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Karl-Heinz Hermans wird 90 – sein Kempen wird mal wieder beschenkt

Porträt : Karl-Heinz Hermans wird 90 – sein Kempen wird mal wieder beschenkt

Der Ehrenbürger feiert seinen Geburtstag mit einem Empfang in der Paterskirche. Die Gäste werden um Spenden für neue Bäume gebeten. Im Vorfeld der Feierlichkeiten sprach er mit der WZ – wie immer mit viel Humor, aber auch mal nachdenklich.

An der Pumpe vor seinem Haus? Oder am Martins-Denkmal? Vielleicht lieber am Bronze-Modell? Die Entscheidung, wo er sich denn fotografieren lassen möchte, fiel Karl-Heinz Hermans gar nicht so leicht. An so vielen schönen Stellen in der Altstadt fühlt er sich wohl. Und zu den erwähnten Sehenswürdigkeiten hat er so viel beigetragen. Anlässlich von Geburtstagen und in seiner früheren Rolle als Vorsitzender des St. Martin-Vereins hat er sich unter anderem für Pumpe, Denkmal und Modell eingesetzt, eine Menge Geld dafür gesammelt. Dann könnte es ja bald eine neue Sehenswürdigkeit für Kempen geben. Denn der nächste runde Geburtstag steht an. Am Samstag wird der Ehrenbürger 90 Jahre alt.

In der Tat verzichtet Hermans wieder auf persönliche Geschenke. Die Gäste eines Empfangs in der Paterskirche bittet er stattdessen um Spenden für „sin Kempe“. Neue Figuren oder Statuen wird es aber nicht geben. Hermans sammelt Geld für das Kempener Grün. „Die Nachrichten, dass so viele Bäume wegen der Trockenheit sterben, haben mich nachdenklich gestimmt“, sagt Hermans. Deshalb will er mit seinem Geburtstagsgeld einen Teil zur Aufforstung im Kempener Stadtgebiet beitragen.

Und schon ist der frühere ehrenamtliche Bürgermeister im WZ-Gespräch mittendrin im aktuellen politischen Geschehen. Für die jungen Menschen, die sich unter anderem im Rahmen von „Fridays for Future“ für den Klimaschutz einsetzen, hat der 89-Jährige Sympathien. „Ich kann nur begrüßen, wenn sich junge Leute dafür einsetzen. Dass so viele Interesse zeigen und sich aktiv einbringen, finde ich prima“, sagt der Christdemokrat. Es könne aber nun mal nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen. „Von der Politik erwarte ich, dass die Sorgen dieser Generation ernst genommen werden. Es muss aber trotzdem mit Augenmaß gehandelt werden.“

Nachdenklich reagiert der Ehrenbürger auch, als es im Gespräch um den aktuellen Rechtsruck in Deutschland geht. „Viele scheinen nicht mehr wertzuschätzen, dass wir seit 70 Jahren in Frieden und Freiheit leben. Es ist für mich völlig unverständlich, wenn sich Menschen rechtsradikalen Parteien zuwenden“, sagt der Kempener. Die demokratischen Kräfte müssten Acht geben, dass die Errungenschaften der Demokratie nicht verloren gehen.

Mit Blick auf das aktuelle Geschehen in Politik und Verwaltung in Kempen hält sich Hermans etwas zurück. Er wolle keine Ratschläge geben. Als Außenstehender nehme er aber schon wahr, dass es häufig nur ums „Klein-Klein“ gehe. Um große Herausforderungen zu meistern, müssten die Handelnden mehr über den politischen Tellerrand schauen. „Mehr sage ich jetzt aber nicht. Schließlich richtet die Stadt Kempen zu meinem Geburtstag einen Empfang aus“, sagt Hermans. Kurz nach dieser Aussage wird sein bekanntes verschmitztes Lächeln sichtbar, das dann in einem herzhaften Lachen endet.

Mit Humor hat Hermans die meisten Ereignisse in seinem Leben genommen. Als Bäckermeister. Als Kommunalpolitiker. Als Ehemann. Als Vater. Als Großvater. Und natürlich als Karnevalsprinz. „Frohsinn und Heiterkeit spielen eine große Rolle in meinem Leben“, sagt Hermans. „In unserer Familie muss es immer was zu lachen geben.“ Diese Familie, allen voran seine Frau Resi, mit der er seit 61 Jahren verheiratet ist, sei ihm „das Wichtigste“. Seine beiden Kinder Heiner und Stefanie mit ihren Partnern sowie die Enkel Marc, Anne und Johannes sind der Stolz des Ehrenbürgers. Es seien schöne Momente, Zeit mit ihnen zu verbringen. Daher gehe es nach dem Trubel rund um den 90. Geburtstag mit der Familie für ein paar Tage ins Sauerland – ganz in Ruhe.

Diese zu bewahren, das sei in der politischen Laufbahn sehr wichtig gewesen, sagt Hermans. In der Doppelspitze mit Stadtdirektor Karl Hensel sei das auch so etwas wie die Rolle des damaligen ehrenamtlichen Bürgermeisters gewesen. „Und ich hatte ja auch die deutlich leichtere Rolle als Karl Hensel. Er musste in vorderster Verantwortung letztlich die Entscheidungen treffen – auch die unangenehmen“, sagt Hermans. Er selbst habe dann mit den Kempenern darüber kommuniziert. „Karl Hensel hatte als Verwaltungschef die fachliche Expertise. Mir lag das Gespräch mit den Leuten besser. Das hat einfach gepasst.“

Die gute Zusammenarbeit mit Karl Hensel sollte schon im Artikel zum 90. Geburtstag erwähnt werden, findet Karl-Heinz Hermans. „Und natürlich St. Martin. Das bedeutet mir einfach unheimlich viel“, sagt der Ehrenbürger, der 20 Jahre Vorsitzender des Martinsvereins war. Auf den 9. und 10. November, wenn zuerst die Kindergärten und dann die Schulen durch die Stadt ziehen, freue er sich immer noch wie ein kleines Kind. „Dass St. Martin in Kempen so etwas Besonderes ist, ist vor allem den Schülern und Lehrern zu verdanken. Das Engagement an den Schulen ist unvergleichlich.“ Kurz bevor „Jüppi“ Trienekens auf seinem Schimmel durch die Stadt reitet, begibt sich Bäckermeister Hermans übrigens immer in die Küche. Denn auch mit fast 90 sorgt er im Hause Hermans an der Ellenstraße 8 immer noch für frische Püfferkes. In dem Haus, in dem früher die Familien-Bäckerei war. In dem Haus, in dem er 1929 geboren ist.

Nun mag es Zufall sein, aber dennoch passt es einfach: Nicht nur Karl-Heinz Hermans, sondern auch seine Heimatstadt feiert in Kürze einen besonderen Geburtstag. Vor 725 hat Kempen die Stadtrechte erhalten, was nur eine Woche nach dem Neunzigsten von Hermans mit der „Klingenden Altstadt“ gefeiert wird. „Ich wünsche mir und ich wünsche der Stadt, dass Kempen sich so gut weiterentwickelt“, sagt Hermans beim Blick in die Zukunft. Bei allem „Gemecker“ dürfe man nicht vergessen, wie „außerordentlich gut“ Kempen dasteht. „Dies zu bewahren, ist schon eine große Aufgabe.“

Bleibt noch die Antwort auf die Frage, warum es denn in Sachen Fotomotiv letztlich das Bronze-Modell am Rathaus geworden ist. Es zeige die Altstadt als Ganzes, sagt Hermans. Mit seinen beruflichen, politischen und privaten Wirkungsstätten. Mit den vielen Orten, an denen er gerne mit Menschen spricht. Am liebsten natürlich über Kempen und die Kempener. Hermans: „Da gibt es immer was zu erzählen.“