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Uerdingen: WZ-Mobil: "Das Feuerwerk gehört zum Rhein"

Uerdingen : WZ-Mobil: "Das Feuerwerk gehört zum Rhein"

Die Entscheidung der Stadt, das Spektakel aus Sicherheitsgründen vom Rathausdach zu zünden, sorgt für Kopfschütteln.

Krefeld. Ach, was waren das noch für Zeiten, als das Feuerwerk als Höhepunkt der Uerdinger Kirmes von der gegenüberliegenden Rheinseite abgeschossen wurde. Viele Uerdinger erinnern sich noch aus Kindertagen an die liebgewonnene Tradition.

Eine, auf die sie — zum Ärger vieler — in diesem Jahr wohl zum wiederholten Mal verzichten müssen: Die Stadt verweist auf ein mangelndes Sicherheitskonzept, das seit der Loveparade-Katastrophe im benachbarten Duisburg, im Juli vor sechs Jahren, Pflicht ist. Nur: Ein solches Konzept hätte Kosten von rund 10 000 Euro verursacht. „Dafür fehlen uns Geld und Kapazitäten“, das machte Bezirksvorsteher Jürgen Hengst in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung deutlich. Doch ohne Sicherheitskonzept, so fürchtet die Verwaltung, sei die Gefahr, dass Zuschauer in den Rhein fallen, zu groß.

Ja, Sicherheit geht vor — da sind sich die meisten Uerdinger am WZ-Mobil einig. Dennoch: Das Kopfschütteln zur Entscheidung der Stadt überwiegt. „Ich bin in Uerdingen und mit dem Feuerwerk am Rhein großgeworden“, erzählt etwa Waltraut Mertenschledde. „Da ist nie etwas passiert.“ Die Erklärung der Stadt findet sie nicht nur „nicht gut, sondern fadenscheinig“. Dass es weniger gefährlich sein soll, das Feuerwerk stattdessen vom Dach des Rathauses abzuschießen, kann sich Waltraut Mertenschledde kaum vorstellen.

Eine Absperrung des Ufers sorge für mehr Sicherheit, als das Feuerwerk auf den Rathaus-Platz zu verlegen — gemeinschaftliches Kopfnicken am WZ-Mobil. Rüdiger Mroszczok lebt seit mehr als 40 Jahren in Uerdingen. Oft hat er sich das Feuerwerk am Rhein angesehen. „Es gibt drei Zugänge, die abgesperrt werden müssen. Das ist unten am Eingangstor und jeweils rechts und links davon. Wird dieser Bereich abgesperrt, dann passiert gar nichts.“ Die Argumentation der Stadt kann Mroszczok nicht nachvollziehen. „Angeblich soll es hier am Rathausplatz sicherer sein. Das ist Quatsch. Meiner Meinung nach ist es deutlich gefährlicher, wenn Böller und Raketen am Rathaus abgefeuert werden.“

Nicht nur Mroszczok beschäftigt der Gedanke, wie man das Rheinufer entsprechend sichern könnte. Auch Ralf Ginsky hat eine klare Meinung. „Es muss doch möglich sein, wie bei sehr vielen anderen Veranstaltungen, das Rheinufer mit Sperrgittern abzusichern. Die Absperrung könnte vom Rheinschlösschen bis Rheinkran erfolgen. Somit wäre ein Sturz in den Rhein verhindert und Besucher können das Feuerwerk genießen.“ Ginsky betont: „Wir haben uns richtig darauf gefreut. Das ist ein alljährliches Highlight, das uns jetzt genommen wird.“

Auch für Karin Leven geht mit der Verlegung des Feuerwerkes ein weiterer Anziehungspunkt für Uerdingen verloren. „Der Rhein und das Feuerwerk, das gehörte einfach zusammen. Seit 50 Jahren war es eins der wenigen Dinge, für das es sich gelohnt hat, nach Uerdingen zu kommen.“ So sieht das auch Uwe Roß, der im Rheinfeuerwerk ein Stück Uerdinger Tradition sieht. „In meiner Kindheit sind meine Eltern schon mit mir zum Feuerwerk gegangen. Es befand sich immer eine Absperrung am Rhein. Wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg“, da ist sich Uwe Roß sicher.

„Das Feuerwerk über dem Rhein war wunderschön, da gab es immer eine Menge Publikum“, sagt Inge Leiske. Sie störe sich aber auch nicht daran, wenn die Raketen wie geplant vom Rathausdach gezündet werden — „die Atmosphäre ist eben nicht so, wie wenn es am Rhein stattfindet“, findet Inge Leiske und schiebt noch nach: „Wer da ins Wasser fällt - das ist doch Dummheit.“

Widerstand kommt auch von Bodo Hardenberg, den in puncto Ortswahl noch ein ganz anderer Aspekt große Sorgen bereitet. Als Anwohner des Marktplatzes hat er das Feuerwerk am Rathausplatz nur negativ in Erinnerung. „Wir haben im letzten Jahr Unmengen von Papierhülsen und Müll auf unseren Dächern und hinter den Häusern gefunden. Abgesehen von der Brandgefahr, verstopfen diese Rückstände auch die Dachrinnen und Abflüsse.“

Wie so oft gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Thomas Hoffmann besucht seit Jahren etliche Jahrmärkte, bezeichnet sich selbst als Kirmes-Enthusiasten und sieht den Streitpunkt Feuerwerk aus der Sicht der Schausteller: „Es fällt oft keinem auf, dass sich der Kirmesplatz schon weit vor dem Feuerwerk drastisch leert. Das bringt keinen Umsatz. Das Feuerwerk am Rhein ist zudem deutlich kostenintensiver. Das Geld müssen dann die Schausteller aufbringen, es hat sich in den letzten Jahren immer weniger gelohnt.“

Dem Platz am Rathaus kann Hoffmann auch etwas Gutes abgewinnen: „Klar kann ich die Leute verstehen, die sagen die Atmosphäre wäre am Rhein schöner. Ich finde aber, dass es hier auch alles etwas kleiner und intimer ist. Das gefällt mir.“