Tic-Theater: Die Blues Brothers und das Urmele

Tic-Theater : Die Blues Brothers und das Urmele

Das Tic-Theater hat auch in der Sommerpause gespielt und das zweite Halbjahr vorbereitet.

Die Spielzeit ist wie das Kalenderjahr erst zur Hälfte um, und deshalb steht das Programm ab September schon lange fest, hat das Tic-Theater auch nicht wirklich Sommerferienpause gemacht. Im Unterschied zu allen anderen. Zieht sein Programm einfach weiter durch und freut sich, dass es gut ankommt. „Es läuft richtig super“, schwärmen Stefan Hüfner und Ralf Budde, die die Geschäfte des Cronenberger Theaters führen. Das aufwendige und anspruchsvolle „Singin’ in the Rain“ werde bestens angenommen, „Frühstück bei Monsieur Henri“ musste verlängert werden. Auch die Aufführungen von „Der Frosch mit der Maske“, die das Jahr eröffneten, waren besser ausgelastet als erwartet. Nun aber „freuen wir uns auf das, was kommt“, sagen die beiden und meinen das Programm für die zweite Jahreshälfte.

Jährlich zählt das Theater mit seinen Spielstätten an der Borner Straße und in Unterkirchen zirka 25 000 Besucher in bis zu 350 Aufführungen. Bei der Stücke-Auswahl kommt es auf die richtige Mischung an: Ein Krimi, eine niveauvolle französische Komödie, ein Klassiker und natürlich ein Musical gehören zu den Bausteinen, aus denen die Theatermacher ihren Spielplan fertigen. Dabei auf das 70-köpfige Ensemble, seine natürliche Fluktuation, vor allem bei den Jüngeren, seine Stärken und Schwächen achten, auf die Stamm- und Abonnementgäste, die es mitzunehmen gilt.

Den Auftakt macht am 14. September die Premiere von „Der Gott des Gemetzels“. Die Komödie stammt von Yasmina Reza, einer der angesagtesten Autorinnen derzeit, die man schon lange habe aufführen wollen. Ein Stück um Inhalte, die nie aus der Mode kommen, sagt Hüfner. Ein Stück „mit raffinierten Dialogen. Es geht um eine scheinbar harmlose Situation – wenn sich die Leute vernünftig benehmen würden, wäre das Stück nach fünf Minuten vorbei“, erklärt Budde. Die Regie übernimmt der in Wuppertal bestens bekannte Thomas Gimbel, der auch als Schauspieler auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann. Die Proben mit den vier Schauspielern laufen auf Hochtouren.

Auch „Die Blues Brothers“, die am 27. September Premiere feiern, sind schon in der Vorbereitungsphase. Die musikalische Leitung hat Hüfner, Patrick Stahnke inszeniert das Musical nach dem gleichnamigen Kultfilm aus dem Jahr 1980. Budde freut sich über die tolle Kombination, der Vorverkauf der Karten bestätigt ihn: Der laufe bereits so gut, dass er auf die Termine Ende November ausgedehnt werden musste.

Werktreue und Respekt beim Umgang mit Klassikern

Auch das Tic-Theater fühlt sich der Bildungsvermittlung verpflichtet, führt deshalb Klassiker auf, aber nicht auf krasse, auch nicht auf hausbackene Art, sondern „in moderner Werktreue und Respekt vor dem Werk“, formuliert Budde. Nach zuletzt Goethes Faust wählte man nun Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, den er selbst inszeniert. „Wir wollen das Stück vermitteln, für Leute, die es kennenlernen wollen“, erklärt er. Verweist auf Erfahrungen mit Schülern, die im Tic klassische Stücke, die sie zuvor im Unterricht gelesen hätten, erstmals verstanden hätten. Start ist am 15. November.

Ein Aufführungsklassiker ist sicherlich „Die Feuerzangenbowle“, die in einer Wiederaufnahme ab 29. November gezeigt wird. „Wir haben sie sicherlich schon 270 Mal aufgeführt. Generationen von Schauspielern haben sie bei uns gespielt. Sie ist ein Must-have im Winter, zu dem sie wie die Bowle gehört“, ist Budde überzeugt. Und verspricht: „Die 300 schaffen wir auch noch.“

Bleibt noch „Urmel aus dem Eis“ nach Max Kruse, das ab 1. Dezember täglich aufgeführt wird. Hüfner: „Das stemmen wir seit vier, fünf Jahren, denn der Bedarf ist absolut da.“ Ein pädagogisch wertvolles wie zauberhaftes Stück für Menschen ab fünf Jahren, das weder an eine Jahreszeit noch an ein bestimmtes Alter gebunden ist.

Und das Jahr 2020 beginnt, wie immer, wieder mit einem Krimi. Die Wahl wird noch nicht verraten. Etwas Spannung muss sein.

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