Velbert : Neue Karten zeigen Hochwasserrisiko

Mit einem Kataster der TBV lassen sich durch Starkregen überflutungsgefährdete Flächen im Stadtgebiet erkennen.

. Das nächste Unwetter kommt bestimmt, wie sich erst am Mittwoch wieder gezeigt hat: Der langersehnte Regen fiel einmal mehr nicht langanhaltend und den ausgetrockneten Boden durchdringend, sondern kurzzeitig in größeren Mengen, die schnell davonrannen. Wasserschäden gab es zwar in der Region keine zu verzeichnen, die Feuerwehr war vielmehr mit den stürmischen Auswirkungen des Gewitters beschäftigt. Dennoch verfestigt sich der Eindruck, dass die Häufigkeit unwetterartiger Niederschläge zunimmt.

Um für diese Fälle besser gewappnet zu sein, wollten die Velberter Grünen daher die Technischen Betriebe (TBV) mit der Erstellung einer Starkregengefahrenkarte für das Stadtgebiet beantragen: „Im Rahmen des Klimawandels sind neben der Hitzebelastung zunehmend auch Starkregenereignisse als Gefahren für Eigentum und Unversehrtheit der Einwohner von Bedeutung“, erläuterte Dr. Wolfgang Beckröge. Durch die Topografie sei Velbert in weiten Teilen durch Überflutungen bei Starkregen besonders betroffen. Anhand von Gelände- und Gebäudedaten sollten Fließwege des Wassers und Einstauhöhen berechnet werden.

Mögliche Risiken und Schäden lassen sich besser abschätzen

Ein solches Kartenwerk ist allerdings schon vorhanden, war von Carmen Sauerwein zu erfahren. Sie ist bei den TBV für die Stadtentwässerung zuständig. Für die Kanalplanung beschäftigten sich die TBV schon seit Jahren mit den Auswirkungen von Starkregenereignissen. Die nun erstellten Überflutungskarten seien eine Vorsorgemaßnahme der Stadt, die flächendeckend kritische Stellen aufführen. So lassen sich mögliche Risiken und Schäden abschätzen und Vorsorgemaßnahmen erarbeiten – mit Vorteilen für den einzelnen Bürger wie für die ganze Stadt: Das beginnt beim Objektschutz für bestehende Gebäude, reicht über die Optimierung von Kanälen, Straßen oder Grünflächen in Sachen Überflutungsschutz bei Um- oder Neubau, bis zur Bauleitplanung, indem zum Beispiel Fließwege optimiert beziehungsweise freigehalten sowie Überflutungsflächen festgelegt werden. „Außerdem kann auch das Krisenmanagement optimiert werden“, erläuterte die Diplom-Ingenieurin – so ist es natürlich etwa für die Feuerwehr oder die Stadtwerke von Vorteil, vor einem Unwetter zu wissen, wo kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel Krankenhäuser oder Altenheime, Trafo- oder Übergabestationen im Ernstfall gefährdet sind.

Geplant ist, das Kartenmaterial in absehbarer Zeit zu veröffentlichen. Ein Mitarbeiter der TBV wird dann für Erläuterungen und Auskünfte zur Verfügung stehen, so die Planung. Dazu waren im zuständigen Umwelt- und Planungsausschuss Bedenken vorgetragen worden, die der neue Baudezernent Jörg Ostermann schnell entkräftete. Er berichtete von den Auswirkungen mehrerer Starkregenereignisse, die er in den vergangenen Jahren als Beigeordneter in seiner Heimatstadt erlebt hatte. Es sei besser, den Leuten klar und deutlich zu sagen, was möglicherweise bei einem Unwetter passieren könne und das Kartenwerk als Vorwarnfunktion bereitzustellen. So werde auch die Sensibilität für das Thema erhöht, und potenzielle Betroffene könnten sich besser auf einen Ernstfall vorbereiten.

Dem schloss sich Manfred Bolz (CDU) an: Der Ausschussvorsitzende war am 26. Juli 2008 selber betroffen, als ein Unwetter Velbert unter Wasser setzte. Sauerwein hatte zuvor mit eindrücklichen Bildern der Feuerwehr gezeigt, was der Starkregen damals im Stadtgebiet angerichtet hatte. Bei den Grünen fand das Vorhaben ohnehin Beifall: „Ein Konzept mit Veröffentlichung der Daten und fachlicher Begleitung wäre eine runde Sache“, lobte Beckröge.

Mehr von Westdeutsche Zeitung