weg bis hin zum Freejazz. Wie hätte er sich wohl weiterentwickelt, wäre er nicht 1967 viel zu früh im Alter von 40 Jahren gestorben? Jedenfalls war es die Zeit des „Modern Jazz“, in der er zu seinem unverwechselbaren Stil fand. „Hard Bop“ und „Modaler Jazz“ waren seine Zwischenstationen. Letztere Richtung beruht auf an Kirchentonarten orientierten Tonleitern (Skalen). Sie setzt sich über die bis dahin an geläufige Harmonieabläufe festgebundene Improvisation hinweg. Diese Entwicklung führte zu immer längeren und ekstatischeren Soli. Seine ganz persönliche Note bestand im Kreieren von Klangflächen. Der Begriff „sheets of sounds“ hat sich seitdem im Jazz für solch eine Art musikalischer Gestaltung durchgesetzt. Legendär sind viele seiner Alben wie „Blue Train“, „Giant Steps“ und „My Favorite Things“.

Präsentiert wurde ein Querschnitt aus seinem Schaffen, darunter die Eigenkompositionen „Cousin Mary“, „Like Sonny“, „Naima“ und „Central Park West“. Aber auch seine berühmte Version des Songs „My Favorite Things“ aus dem Musical „The Sound Of Music“ durfte nicht fehlen.

Getreu seinem Gusto wurde dieses Programm vorgestellt. Dazu gehörten hochvirtuose wieselflink-flächige Soloeinlagen von Wolfgang Schmidtke (Sopran- und Tenorsaxophon) und Kelvin Sholar (Klavier). Hinzu gesellten sich mit Christian Ramond (Kontrabass) und Ernst Bier (Schlagzeug) ebenfalls zwei Vollblutmusiker, die sehr lebendig und kreativ mit ihren Instrumenten umgingen. Äußerst homogen, intensiv und dicht spielte das Quartett, das hinsichtlich individuellen Phrasierungen und Dynamiken absolut schlüssig und höchst kreativ mit Coleman’s Motiven, Themen und musikalischen Linien umging.

Die Zugabe als Dank für den begeisterten Applaus kam aus der Feder von Thelonious Monk: „Ruby, My Dear“. Ihm kann man auch auf dem Jazzolymp begegnen. Vielleicht gibt es auch einmal ein Monk-Porträtkonzert? Verdient hätte es der legendäre Jazzpianist und Komponist.

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