Wülfrath: Ensemble setzt auch politische Pointen

Wülfrath : Ensemble setzt auch politische Pointen

Die Scheibenwischer begeisterten das Publikum bei ihrem Auftritt in der Kathedrale.

Immer wieder köstlich, immer wieder geistreich und dennoch mit Bodenhaftung: Die Scheibenwischer müssten erfunden werden, wenn es nicht Thomas Ackermann und Ulrich Neumann vor bald 50 Jahren schon getan hätten. Dass es im neuen Programm dieser Truppe auch politisch pointiert zugeht, hat sich die AfD selbst zuzuschreiben, denn sie fing sich einige Watschen ein.

Lange vor Beginn war die Kathedrale gefüllt, Lothar Meunier unterhielt das Publikum mit Songs der 70er und 80er Jahre am Klavier, in die die Besucher auch einstimmen sollten. Schon in den 80er Jahren muss es ein Flüchtlingsproblem gegeben haben, denn Peter Alexander sang damals „Hier ist ein Mensch, du hast ein Haus, öffne die Tür!“ Immer wieder suchen die Scheibenwischer auch den Bezug zum Örtlichen, und die Wülfrather Bürgermeisterin Claudia Panke wird dabei nie ausgelassen. Köstlich die Einladung ins Weiße Haus, endlich erkenne man ihre Leistung an – aber gemeint war das schwarzweiße Haus am Marktplatz. Auch der frühere Beigeordnete der Stadt, Wolfgang Peetz, ist noch immer für ein Späßchen gut.

Ein Klassiker im Programm der Scheibenwischer ist das Zwiegespräch der beiden Oldies auf der Parkbank: Wie geht es dir? Gut, mache jetzt Sport. Du Sport? Ja, Yoga. Eine Übung kann ich schon fehlerfrei: Stehender älterer Herr. In düsterem d-Moll erklang das Lied der AfD: „Wer bei der AFD sein Kreuzchen macht, der hat nicht nachgedacht.“ Eine blendende Vorstellung von Lothar Meunier, verpackt in ein wenig Harmonielehre.

Zu einer Hommage an den Zeittunnel geriet die Reportage im Tagesjournal. Der selbstgebackene Kuchen, die Millionen Jahre lange Reise durch die Zeit, einfach schön. Auch die witzigen Fahrten der Scheibenwischer, etwa nach Wien. Das Hundertwasserviertel – klar, Hundertwasser lebte in Wien, aber hier war es nur der Kindergarten in Wülfrath.

Barbara Fuchs, Jennifer Schulz, Martina Seidel und Hendrik Schlieper sind im Zeitraum zwischen 1999 und 2004 zum Scheibenwischer-Ensemble gestoßen und komplettieren die Gruppe in ihren Rollen als Psychiater beziehungsweise Patienten. Die Schreie der Barbara Fuchs waren unnachahmlich; burschikos war Martina Seidel, die mit „Ruhe im Karton“ eine Schulklasse disziplinieren wollte. Alle Schüler waren traumatisiert, und der Doc hatte neue Patienten.

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