Krefelder Musikschule feiert das neue Jahre mit großem Konzert

Neujahrskonzert : Die große Feier der Musikschule

Orchester und Chor präsentierten sich beim Neujahrskonzert in der Friedenskirche.

Ein Riesenandrang herrscht beim Neujahrskonzert der Musikschule. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn sind fast alle Sitzplätze in der Friedenskirche besetzt, die wenigen freien längst reserviert. Schließlich gibt es noch eine Menge Stühle als Nachschub vom Kulturpunkt, aber die reichen auch nicht aus.

Nicht minder gefüllt ist der Chorraum. Für die Jüngsten, den Streicherspielkreis unter der Leitung von Silvia Luft, gibt es neben Sitz- auch Stehplätze. Ohne einleitende Worte oder eine Begrüßung beginnen die kleinen Streicher mit einer sehr getragenen Intrada von Richter-Caroli. Da kehrt dann Ruhe im Saal ein und das Publikum erlebt vier kurze und langsame Stücke.

Jetzt folgt endlich die Begrüßung, doch nicht durch den Leiter der Musikschule Ralph Schürmanns – dessen Name auch nicht auf dem Programmzettel auftaucht, sondern durch seinen Stellvertreter Roman Marreck. Er erinnert daran, dass er beim Weihnachtskonzert der Musikschule gesagt habe, mehr Leute zum Neujahrskonzert mitzubringen. Der Aufruf war sichtlich erfolgreich. Dann erklärt er die Abwesenheit des Musikschulleiters, der vor Weihnachten einen Unfall hatte. Doch inzwischen sei er wieder aus dem Krankenhaus.

„Aber das Programm des Neujahrskonzert trägt seine Handschrift“, so Marreck. Julia Polziehn und Philip Krull sind in die Lücke gesprungen und haben die Leitung der beiden Orchester übernommen, die Schürmanns dirigiert hätte.

Das Kinderorchester bietet zeitgenössische Unterhaltungsmusik. Entschieden schneller und fast schon fetzig kommen die Stücke herüber. Mit „Presto“ von Sheldon (*1954) und dem „Whirlwind“ von Cunow (*1943) kann man sich auch schon größeren Herausforderungen stellen und sie unter dem Dirigenten Krull locker meistern.

Ein Wechsel im Chorraum: neues Orchester, aber der Dirigent bleibt. Das Junge Orchester beginnt seinen Block erst einmal ganz klassisch mit einer Ouvertüre von Mozart. Dann folgt ein Medley von Filmmusiken. Mit einem Klassiker dieses Genres, der Melodie aus dem Film Cinema Paradiso von Morricone, präsentieren sie ganz großes Kino und ernten anerkennende Pfiffe mit dem Applaus.

Zu Beginn des zweiten Teils des Konzerts gibt es eine schöne Überraschung für die Anwesenden. Denn der Leiter der Musikschule hat sich inzwischen unter das Publikum gemischt und begrüßt es. Kein Wunder, dass er bei seinen guten Wünschen für das neue Jahr vor allem an Gesundheit denkt. Und er dankt den beiden Orchesterleitern, die die Einstudierung des Programms mit seinen Ensembles übernommen haben.

Julia Polziehn und ihr Orchester Cellissimo schlagen musikalisch einen großen Bogen durch die Musikgeschichte, harmonisch verbunden durch sehr gefühlvolle Interpretationen der ausgewählten Werke. Der Bogen beginnt mit Mendelssohn-Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ und reicht über das bekannte Lied „Plaisir d’amour“ bis zu zwei Songs von Apocalyptica.

Die Sinfonietta leitet beim Neujahrskonzert ausnahmsweise Krull, wie er es auch auf der Rückseite eines T-Shirts für jedermann deutlich macht. „Im Auftrag des Herrn S.“ ist da zu lesen. Der musikalische Auftrag umfasst eine Sonata in D für Trompete und Streicher des barocken Komponisten Torelli. Den Solopart übernimmt Tobias Heckmann, neuer Fachbereichsleiter an der Musikschule.

Zweiter Teil des Auftrags vom Chef ist ein Stück von Copland, mit dem die Sinfonietta das Publikum in ein fröhliches Fest, ein Rodeo im Wilden Westen, versetzt. Den abschließenden Auftritt des Sinfonieorchesters der Musikschule leitet Polziehn. Auch hier beweist das Ensemble seine Vielseitigkeit - mit der „Tragischen Ouvertüre“ von Brahms über „Donauwellen“ von Ivanovici bis zur Polka „Feuerfest“ von Josef Strauß, bei der ein Amboss für ungewohnte Klänge sorgt.

Das Orchester, das die ältesten Schüler und auch einige Lehrer der Musikschule umfasst, zeigt seine musikalischen Qualitäten und viele Feinheiten der Interpretation. Da ist es auch nicht überraschend, dass es bei diesen Orchestermitgliedern schon eine gewisse Routine gibt und der für ein Neujahrskonzert unvermeidliche Radetzky-Marsch mit Publikumsbeteiligung profimäßig den „korrekten“ Abschluss bildet.

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