Musiksommer mit hochklassigem Orgelwettbewerb in der Stadthalle.

Orgelwettbewerb : Persönlichkeit gibt den Ausschlag

Musiksommer mit hochklassigem Orgelwettbewerb in der Stadthalle.

Um den Nachwuchs machen sie sich keine Sorgen. Gute und schlechte Spieler habe es immer gegeben, sagt Prof. Dr. Winfried Bönig. Und die, die sie sich in den letzten Wochen angehört haben, seien mit ihren Händen und Füßen gut dabei gewesen, meint Iveta Apkalna und schmunzelt. Auch DR. Naji Hakim ist sehr beeindruckt. Die drei müssen es wissen. Sie sind ausgezeichnete Organisten und die Juroren des Internationalen Orgelwettbewerbs, den Musikhochschule und Historische Stadthalle Wuppertal im Rahmen des Wuppertaler Musiksommers veranstalten. Seit Dienstag läuft die entscheidende Phase. Öffentlich, oben auf dem Johannisberg – heute, 17 bis 21 Uhr, ist Finalrunde, am Freitag Preisträgerkonzert.

Sie müssen sich nicht verstecken: die prachtvolle Stadthalle und ihre Sauerorgel, die die Juroren ebenfalls aus eigener Erfahrung schätzen. Zum dritten Mal beurteilen sie gemeinsam in Wuppertal junge Organisten (bis maximal 35 Jahre), achten dabei weniger auf das richtige Spiel und mehr auf die Persönlichkeit, schließlich sitze ja keine Maschine an der Orgel. 30 angehende Musiker hatten sich bis 17. Mai mit einer MP3-Einspielung beworben, zehn wurden geladen. „Es sind etwa gleich viele Männer und Frauen aus elf verschiedenen Nationen“, berichtet Heike Janssen, Pressesprecherin der Stadthalle.

Zuhören erwünscht: Wettbewerb wird öffentlich ausgetragen

Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge in d-Moll, ein Stück von César Franck und eines von Max Reger sowie eine Komposition, die nach 1980 entstanden ist, müssen gespielt werden. Bis Donnerstag wählt die Jury die drei Finalisten aus, was ihnen erfahrungsgemäß nicht schwer falle, man sei sich schnell einig, betont Bönig, Domorganist in Köln und Juryvorsitzender. Das präzise, klare Spiel sei weniger bedeutsam, meint die lettische Konzert- und Titularorganistin der Hamburger Elbphilharmonie, Apkalna. Wichtiger seien Aura und Performance, so der Konzertorganist, Komponist und Dozent Hakim, der mit fünf Jahren Bach und Reger auf einer Kirchenorgel hörte und dem Instrument verfiel: „It was love at frist hear.“ Bönig, der in einem Bildungsbürgerhaushalt aufwuchs, indem alle musizierten, stellt fest, dass das Instrument den Menschen auswählt nicht umgekehrt. Apkalna schließlich ist überzeugt, auf der Erde zu sein, um Orgel zu spielen. Ergänzt, dass bei ihr auch das Gefühl der Tasten unter den Händen ihre Zuneigung zur Orgel befördert habe.

2009 fand der erste Orgelwettbewerb statt, der das Image von Hochschule und Stadthalle fördern soll. 2013 folgte ein Neustart mit restaurierter Orgel und erhöhten Preisgeldern. Der Wettbewerb ist begehrt, ein Gewinn kann wichtiger Baustein einer Künstler-Karriere sein, weiß Janssen. Die besten Drei bestreiten am Freitag das Abschlusskonzert. mws

wuppertaler-musiksommer.de

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