Wülfrath: Gastronomie soll die Innenstadt aufwerten

Die Wirtschaftsförderung sieht darin einen Schlüssel, um die City zu beleben und für Besucher attraktiver zu machen.

„Wülfrath hat was und ist schön“, sagen zumindest diejenigen Menschen, die zum ersten Mal in der Kalkstadt unterwegs sind. Die Wülfrather selbst, bemerkt der Wirtschaftsförderer Karsten Niemann, sehen die Potenziale der Stadt an der Anger nicht immer so positiv, wie Auswärtige und Gäste. „Was wir brauchen, ist ein größeres ,Wir-Gefühl’“, sagt Niemann. Sicherlich, der eingefleischte Wülfrather steht zu seiner Stadt, zu seinem FC und zum TBW. Doch die Verbundenheit zur Heimatstadt ist nicht bei allen Kalkstädtern (Neubürgern) gleich ausgeprägt. Allerdings kann die Innenstadt noch einen Innovationsschub vertragen. Derzeit ist die Neuauflage des Stadtentwicklungskonzeptes in der Mache, das Antworten auf drängende Probleme geben und gleichzeitig Handlungsanweisungen enthalten soll. Es geht um Frequenz und um Aufenthaltsqualität.

Wer die Altstadt betritt,
sieht sofort das Café Sophie

„Ja, wir brauchen noch mehr Gastronomie in der Innenstadt“, sagt Karsten Niemann. Das Café Sophie am Heumarkt, mit dem die Stadt optisch in ihrer Hochglanz-Broschüre wirbt, ist derzeit leider geschlossen. „Doch es gibt einen potenziellen Nachfolger“, sagt Niemann. Spruchreif sei der Deal aber noch nicht. Beim Café am Heumarkt handelt es sich um ein sogenanntes „Schlüsselobjekt“. Das bedeutet: Jeder, der die Altstadt betritt, sieht sofort das Café. Eine funktionierende Außengastronomie fällt natürlich mehr ins Auge als ein leerer Heumarkt.

Verbesserungswürdig ist auch der Eingangsbereich zur Altstadt von der Mettmanner Straße aus. Ein echter Hingucker fehlt, und der Ware-Platz versprüht den Charme der 70er Jahre. Zwar gibt es dort ein Eiscafé, doch der Platz könnte mehr vertragen – eine Spielhalle verstärkt die Tristesse. Das Problem: Die Wirtschaftsförderung kann nur vermitteln, die Stadt selbst ist kein Eigentümer und kein Gestalter. „Wir sind aber in gutem Kontakt mit den Maklern“, sagt Niemann. „Ja, es gibt Leerstände in der Innenstadt. Oft ist eine Treppenanlage ein Vermarktungsmangel – oder der Mangel an Stellplätzen.“ Die Mieten, so Niemann, seien hingegen marktüblich.

Große Filialisten haben bislang noch nicht den Weg an die Wilhelmstraße gefunden. Glücklicherweise, sagen einige Einzelhändler. „Die Ladenlokale sind zu klein“, meint Niemann. Positiv: Es gibt zahlreiche inhabergeführte Geschäfte in Wülfrath, der Branchenmix stimmt im Großen und Ganzen, die Kaufkraft ist hoch. Allerdings gibt‘s auch Branchen, die eher weniger vertreten sind. Der Ruf nach einem Warenhaus, ähnlich früher Murjahn, sei immer wieder zu hören.

Niemann bereitet der Online-Handel Kopfzerbrechen. Eine E-Commerce-Reihe der Wirtschaftsförderung sei von den Einzelhändlern nicht besonders gut frequentiert worden. Bau- und Planungsdezernent Martin Barnat kann sich mit der Idee gut anfreunden, auf dem Kirchplatz ein kleines Café zu etablieren. Dort gab es früher eine intakte Gastronomie-Szene. Natürlich müsse man mit den Anwohnern sprechen, die rechtlichen Rahmenbedingungen einhalten und die lokalen Gegebenheiten (schmale Gassen) mit in die Überlegungen einbeziehen. Ein Frequenzbringer sei so sein Café allemal. Der Einzelhandelsbereich in der Fliethe sei sicherlich ein Konkurrent zur Innenstadt, sagt Barnat. Zumal der Real-Markt als Vollsortimenter bis 22 Uhr durchgehend geöffnet sei. „Gleichwohl gilt es, das Schutzgut Innenstadt weiter nach vorne zu bringen“, stellt der Bau- und Planungsdezernent fest. Der Grüngürtel – Angergarten und In den Banden – werde gut von der Bevölkerung angenommen und sei fast „ein Alleinstellungsmerkmal“.

(cz)
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