Wuppertaler Sinfonieorchester stellt die Sheng in den Mittelpunkt

Konzert : Sinfonieorchester stellt die Sheng in den Mittelpunkt

Asiatische Musik steht beim letzten Konzert der Spielzeit auf dem Programm in der Stadthalle.

Beim Sinfonieorchester Wuppertal rücken die wohlverdienten Theaterferien immer näher heran. Aber noch stehen ein paar wichtige Vorstellungen auf dem Dienstplan, bevor die Musiker die Füße hochlegen dürfen. Zwei davon gibt es am Samstag und Montag in der Stadthalle. Dabei handelt es sich um das letzte städtische Sinfoniekonzert dieser Spielzeit. Exquisit ist das Programm, bei dem unterschiedliche Kulturkreise aufeinandertreffen.

Der russische Komponist Alexander Borodin setzte sich mit der asiatischen Musik auseinander. Der Zeitgenössische deutsche Komponist Enjott Schneider ließ und lässt sich von der chinesischen Philosophie beeinflussen und verwendet neben einem klassisch-europäischen Orchester ein ganz altes Instrument aus diesem Land: die Sheng.

Und die Tonsprache Pjotr Iljitsch Tschaikowskys ist von der aus Frankreich mitbeeinflusst. Der junge Gastdirigent Tung-Chieh Chuang, der seit dem Gewinn des renommierten Internationalen Malko-Wettbewerbs ganz hoch im Kurs steht, freut sich, hier solche Musik präsentieren zu dürfen.

Er schwärmt bei Borodins „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ von dem verträumten Klarinettensolo zu Beginn und wie musikalisch anschließend die Kamele daherkommen. Der Komponist malt seiner Meinung nach wunderbare musikalische Bilder, und er lobt seinen Fantasiereichtum.

Außerdem liebt Chuang Tschaikowskys fünfte Sinfonie sehr. Sie begleitet ihn seit dem zweiten Jahr seiner Zeit als Dirigierstudent. Es gebe so viele ehrliche Emotionen darin. Kein Takt sei ein Fake. Der Komponist habe in seinem Leben so viel Schmerz erfahren. Und die habe er alle in diesem Werk unverblümt in Töne gefasst. Für ihn ist der dritte Satz einer der schönsten Walzer, der wie ein Traum sei. Auch ist er beeindruckt, wie Tschaikowsky im Finalsatz über das Leben triumphiert.

Hochachtung hat er vor Enjott Schneider. Er bewundert, wie genau er die Sheng kennt. Sie gehört mit zur Familie der Mundorgeln. Sie besteht aus einer aus Metall gefertigten Windkammer, an der bis zu 37 Pfeifen angebracht sind. Die Sheng ist seit rund 3000 Jahren bekannt und somit eines der ältesten chinesischen Musikinstrumente.

Wu Wei aus China ist ein renommierter Star an der Sheng

Schneiders „Yin & Yan“ ist ein im September 2017 uraufgeführtes Konzert für Sheng und Orchester. Diese Musik ist für den in Taiwan geborenen Dirigenten leicht erfassbar („understandable structure“). Harmonisch, musikalisch und in der Art der effizienten Instrumentenführung („it works“) sei sie asiatisch. Das Werk besteht aus zwei Sätzen, in denen Gegensätze zum Tragen kommen. Der erste, melodiöse, sei feminin. Dafür stehe der Mond. Der zweite, rhythmische, stehe für das Maskuline. Damit sei die Sonne verwandt.

Sehr virtuose Passagen sind der Sheng zugedacht. Er vergleicht den Schwierigkeitsgrad mit dem von Paganini für die Geige. Wu Wei aus China wird das Instrument Sonntag und Montag spielen. Er ist ein international renommierter Sheng-Star und auf den weltweit großen Konzertbühnen zuhause. Er war auch Solist bei der Uraufführung.

Vom Sinfonieorchester Wuppertal ist der Shooting Star der Dirigentenszene begeistert: „There are many Superstars in the Orchestra“ (Es gibt viele Superstars in dem Orchester). Und er betont, dass sie alle richtig Musik machen wollen. Nach diesem zweitägigen Gastspiel nimmt er die städtischen Sinfoniker mit nach Bochum in das „Anneliese Brost Musikforum Ruhr“, um Tschaikowskys Fünfte dort nochmals aufzuführen. Danach debütiert er mit dem SWR Symphonieorchester in Stuttgart. Schließlich führt ihn sein Weg zum Ende der Saison erstmals nach Australien, wo er Konzerte mit dem Auckland Philharmonia Orchestra und dem Tasmanian Symphony Orchestra dirigieren wird.

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