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Krefeld: Hohenbudberger schreibt ersten Roman

Krefeld : Hohenbudberger schreibt ersten Roman

Wilhelm Rennebaum hat nach den Chroniken über sein Heimatdorf seinen ersten Roman „Zeitenwende“ geschrieben.

Krefeld. In manchen Romanen ist einer der Hauptcharaktere der Star, manchmal sogar auch der heimliche Star. Besondere Charaktere hat der erste Roman von Wilhelm Rennebaum auch. Zum Beispiel der „mit allen Wassern gewaschene“ Bürgermeister Robert Rademacher. Oder der Pfarrer Wilhelm Terlinden, „der die Neigung hat, über das Ziel hinauszuschießen“. Oder die Frauen-Riege mit der „bauernschlauen“ Pfarr-Haushälterin Johanna Janssen. Trotzdem sei der eigentliche Star des Romans der linke Niederrhein, genauer gesagt, der fiktive Ort Daelhuysen, in dem die Geschichte des Romans spielt, berichtet Rennebaum.

Wie kam der gerade 70 Jahre alt gewordene Autor denn dazu, nach seinen Hohenbudberg-Chroniken einen Roman zu schreiben? „Im Prinzip schließt sich der Roman an die Chroniken an“, klärt Rennebaum auf. Nur dass es in diesem Buch nicht nur um Zahlen und Fakten geht, sondern auch um eine fiktive Geschichte. Die Geschichte einer Kleinstadt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Einer Zeit, in der die meisten noch mit dem Aufräumen und Verarbeiten beschäftigt waren und sich zugleich in eine schönere Welt wegträumen wollten, weil die Erinnerungen der Vergangenheit an ihnen zerrten.

Das Besondere an der fiktiven Kleinstadt Daelhuysen ist, dass sie vom Krieg verschont blieb. Die Männer im Roman vermuten, dass das damit zu tun hat, dass die „oberschlauen Engländer und die nie an sich selbst zweifelnden Amis eben davon ausgegangen sind, dass Daelhuysen eine niederländische Stadt ist“. Wie dem auch sei, die kleine Stadt am Niederrhein, die laut Rennebaum knapp 17 000 Einwohner hat, überstand den Krieg und lebt jetzt wieder auf. Bevor Rennebaum jedoch in den Roman einsteigt, skizziert er im Prolog erst einmal die Eigenarten des Niederrheiners, „damit die Leser eine Vorstellung von den Menschen am Niederrhein haben“.

Ebenso steht vor jedem Kapitel eine Seite mit der jeweiligen Jahreszahl und Fakten zum Jahr: „1951: Am Niederrhein und in der gesamten jungen Bundesrepublik kennen die Menschen nur eine Blickrichtung: stur nach vorne.“ Für Rennebaum waren gerade diese zeitlichen Fakten von großer Bedeutung für seinen Roman, da es den Lesern helfen sollte, „die Atmosphäre der Zeit zu begreifen“, so der Autor. Der gesamte Roman spielt in den Jahren 1951 bis 1961.

„Mir liegen sie sehr am Herzen, da dort viele Weichen gestellt wurden“, erklärt Rennebaum. Genau um diese Weichen oder auch „kleine Umwälzungen“, wie Rennebaum es bezeichnet, geht es in dem Roman: Um Frauen, die langsam immer selbstständiger werden. Um eine Kleinstadt, die stockkonservativ ist und stark durch die katholische Religion geprägt. Um eine Filmfirma aus München, die in dem beschaulichen Ort am Niederrhein einen Heimatfilm drehen will.

Was natürlich nicht allen Anwohnern passt: „Schauspieler haben einen anderen Lebensrhythmus als wir Menschen hier am Niederrhein, und was mir ganz wichtig ist zu betonen: Sie haben ganz andere Moralvorstellungen als wir.“ Trotzdem kommt das Filmteam nach Daelhuysen und mit ihm einige Aufruhr. Für Rennebaum war der Roman ein Projekt, „das mir sehr viel Spaß gemacht hat“. Trotzdem war es auch eine sehr arbeitsintensive Zeit. Anderthalb Jahre hat der Krefelder an seinem Roman, der vor kurzem im Shaker Media-Verlag erschienen ist, geschrieben.

Ein weiterer Roman steht im Moment nicht direkt auf dem Plan, aber „eine Idee geistert mir schon im Kopf herum“, verrät Rennebaum. Vielleicht wird dann auch dieser Roman wieder am Niederrhein spielen. Ähnlich einem Ort wie Daelhuysen, „einer Kleinstadt so verschlafen wie viele andere deutsche Kleinstädte auch“.